Bei der Susecon 2016 in Washington versammelten sich Entwickler, Community und Partner. Suse-Chef Nils Brauckmann konnte dort mit der Übernahme von Open Attic von dem ersten Zukauf berichten.
Dass Washington während der Susecon [1] auch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten erlebte, war in den Hotelhallen und Meetingräumen, die die Suse-Konferenz beherbergten, kaum zu spüren. Vereinzelte Grüppchen verfolgten vor den omnipräsenten Monitoren zwar die Ansprachen siegreicher und unterlegener US-Politiker, aber statt der Farben Blau und Rot, die den Wahlkampf begleiteten, dominierte im Marriot nahe dem Zoo die Farbe Grün des Suse-Logos.
Zukauf
Schon vor dem offiziellen Start der Konferenz berichtete Suse-CEO Nils Brauckmann (Abbildung 1) von der Übernahme der Vermögenswerte von Open Attic und des zuständigen Entwicklungspersonals von der deutschen Firma IT-Novum. Suse vertraut damit erstmals in der Firmengeschichte nicht mehr komplett auf ein organisches Wachstum aus der eigenen Entwicklung, sondern kauft Technologie zu und reiht auch das damit befasste Personal in die Suse-Belegschaft ein.

Abbildung 1: Nils Brauckmann, Suse-Chef, und Michael Miller, der für Strategie und Marketing zuständige Manager, bei der Keynote.
Brauckmann führte gegenüber dem Linux-Magazin aus, dass Suse mit dem Zukauf schneller auf die Anforderungen der modernen IT reagieren wolle. Weitere Zukäufe seien nicht ausgeschlossen, eine zur Open-Source-Strategie des Unternehmens passende Gelegenheit vorausgesetzt, sagte der Suse-CEO. Finanzielle Details nannte Suse nicht.
Support bleibt
Open Attic, eine Software-defined-Storage-Lösung, soll auch unter der Suse-Regie die bisher supporteten Distributionen weiter unterstützen, sagte Ralf Flaxa, Entwicklungschef bei Suse, gegenüber dem Linux-Magazin. Das Entwicklerteam von Open Attic arbeite unter seiner Verantwortung und bleibe eigenständig. Flaxa schätzt an Open Attic die Ceph-Fähigkeiten, aber auch die Unterstützung für weitere Technologen wie etwa DRBD. Suse arbeite bereits länger mit IT-Novum und der Open-Attic-Community zusammen, sagte Flaxa, und habe etwa die Unterstützung für I-SCSI beigesteuert.
Verhandlungen
Zu der von der Suse-Muttergesellschaft Micro Focus angekündigten Übernahme von Software-Bestandteilen von Hewlett Packard Enterprise verwies Brauckmann auf derzeit andauernde Gespräche. Es werde über die strategischen Möglichkeiten und daraus eventuell erwachsende Produkte und Services diskutiert. Noch im Dezember 2016 soll es Ergebnisse der Gespräche geben.
Open, Open
Freie Software findet nicht zuletzt durch Cloudtechnologie wie Open Stack und Trends, die mit “Software-defined …” beginnen, inzwischen Interesse bei Firmen, die in Sachen Open Source bislang unbeleckt waren. Bei der Susecon machte deshalb der Begriff “Open, Open” bei den Keynotes die Runde bei Suse-Verantwortlichen. Suse will sich so von Neulingen absetzen, denen der Open-Source-Gedanke nicht vertraut ist.
Brauckmann betonte, dass es nicht damit getan sei, Software im Sourcecode zu veröffentlichen. Der Open-Source-Gedanke müsse sich auch in der Fimenphilosophie widerspiegeln, bis hin zur gemeinsamen Entwicklung von Code mit Konkurrenten, wenn dies der Sache diene.
Suse Linux Enterprise
Pünktlich zur Susecon hat der Anbieter Suse Enterprise Storage 4 gezeigt, das im Dezember in den Handel kommen soll. Erstmals bringt die Suse-Storage-Lösung in dieser Version volle Unterstützung für das Dateisystem Ceph-FS mit. Als Basis für Enterprise Storage 4 nennt Suse nach wie vor die Ceph-Release Jewel. Zudem genießt durch die Aufnahme von ARM 64 in das Suse-Linux-Enterprise-System auch die Storage-Lösung den Support für diese Architektur.
ARM und Raspi
Der Support für ARM 64 (Abbildung 2) steckt nicht nur in der Enterprise-Version und damit in den darauf basierenden Systemen wie dem ebenfalls neu vorgestellten Suse Linux Enterprise Server 12 mit Service Pack 2. Der Hersteller hat zudem als eine Art Technologie-Demonstration auch ein Image [2] für den ARM-basierten Raspberry Pi 3 erstellt.
Container-OS
Unter dem Namen Suse Linux Enterprise Micro OS kündigte Suse in Washington ein neues, leichtgewichtiges und für Container optimiertes Betriebssystem an. Es soll in Verbindung mit Kubernetes die neue Container-as-a-Service-Plattform des Unternehmens bilden. Docker und das Orchestrierungsframework Salt bilden gemeinsam die Setup-Fraktion für die Containerplattform.
Bei der Konferenz hieß es, dass es eine erste Early-Access-Version von Micro OS und den weiteren Bestandteilen der Container-as-a-Service-Plattform im ersten Quartal 2017 geben solle. Die Betriebssystem-Basis dafür bilde nach der derzeitigen Planung dann das frische Suse Linux Enterprise 12 SP2.
Session-Marathon
Die Susecon lebt von der dort versammelten Mitarbeiterschaft, der Community und den Partnern. In den rund 200 (Hands-on-)Sessions und Vorträgen vermittelten die Redner aus diesen Reihen Know-how, die Themen reichten von Big Data bis Zero Downtime.
- Susecon: http://www.susecon.com
- SLE für Raspberry Pi 3: https://www.suse.com/de-de/products/arm/raspberry-pi/







