Das freie Betriebssystem OpenBSD wird pünktlich im Halbjahrestakt am 1. Mai 2008 auf den FTP-Servern veröffentlicht, der CD-Verkauf läuft bereits. Die Macher verbinden den Termin wieder mit Kritik am Rivalen Linux.
Seit 1992 produziert das OpenBSD-Projekt alle sechs Monate eine neue Version seines freien, unix-ähnlichen Betriebssystems, basierend auf dem Betriebssystem 4.4 BSD der Universität von Berkeley, Kalifornien. Ziel der Entwickler ist vor allem, das freie Betriebssystem regelmäßig auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen, hohe Aufmerksamkeit gilt dabei der Sicherheit. Entsprechend wenig spektakulär sind zumeist die Neuerungen. OpenBSD unterstützt zahlreiche Hardware-Plattformen von A wie alpha-basierten Systeme und AMD64 bis Z wie das Mobilgerät “Zaurus” wie Sharp. Neu hinzugekommen in Version 4.3 sind exotischere Architekturen wie HP PA RISC (hppa) oder bessere Untersüttzung für SGI 02-Workstations. Dank Multiprozessor-Support können nun auf der Sparc64-Hardware von Sun alle Prozessoren genutzt werden, ausgenommen Sun Enterprise 10000.
Die Entwickler berichten, dass OpenBSD mit Release 4.3 breit in den 10-GB-Ethernet-Markt vordringt: Die aktuelle Version erkennt die Karten vieler Hersteller von 10GB-Interfaces ohne weiteres Zutun. Neben aktualisierten Zusatzanwendungen wie beispielsweise Mozilla Firefox 2.0.0.12, KDE 3.5.8, OpenOffice 2.3.1, Gnome 2.20.3 oder MySQL 5.0.51a wurden neue Treiber für Wireless- und Soundkarten in den Kernel integriert. Netzwerk-Administratoren weisen die Entwickler auf eine Neuerung im SNMP-Bereich hin: Ohne Installation von Drittsoftware ist in der aktuellsten Version ein SNMP-Daemon vorhanden, mit dem sich OpenBSD-Rechner im Netz nach Statistiken und Ähnlichem abfragen lassen.
Bei dem freien Projekt gehört es zur Tradition, die Veröffentlichungen mit politischen Botschaften zu verbinden: Das Wappentier von OpenBSD, der wehrhafte Kugelfisch “Puffy” wird auf der CD-Hülle, Postern und T-Shirts in jeweils neue Motive verpackt, und mit jedem Release wird auch ein Lied veröffentlicht, das im Songtext ein aktuelles Anliegen übermittelt, das den Entwicklern am Herzen liegt. Dieses Mal zielt die Kritik auf den Mitautor der GNU General Public License (GPL) Richard Stallman, der als Heuchler (engl. Hypocrite) bezeichnet wird. Damit wiederholt das Projekt seine Kritik an der GPL und deren Herausgebern, der Free Software Foundation FSF.
Der Zwist zwischen den Machern der freien Betriebssysteme hat mittlerweile eine lange Geschichte: Der OpenBSD-Projektleiter Theo de Raadt hatte sich in der Vergangenheit wiederholt kritisch zu der Einstellung von Linux-Entwicklern in Bezug auf Quelloffenheit geäußert, und auch die Entwickler des freien Systems FreeBSD mißbilligen Regelungen der GPL (Linux-Magazin Online berichtete hier und hier).
Pünktlich ab 1. Mai soll OpenBSD 4.3 zum kostenlosen Download zur Verfügung stehen, der Verkauf von CDs und Fanartikeln soll ein wenig Geld in die Kassen des Projekts bringen.



