Aus Linux-Magazin 06/2019

Susecon 2019 in Nashville

Die episodenreiche Wanderung des deutschen Linux-Spezialisten Suse von einem Mutterkonzern zum nächsten hat vorerst ein Ende gefunden. Zur Susecon in Nashville Mitte April konnte Suse als eigenständiges Unternehmen reisen. Die Aufbruchstimmung war bei der Konferenz spürbar.

Mit rund 1000 Teilnehmern präsentierte sich die Susecon [1] größer als in den Vorjahren. Und für das Suse-Führungsteam blieb es bis fast zum Schluss spannend, ob die Übernahme durch den schwedischen Growth-Investor EQT noch vor der Susecon gelingt. Den Schritt in die Unabhängigkeit von – zuletzt – Micro Focus wollte Suse-Chef Nils Brauckmann unbedingt als Motivationsschub in die Konferenz mitnehmen.

Letztlich ist das auch gelungen. Zwei Wochen vor der Konferenz konnte Suse melden, dass der Handel besiegelt ist. 2,5 Milliarden US-Dollar hat EQT bezahlt, um Suse aus dem Micro-Focus-Portfolio auszulösen.

Farbenspiele

Suse sei nun unabhängig und auf dem Weg, das größte unabhängige Open-Source-Unternehmen zu werden, sagte ein sichtlich erleichterter Suse-Chef Brauckmann (Abbildung 1) in Nashville. Möglich wird dies, weil den US-amerikanischen Konkurrenten Red Hat inzwischen IBM gekauft hat, auch wenn dieser Handel noch nicht komplett abgeschlossen ist. Die Roten seien von den Blauen eingesackt worden, gab Brauckmann zum Besten, aus dem Auditorium gab es dafür Beifall.

Abbildung 1: Marketing-Chef Michael Miller und CEO Nils Brauckmann (von links) bei der Keynote.

Abbildung 1: Marketing-Chef Michael Miller und CEO Nils Brauckmann (von links) bei der Keynote.

“Suse hat nun nur noch eine Agenda und das ist die eigene Agenda”, ließ Brauckmann selbstbewusst verlauten. Mit der Finanzkraft der EQT im Rücken sei auch eine Kombination aus eigenem organischem Wachstum und strategischen Investments in Übernahmen möglich.

Die Unabhängigkeit galt Brauckmann aber als Schlüsselelement für die Entwicklung des Unternehmens. Sein internationales Team sei hungrig auf die sich daraus ergebenden Chancen. Es habe in den verschiedenen Niederlassungen weltweit Unabhängigkeitsfeiern gegeben, so Brauckmann. Auch von den Partnern und Kunden käme positives Feedback.

Zahlenspiele

Brauckmann nannte bei der Konferenz Geschäftszahlen seiner Firma für das Geschäftsjahr 2018. Demnach sind bei Suse weltweit 1750 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt. Rund 300 mehr als im Vorjahr. Das Unternehmen sei in 34 Ländern präsent, und die Mitarbeiter kämen aus 75 Nationen. Der Jahresumsatz habe bei rund 400 Millionen US-Dollar gelegen, ein Wachstum von rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei soll es nicht bleiben. Es gäbe bereits eine Akquise-Strategie, sagte Brauckmann dem Linux-Magazin, und die werde man so schnell wie möglich umsetzen.

Die Abnabelung von Micro Focus bedingt auch einige personelle Änderungen. Suse hat einen Chief Financial Officer eingesetzt. Zuvor hatte Micro Focus das Finanzgeschäft für Suse geregelt. Zudem gelte es nun, einen eigenen IT-Stack für Suse zu entwickeln, der unabhängig von den Workflows von Micro Focus funktioniere und allen Anforderungen an Skalierbarkeit und Agilität entspreche, die auch von Kunden erwartet werden.

Offenheit

Nils Brauckmann bekräftigte, dass Suse seiner Open-Source-Ausrichtung treu bleiben werde. Suse sei dem Open-Source-Gedanken verpflichtet und halte an dieser Verpflichtung fest, so der CEO. Das Unternehmen hat für die Susecon 2019 das Motto “My kind of Open” ausgegeben. Die sehr technisch ausgelegte Konferenz wartete mit rund 150 Vorträgen auf. In Hands-on-Sessions gab es während der Konferenz zudem die Möglichkeit, sich mit den Suse-Technologien und Best Practices vertraut zu machen. Auch für Zertifizierungen in den Bereichen Linux, Open Stack, Ceph Storage und mehr gab es Gelegenheit.

Kundendienst

Forrester-Analyst James Staten schwor die Konferenzteilnehmer bei der Keynote auf die strategischen Notwendigkeiten ein, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Sein Mantra lautete “Customer Obsession”. Es reiche nicht mehr, nur auf Kunden einzugehen, man müsse seinen ganzen Betrieb auf aktuelle und künftige Kundenwünsche einstellen. Er nannte Open Source in mehrerer Hinsicht den Schlüssel zum Erfolg bei dieser Mission. Der größte Wert von Open Source sei das gesamte Ökosystem. Es sorge für eine große Innovationskraft und verbessere gleichzeitig die Sicherheit der Software.

Neue Software

Bei der Susecon 2019 in Nashville hat der Open-Source-Anbieter einige neue Versionen seiner Software-Lösungen angekündigt. Die Suse Open Stack Cloud 9 zählt dazu sowie die Suse Cloud Application Platform 1.4. Die Open Stack Cloud 9 markiert als erste Release ohne zusätzliche Veröffentlichung einer Hewlett-Packard-Enterprise-Release die komplette Integration der HPE-Technologie in die Suse-Lösung. Die kombinierte Open Stack Cloud 9 soll das Beste aus den zuvor getrennten Releases bieten. Mit der Veröffentlichung der Version 9 steht auch schon die Version 10 zur Debatte. Von der soll eine Technology Preview noch im Mai verfügbar sein.

Mit der Cloud Application Platform 1.4 erscheint laut Suse erstmals eine Distribution mit einer Cloud Foundry Application Runtime in einer nativen Kubernetes-Architektur. Suse hat dafür auf das Projekt Eirini zurückgegriffen. Eirini erlaubt die wahlweise Nutzung von Kubernetes oder Cloud Foundry Diego als Container-Scheduler.

Neu hinzugekommen ist auch Googles Kubernetes Engine (GKE). Multi-Cloud-Umgebungen profitieren davon durch mehr Optionen bei der Nutzung der Plattform in Public Clouds, On-Premise oder als Multi-Cloud-Kombination.

Infos

  1. Susecon: https://www.susecon.com

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