Nicht diese Töne

“O Freunde, nicht diese Töne! Sondern lasst uns angenehmere anstimmen, und freudenvollere”.

Mit diesen Worten beginnt das Baritonsolo in Beethovens 9ter, das die berühmte Vertonung von Schillers “Ode an die Freude” einleitet. “Nicht diese Töne” hätte aber auch über Richard Stallmans Flower-Power-Version des Linux Code of Conduct stehen können, den der Free-Software-Guru dieser Tage vorstellte. Das Original hatte in der GNU-Community keine ungeteilte Zustimmung gefunden, andererseits war offenbar der öffentliche Druck, sich zu Freundlichkeit und Political Correctness zu bekennen, so groß, dass Stallman sich bemüßigt fühlte, eine eigene Version vorzulegen.

In den GNU Kind Communications Guidelines beginnt nun jeder zweite Satz mit “Bitte” und endet in einer Selbstverständlichkeit. Bitte das Gegenüber respektieren statt zu beschimpfen, bitte freundlich und sachlich bleiben, bitte keine Anspielungen auf Vorlieben oder Eigenheiten bestimmter ethnischer oder demographischer Gruppen. In einem einzigen Punkt wird die GNU-Gouvernante sehr bestimmt: Man soll keinesfalls vorschlagen, unfreie Software zu verwenden. Das ist verboten!

Ansonsten erfährt man nichts, was nicht die gute Kinderstube ohnehin nahelegen würde. Es strafbewehrt einzufordern trauen sich die Sittenwächter der GNU-Community nicht und so verlegen Sie sich aufs Flehen: O Freunde, nicht diese Töne! Damit vermittelt das Papier vor allem ein Bild: Das der Hilflosigkeit.

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