Aus Linux-Magazin 01/2018

Red Hat Forum EMEA

Auch ohne es in einem Motto zu erwähnen, ließ der Branchenprimus beim Red Hat Forum keinen Zweifel daran aufkommen, was gerade sein Hauptthema ist: Container in Rot. Als größter Sponsor der in einem Wiener Innenstadthotel durchgeführten Veranstaltung hatte sich Microsoft engagiert – kein Schmäh!

Im Gespräch mit dem Linux-Magazin am Rande der Veranstaltung am 24. Oktober rühmte Red-Hat-Mitarbeiter Lars Herrmann (Abbildung 1) die Flexibilität der Containertechnologie, die es den Anwendern leichter mache, auf Veränderungen im Unternehmen oder externe Einflüsse von Gesetzgeber oder Markt zu reagieren. Den Einwand, ob man Gleiches vor 15 Jahren nicht schon einmal den Service-orientierten Architekturen nachgesagt hat, konterte der “General Manager Integrated Solutions und Container Strategy” mit der Leichtgewichtigkeit von Containern im Vergleich zur SOA-Technologie und der viel stärkeren Triebkraft, die Anwender und Entwickler heute aufbrächten.

Dass Java in der neuen Container-Welt einen Platz haben muss und wird, betonte der Red-Hat-Middleware-Spezialist Jochen Cordes in seinem Vortrag “Der JEE-Container ist tot – lang lebe der JEE-Container als Red Hat Open Shift Application Runtimes”, in dem er die Beta eines Container-Deployments vorstellte.

Abbildung 1: Lars Herrmann, General Manager Integrated Solutions und Container Strategy bei Red Hat.

Abbildung 1: Lars Herrmann, General Manager Integrated Solutions und Container Strategy bei Red Hat.

Antiquitäten passend machen für Container

Rothut Daniel Fröhlich (Abbildung 2) nutzte seine Redezeit bei “Technische Aspekte der Migration einer bestehenden Anwendung auf Container Technologie”, um einen Weg weg für Altanwendungen in Container zu zeigen.

Schritt 1 sei, sie auf RHEL zum Laufen zu bringen, Schritt 2 auf Docker zu migrieren. Danach ginge es weiter mit dem Open Container Development Kit [1] und in Schritt 4 zu Open Shift. Sobald die Abhängigkeiten der Anwendung sehr kompliziert zu realisieren sind, sei das Schnüren eines Pod aus mehreren Containern allemal besser, als einen neuen Monolithen in Form eines einzigen Containers zu erschaffen, so Fröhlich. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten ließe sich gut über Shared Memory for Containers realisieren.

Wer beim Migrieren seiner Anwendungen hochverfügbare Datenbanken braucht, baut Activ-Passiv-Konstrukte über Stateful Sets [2] von Kubernetes, die früher Ped Sets hießen.

Dass Containern nicht unbedingt ein langes Leben beschieden ist, bereitet migrierten Altanwendungen oft Probleme, weil sie im Netz dann ihre Kommunikationspartner verlieren und von deren neu gestarteten Nachfolgern nichts wissen. Daniel Fröhlich weist als Lösung auf den eingebauten Multicast-Support der Containerumgebung hin.

Und eine frohe Botschaft verkündete Fröhlich auch noch: Manche Dinge im Docker-Hafen seien sogar einfacher realisierbar als bei Virtualisierung, so gestalte sich der direkte Zugriff auf GPU-Hardware aus einem Container heraus viel einfacher als aus einer VM.

Abbildung 2: Daniel Fröhlich, Senior Solution Architect Middleware, weist auf Migrationspfade für Altanwendungen hin.

Abbildung 2: Daniel Fröhlich, Senior Solution Architect Middleware, weist auf Migrationspfade für Altanwendungen hin.

Mit Fehlern leben lernen

Martin Etmajer, Technical Lead beim Forum-Gold-Sponsor Dynatrace, referierte über das Monitoring in Open-Shift-Umgebungen. Dabei appellierte er an die Zuhörer, Störungen bei den kurzlebigen Containern nicht zu ernst zu nehmen: “Verschwenden Sie nicht Ihre Kraft darauf, Fehler um jeden Preis zu vermeiden, sondern lernen Sie mit Fehlern zu leben.” Viel wichtiger seien im System robuste APIs. Dann führte er das Dashboard der Software seiner Firma vor, das den Admin über die tatsächlichen Auswirkungen eingetretener Fehlerfälle informiert.

Mehr als goldig

Neun Gold-Sponsoren, darunter Cisco, Netapp, HP, T-Systems, unterstützten die Veranstaltung absichtsvoll. Noch mehr finanzielles Linux-Event-Engagement war nur eine Firma bereit zu leisten: Microsoft. Angesichts des Grabens zwischen Closed und Open Source erscheint der Platin-Status für die Windows-Erfinder auch aus Red Hats Sicht zumindest erstaunlich.

Dass einer seiner Ex-Chefs Linux einst als “Krebsgeschwür” bezeichnet habe, sei jedoch vorbei, versicherte Rüdiger Schickhaus von Microsoft (Abbildung 3) in seinem Vortrag.

Der Cloud-Infrastructur- und Open-Source-Spezialist sieht in jüngster Zeit noch mehr Schritte der Annäherung. Alle Red-Hat-Produkte seien auf der Azure-Plattform vertreten. Außerdem arbeiten beide Firmen beim Support eng zusammen, um Kunden mit Misch-Setups kein Hotline-Ping-Pong zuzumuten. Es gibt gemeinsame Support-Tickets, in den USA sitze das zuständige Personal beider Firmen gar im selben Büro.

Abbildung 3: Trotz Microsoft-Shirt auf der richtigen Bühne: Rüdiger Schickhaus, Technology Solution Professional für Cloud Infrastructure, Open Source.

Abbildung 3: Trotz Microsoft-Shirt auf der richtigen Bühne: Rüdiger Schickhaus, Technology Solution Professional für Cloud Infrastructure, Open Source.

Kultur unterm roten Hut

Ähnlich wie Microsoft es schon seit langen Jahren macht, will Red Hat laut Lars Herrmann mehr Aufwand in Entwicklerprogramme investieren. Überhaupt der Faktor Mensch: Werner Knoblich, Senior Vice President & General Manager EMEA von Red Hat, betonte ihn in seiner Keynote. Die Kultur in der Technologie sei kritisch. Von den Unternehmenszielen überzeugte Mitarbeiter erbrächten schlicht eine höhere Leistung. Deshalb rechne sich jedes Investment in die Unternehmenskultur von allein. Dass Red Hat für die rund zehn in Österreich Angestellten nun eine eigene GmbH gegründet hat, zielt sicherlich in diese Richtung.

Umzug wegen des Erfolgs?

Dass das kostenfreie Red Hat Forum keine mühsam verkappte Verkaufsveranstaltung des Herstellers und seiner Sponsoren war, sondern technische Antworten auf relevante Linux-Trends zu geben verstand, erklärt den Besucherrekord von knapp 500 Teilnehmern bei der dritten Veranstaltung dieser Art in Wien.

Fürs nächsten Mal wird das innenarchitektonisch bemerkenswerte Trend Hotel Savoyen nahe des Botanischen Gartens dem Vernehmen nach zu klein sein. Die in Wien verwendeten Präsentationsfolien [3] stehen als Nachlese online.

Infos

  1. Open Containers: https://www.opencontainers.org
  2. Konzept der Stateful Sets: https://kubernetes.io/docs/concepts/workloads/controllers/statefulset/
  3. Bei der Veranstaltung gezeigte Präsentationsfolien: https://www.redhat.com/de/events/red-hat-forum-austria-2017
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