Dass der Open Stack Summit in seiner inzwischen 16. Ausgabe erstmals in Australien Station machte, darf als Zugeständnis an die dort wachsende Community angesehen werden. Die Foundation hat sich in Sydney die Integration der Open-Stack-Peripherie auf die Fahne geschrieben.
Den ersten Open Stack Summit in Australien [1] Anfang November eröffneten Lauren Sell, Mark Collier und Jonathan Bryce von der Open Stack Foundation im Saal des International Convention Center im Herzen von Sydney. Tristan Goode, CEO des australischen Cloudspezialisten Aptira und Mitbegründer der australischen Open Stack User Group, hieß das Auditorium mit dem australischen Schlachtruf “Aussie, Aussie” willkommen und erntete, zumindest vom australischen Teil des laut Veranstalter rund 2500 Köpfe zählenden Publikums, die passende Erwiderung “Oi, Oi!”.
Goode, der bei der Open Stack Foundation einen Sitz als Direktor innehat, erinnerte an die Anfänge der australischen Usergroup, deren Gründung in einem Pub erfolgte mit rund 20 Gesinnungsgenossen. Inzwischen sei die Usergroup auf fast 1500 Mitglieder angewachsen.
Bei der Keynote zum Summit gab Jonathan Bryce das strategische Investment in die bessere Integration der Infrastruktur rund um Open Stack als Ziel an. Die von Nutzern entwickelten Tools sollen im Zug der Initiative möglichst in Open-Source-Projekte umgewandelt werden.
Schrittweise
Die vier Schritte, in die die Foundation die Open Infrastructure Integration eingeteilt hat, klingen simpel (Abbildung 1). Die Nutzer sollen sich über gemeinsame Anwendungsfälle austauschen, sind diese Use Cases gefunden, startet eine Community-übergreifende Zusammenarbeit. Daraus entsteht im Idealfall die benötigte Technologie, die dann getestet und freigegeben wird.
Die Rolle der Foundation sei es, die Kommunikation zwischen den Projekten zu ermöglichen, sagte Jonathan Bryce im Gespräch mit dem Linux Magazin in Sydney. Als Beispiel für die weitere Begleitung nennt er ein Security-Tool, das der amerikanische Kommunikationskonzern ATT entwickelt hat. Daraus, so Bryce, entstehe nun ein eigenes Projekt, dessen logistischen Aufbau die Foundation übernehme. Die weitere Rolle der Foundation sei es, etwa mit Collaboration Events eine Gelegenheit zum Austausch unter Nutzern und Projekten zu bieten.
Lücken schließen
Mit dieser Initiative sollen die Lücken, die zwischen den Anwendungen des Open Stack Core und neuen Technologien wie etwa dem Edge Computing bestehen, möglichst geschlossen werden. Die so entstehenden Tools entsprechen dann den Qualitätskriterien von Open Stack, ohne zu den Core-Anwendungen zu zählen. Die Open-Stack-Entwickler könnten sich damit auf die Core-Funktionalität konzentrieren.
Mit der Projektbegleitung wolle man nicht in Konkurrenz mit anderen Open-Source-Initiativen wie der Linux Foundation treten, erklärte Bryce. Es sei vielmehr naheliegend, dass sich Anwender mit Open-Stack-spezifischen Entwicklungen an die Foundation wenden. Es sei auch nicht zu erwarten, dass es sich immer um große Projekte handle. Bei den Tools handle es sich in der Regel um kleine Spezialanwendungen.
Begleitend stellt das neue Public-Cloud-Passport-Projekt eine Art Testumgebung bereit, die Zugriff auf öffentliche Clouds bieten soll. Entwickler können damit Software testen, ohne eine komplette Installation vornehmen zu müssen.
Ganz im Sinne der Integrations-Philosophie der Open Stack Foundation hat China Union Pay beim Summit in Sydney die Bildung einer neuen Community angekündigt. Sie soll dazu beitragen, die Lücken bei der Einführung von Open Stack in der Finanzbranche zu identifizieren und mit Lösungen zu füllen. China Union Pay betreibt eine Finanzcloud auf Open-Stack-Basis und wickelt damit nach eigenen Angaben rund 50 Millionen Buchungen pro Tag ab.
Dem Projekt der China Union Pay kommt Signalwirkung zu. Die Finanzdienstleistung zählte bislang nicht zu den Kernthemen beim Open Stack Summit. Mit der Initiative des großen Players könnte sich das ändern.
China am Drücker
Wer als Technologie-Anbieter gern in Superlativen schwelgt, ist mit chinesischen Unternehmen wie China Union Pay gut bedient. Bei der Open Stack Foundation ist das nicht anders. Schon die schiere Masse der chinesischen Bevölkerung ermöglicht es den großen chinesischen Unternehmen, Nutzerzahlen zu präsentieren, die Einwohnerzahlen anderer Länder locker übersteigen.
Der Konzern Tencent [2], bekannt durch den Message-Service Wechat, hat sich als neues Gold-Member eingetragen und räumte auch den bei den Summits regelmäßig vergebenen Superuser Award ab (Abbildung 2). Das Unternehmen zählt zu Chinas größten Technologiekonzernen und gilt, was die Marktkapitalisierung betrifft, weltweit zu den Top Five der Internetfirmen.
Tencent bietet diverse Services an, neben Wechat sind Games und Bezahldienste im Portfolio. Mark Collier von der Open Stack Foundation machte keinen Hehl daraus, wie beeindruckt er von den Nutzerzahlen und von den in der Open-Stack-Installation des chinesischen Anbieters betriebenen Cores ist.
Zugverkehr
Nicht ganz zufällig war auch die China Railway Corporation für den Award nominiert. Der chinesische Bahndienstleister kann vergleichbare Zahlenmonster vorweisen. Die Verkäufe mehrerer Hundert Millionen Fahrkarten pro Tag an die Kunden gilt es abzuwickeln. In einer Session skizzierte ein Manager von China Railway den Weg zum Servicedienstleister, der seinen Kunden inzwischen auf dem Online-Portal auch Hotelbuchungen und andere Dienste anbietet. Die IT managt zudem die logistischen Aufgaben sämtlicher Züge und des Güterverkehrs.
Bis ins Jahr 2019 ist für die diversen Anwendungen bereits der Ausbau der IT auf 1000 physische Nodes geplant. Über 20 Anwendungen sollen dann im Portfolio stecken. Das Datencenter der chinesischen Bahn erstrecke sich über eine Fläche von nicht weniger als 10 000 Quadratmetern.
Neue Software
Die von Open Stack intern entwickelte Software Zuul ist bei Version 3 angekommen. Als Management-Tool für Continous Integration dient Zuul als Brücke und Gatekeeper zwischen Deployment-Systemen. Neu seien Multi-Node-Testing, die Integration von Ansible und der Github-Support.
Red Hat hat Ceph Storage 3 präsentiert. In dieser Version bringt die auf der Community-Version Luminous basierende Software Support für das I-SCSI-Interface mit. Das erleichtere Migrationen von alten Storage-Plattformen, so Red Hat. Auch in gemischten Storage-Umgebungen, denen es an einem nativen Ceph-Treiber mangele, profitierten Anwender davon.
Vancouver und Berlin
2018 macht der Open Stack Summit nach Vancouver im Frühjahr auch in Berlin Halt. Von 13. bis 15 November 2018 gastiert der Summit im Berliner Citycube. In Vancouver trifft sich die Open-Stack-Gemeinde bereits von 21. bis 24. Mai.
Infos
- Open Stack Summit Sydney: https://www.openstack.org/summit/sydney-2017/
- Tencent: https://www.tencent.com/en-us/index.html








