Um mit den Anforderungen des Marktes in den nächsten Jahrzehnten Schritt zu halten, müsste sich Produktivität der Entwickler verhundertfachen. Dies zumindest halten die Analysten von Gartner für eine der sieben großen Herausforderungen an IT-Manager.
Im Rahmen der Hausmesse “Gartner Emerging Trends Symposium 2008” haben die Marktforscher eine Liste mit “großen IT-Herausforderungen” entworfen, an der IT-Manager langfristig die Schwerpunkte ihrer Arbeit orientieren sollten. Im Blick haben die Analysten die Entwicklung der nächsten 25 Jahre. Mit der Prognose will Gartner Themen benennen, mit denen die Informationstechnologie in Zukunft entscheidend auf alle Aspekte des Lebens Einfluss hat.
Die Analysten sehen dabei ein grundlegendes Problem darin, dass einerseits der Bedarf an Softwarelösungen kontinuierlich wächst, während es andererseits nicht ausreichend Nachwuchs an Informatikern gibt. Um der Nachfrage auch künftig begegnen zu können, müssten Entwickler ihren Ausstoß verhundertfachen, so die Vorhersage. Mögliche Lösungen bieten zum einen Entwicklungswerkzeuge, die größere Produktivität versprechen. Noch mehr Hoffnung setzen die Beobachter jedoch auf wiederverwendbarem Code, der als Basis für Weiterentwicklungen möglichst nicht verändert werden muss.
Hohe Geschwindigkeit und Produktivität spielt auch bei einem weiteren Zukunftsthema eine Rolle: Paralleles Programmieren. Statt einzelne Prozessoren auf immer größeres Tempo zu züchten, sollten die Fachleute ihr Augenmerk auf parallele Prozessorkerne richten in Kombination mit Anwendungen, die diese Multi-Kern-Architektur optimal nutzen. Hierzu müssen Entwickler Prozesse in spezifizierte Einzelprozesse aufbrechen und festlegen, welche Aufgaben simultan in multiplen Prozessen verarbeitet werden können.
Eine weitere große Herausforderung an die IT klingt zunächst lapidar: IT-Verantwortliche sollen die finanziellen Folgen von IT-Investionen abschätzen. Nach Gartners Erkenntnissen fehlen hier zuverlässige Richtwerte, mit denen die Auswirkungen von IT-Anwendungen auf den Geschäftsprozesse in kaufmännischen Rechnungen verständlich und berechenbar werden. Als gelöst könnte diese Aufgabe erst dann betrachtet werden, wenn ein IT-Verantwortlicher seine Arbeit nach folgendem Muster formulieren könnte: “Wenn Sie in unseren IT-Vorschlag investieren, werden Sie zusätzlich 0,03 Dollar Gewinne pro Anteil verbuchen können, die direkt auf dieses Projekt zurückzuführen sind, und das bis zum dritten Quartal im nächsten Jahr.”
Noch utopischer klingt es, wenn Gartner “nicht-tastbare, natürliche Computeroberflächen” auf die Liste setzt. Hierfür müssten Rechner lernen Gesten zu lesen, Gesten-Wörterbücher müssten entwickelt werden; Sprachübersetzung und Sprachsynthese gehören zu den Aufgaben und Echtzeit-Verarbeitung ist Voraussetzung. Auch die “automatisierte Sprachübersetzung” zählen die Analysten zu den Herausforderungen. Einen möglichen Lösungsvorschlag kennen Douglas-Adams-Leser als “Babelfisch”, und Gartner zufolge existieren hierfür derzeit rudimentäre Systeme, die Ein-Weg- oder Zwei-Weg-Übersetzungen bewältigen. Aus der Vielzahl der mobilen Geräte erwächst eine weitere Herausforderung für die IT: Das Aufladen der Batterien. Nach Vorstellung von Gartner soll es künftig nicht mehr nötig sein, Batterien manuell aufzuladen. Die Energieversorgung soll gleich von anderen entfernten Quellen erfolgen oder aber per Fernbedienung möglich werden. Wesentlich für die Zukunft der IT bleibt auch die Suche nach langlebigen, zuverlässigen Speichersystemen für die Langzeitarchivierung.
Nach Beobachtung der Marktforscher sind viele der Technologien, die im Jahr 2033 auf dem Markt sein werden, bereits in irgendeiner Form bekannt: Sei es in aktuellen Forschungsunterlagen, Patenten oder in der Prototyp-Entwicklung. Ken McGee, Vizepräsident von Gartner empfiehlt IT-Verantwortlichen zukunftsorientiertes Denken und Handeln. Unternehmen sollten die Trends herausfiltern, die für ihr Geschäftsfeld wesentlich sein könnten, und die Entwicklung an Universitäten, bei Regierungen und Unternehmen beobachten. McGee prophezeit: “Es zeigen sich Technologien am Horizont, die Ihr Geschäft vollständig verändern werden.”



