Viele Referenten sprachen in eigener Sache. So oblag es den Zuhörern, den Werbeanteil wieder zu subtrahieren, um ein ausgewogenes Bild zu erhalten.
Mitchell Hashimoto, der CEO von Hashicorp, Hersteller des Infrastructure-as-Code-Tools Terraform, beschreibt, wie sein Werkzeug einzusetzen ist, um Beliebiges als Code zu definieren. Conrad Hoffmann, beschäftigt bei Soundcloud, dem Urheber des Monitoringsystems Prometheus, referiert über Serverüberwachung mit ebendiesem Tool. Monica Sarbu, Beats and Logstash Lead bei Elastic, spricht darüber, wie sich Kubernetes mit den Beats genannten Datenversendern ihres Arbeitgebers überwachen lässt. Das Thema von Gianluca Arbezzano – Site Reliability Engineer bei Influx Data (Abbildung 2) – ist das verteilte Monitoring mit Influx-Data-Tools.
Das sind nur ein paar Beispiele (vom ersten Tag) der Open Source Datacenter Conference, die Anfang Juni in Berlin stattfand. Sie bestätigen einen in den letzten Jahren begonnenen Trend: Immer mehr Referenten nutzen die Veranstaltung, um primär für die eigenen Produkte zu werben.
Das hat sogar gute Seiten: So sind die Vortragenden für ihr eigenes Produkt besonders kompetent, können meist alle Fragen beantworten, tauchen mühelos tief in Details ein und geben oft einen Ausblick auf Bevorstehendes, den ein Außenstehender nicht zu bieten hätte. Außerdem handelt es sich um Open-Source-Projekte, bei denen es mindestens eine kostenlose Version neben kommerziellen Ablegern gibt.
Gleichzeitig aber sind die Referenten in ihrer Auswahl und Bewertung der verwendeten Werkzeuge festgelegt, sie wollen oder dürfen die eigenen Produkte nicht kritisieren – sie präsentieren Schokoladenseiten und scheuen Vergleiche mit der Konkurrenz. Im Gegenzug ist es so für den Veranstalter vermutlich leichter, seine Sprecher für die Bühne zu rekrutieren. Es bleibt dem Zuhörer überlassen, das Gebotene selbst kritisch einzuordnen.
Von dieser Regel gab es einige Ausnahmen. Etwa den Vortrag von Martin Schurz und Sebastian Gumprich (Abbildung 1) von der T-Systems Multimedia Solutions GmbH, die als Anwender über ihre Erfahrungen bei der Automatisierung des IT-Betriebs mit Ansible und Inspec berichteten. Es kamen nicht die allerneuesten Features zur Sprache, aber das Duo lieferte solide Erfahrungen aus der Praxis. Ähnliches lässt sich auch über den Vortrag von Devdas Bhagat über die Migration einer großen Anwendung in eine Public Cloud sagen.
Ziemlich viel Überwachung
Ein weiterer Umstand war 2018 auffällig: Besonders viele Vorträge hätten auch auf die Open Source Monitoring Conference desselben Ausrichters gepasst. Nun ist die Systemüberwachung ein Unterthema des Rechenzentrenbetriebs, weshalb man Vorträge dazu auch auf der OSDC durchaus rechtfertigen kann.
In dieser Häufung gingen sie aber womöglich ein wenig zu Lasten von Themen, die überhaupt nicht vorkamen. Beispielsweise fehlten Vorträge zu Aufbau und Betrieb einer Private Cloud etwa mit Open Stack völlig. Oder zu Sicherheitsfragen im Licht von Cloud und IoT. Oder zu Alternativen zum allgegenwärtigen Kubernetes. Auch das Thema Automation war breit vertreten, das Thema Datenbanken dagegen mit nur einem Vortrag eher spärlich besetzt.
Alles in allem ist es dem Ausrichter Netways GmbH aber wieder gelungen, ein interessantes Vortragsprogramm zusammenzustellen. Und neben den Vorträgen ist ein großer Vorzug solcher Konferenzen ja auch immer die Gelegenheit zum Gedankenaustausch mit Gleichgesinnten, Dafür gab es auch reichlich Platz bei der gelungenen Abendveranstaltung in einer spektakulären Location hoch über den Dächern von Berlin.







