Quod erat demonstrandum

AWS, Google, Microsoft – der ehrwürdige Riesenkonzern IBM hat keinen Podestplatz im Rennen der Cloudanbieter. Doch er käme gern aufs Treppchen und zu diesem Zweck schluckt er nun Red Hat. Im Geschäft mit hybriden Cloudlösungen, das man in Zukunft gemeinsam bestreiten will, sieht IBM-Chefin Rometty die Chance, die seit Jahren rückläufigen oder stagnierenden Gewinne wieder zu steigern. Das ist umso wichtiger, als sich abzeichnet, dass auf anderen mit viel Vorschusslorbeer bedachten Feldern, etwa der KI mit Watson, die Bäume doch nicht in den Himmel wachsen. Nun will IBM sich also mit Cloudlösungen in die Medaillenränge vorkämpfen.

Dass das gelingen kann, scheint zumindest nicht garantiert. Auch etliche frühere Übernahmen konnte IBM in keine strahlende Zukunft führen. Etwa Informix, 2001 für eine Milliarde eingekauft, in den 90ern der Hauptkonkurrent von Oracle im Datenbankmarkt, rangiert heute unter IBMs Fittichen auf Rang 26 im Ranking der DB-Engines, Tendenz fallend. Oder Lotus Notes, 1996 für 4 Milliarden eingekauft. Die Groupware ist jahrelang an IBMs ausgestrecktem Arm verhungert, in den letzten fünf Jahren gab es kein Major-Release mehr. Dass jetzt wieder eine neue Version 10 angekündigt ist, liegt nur daran, dass IBM Entwicklung und Support an den indischen Konzern HCL weiterverkauft hat. Diesmal greift IBM nun mit viel Mut wesentlich tiefer in die Tasche und bezahlt mit 34 Milliarden deutlich mehr als für irgendeine Übernahme in der gesamten Firmgengeschichte. Das erhöht den Erfolgsdruck natürlich gewaltig.

Andererseits passen Red Hat und IBM ganz gut zusammen. Red Hat hat sowohl bei IaaS-Clouds mit Red Hat OpenStack Platform als auch bei PaaS-Angeboten mit Red Hat Openshift konkurrenzfähige Produkte im Angebot. Zudem vermarktet es Open-Source-Lösungen, die die Angst der Kunden vor einem Vendor Lock-in zu lindern vermögen. Red Hat ist die erfolgreichste Open-Source-Firma überhaupt und bringt eine enstrepchende Größe, Renomee und eine aktive Community ein. IBM kann dem neuen Partner weitere Marktzugänge öffnen und seinen Cloud-Kunden speziell im Sektor der hybriden Clouds neue Perspektiven bieten.

Einer aber hat schon gewonnen, ganz egal wie die Übernahme am Ende ausgeht: Der Open-Source-Gedanke. An freier Software, das wird nun klar, führt kein Weg mehr vorbei. Und zwar nicht in irgendeiner Nische für Bastler und Nerds, sondern auf dem Gebiet einer der vielversprechendsten Zukunftstechnologien. Für kostenlose Software legt IBM mehr auf den Tisch als mit einer einzigen Ausnahme (Dell kauft EMC) jemals in der Geschichte ein Käufer für eine IT-Firma gezahlt hat. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dann läge er jetzt auf dem Tisch: Open Source funktioniert als Technik und als Geschäftsmodell. Es ist in jeder Hinsicht wertvoll.

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1 Kommentar
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Linuxhase
7 Jahre her

> Einer aber hat schon gewonnen, ganz egal wie die Übernahme am Ende ausgeht: Der Open-Source-Gedanke.

Darüber freue ich mich als Verfechter des openSource-Gedanken auch am allermeisten. Ich bin davon überzeugt das openSource in allen Bereichen die (ferne) Zukunft sein wird.

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