Aus Linux-Magazin 01/2019

Notizen von der 13. Open Source Monitoring Conference

Nach mehr als einem Dutzend Ausgaben gehen der Monitoringkonferenz noch immer nicht die Themen aus. Auch in diesem Jahr füllten wieder zahlreiche Admins die Säle in Nürnberg.

Der Hype um künstliche Intelligenz ist gerade allgegenwärtig. Dabei wecken die KI-Apologeten nicht selten Erwartungen, die die Technik nicht erfüllen kann. Jedenfalls ist der vernunftbegabte, selbstbewusste Roboter, der den Menschen in allen Belangen in den Schatten stellt, noch in sehr weiter Ferne, wenn er denn jemals Realität werden sollte.

Da sind die von Susanne Greiner in einem Vortrag Anfang November auf der Open Source Monitoring Conference in Nürnberg vorgestellten KI-Anwendungen doch sehr viel bodenständiger und zugleich von handfestem, praktischem Nutzen. Der Referentin ging es um KI im Performance-Monitoring, das heißt etwa um das Erkennen von Ausreißern und Mustern in aufgezeichneten Reihen von Sensordaten.

Dazu nutzt sie Methoden der Statistik und des maschinellen Lernens und kann damit beispielsweise Abweichungen vom Normalzustand detektieren, die bei einer bloßen Betrachtung von Mittelwerten unentdeckt geblieben wären.

Auch Voraussagen für die Zukunft lassen sich aus den Analysen ableiten (Forecasting). Um zu Daten zu gelangen, die realistisch die Benutzererfahrung widerspiegeln, griff die Referentin dabei teils auf spezielle Software für die Simulation der Benutzerinteraktion zurück.

Breite Themenpalette

Schon dieses Beispiel zeigt die erfreuliche Vielfalt dieser Konferenz, erstmals gab es in diesem Jahr drei parallele Tracks. Deren Spektrum reichte von der Vorstellung neuer Features in bewährten Monitoring-Suiten wie Open NMS, Sensu oder Icinga bis zur Diskussion von Monitoringproblemen in Cloud- und Microservice-Anwendungen, von Loganalyse bis zu Praxisberichten aus großen Umgebungen.

In letztere Kategorie fiel etwa ein Vortrag von Jens Schanz, der bei der Drogeriemarktkette Müller 830 Filialen europaweit per Icinga überwacht. Das umfasst 1800 Linux- und 500 Windows-Hosts in drei Rechenzentren plus jede Menge Drucker, Kassensysteme, EC-Terminals oder aktive Netzwerkkomponenten.

Eine besondere Herausforderung ergibt sich für ihn aus der Notwendigkeit, aus der riesigen Fülle an Informationen – von alles in allem ungefähr 205000 Servicechecks signalisieren immer um die 1500 einen Fehler – die wirklich kritischen Hinweise herauszufiltern.

Ein weiteres Highlight der Konferenz war wie in jedem Jahr der Vortrag von Bernd Erk über den Stand der Dinge bei Icinga vor voll besetztem Saal (Titelbild). Eine neue Version des Icinga Director, eine neue Icinga-Datenbank noch in diesem Jahr oder der kürzlich hinzugekommene Support für VMware, dazu viele Detailverbesserungen, zum Beispiel beim X.509-Modul oder bei separaten Namespaces für Produktion, Staging und Development-Environments, standen auf seinem Redezettel.

So wichtig wie interessante Vorträge ist für viele Konferenzbesucher auch die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Dazu gab es in den Pausen und in gemütlicher Atmosphäre am Abend des ersten Konferenztags ausgiebig Gelegenheit. Der Social Event war wie die gesamte Konferenz wieder ausgezeichnet organisiert.

Alles in allem stellte die Open Source Monitoring Conference unter Beweis, dass ihr auch im 13. Jahr ihres Bestehens die Themen und Ideen nicht ausgehen und dass sie Admins mit einer einschlägigen Spezialisierung immer noch einiges zu bieten hat.

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