
Der Virtpresenter Listener ist der Client, der auf dem Rechner des Vortragenden installiert wird. Er agiert zwischen Präsentationsprogramm und Aufzeichnungsrechner und protokolliert so zum Beispiel die Folienwechsel.
Das Zentrum für Informationsmanagement und virtuelle Lehre an der Universität Osnabrück hat seine Eigenentwicklung Virtpresenter zur Cebit 2008 quelloffen gemacht. Der Virtpresenter zeichnet unter anderem automatisch Vorträge auf.
Auf der Cebit hat die Uni Osnabrück das Framework Virtpresenter vorgestellt. Die in Flex2 geschriebene Software bietet automatisierte Aufzeichnung, Bearbeitung und Konvertierung von Vorträgen. Seit einem Jahr hat die Entwicklergruppe im Zentrum für Informationsmanagement und virtuelle Lehre an der Uni Osnabrück ihren Virtpresenter im stabilen Produktiveinsatz und zeichnet pro Semester inzwischen rund zwölf Vorlesungen auf, sagte der Entwickler Nils Birnbaum auf der Cebit zu Linux-Magazin Online. Die niedrige Zahl sei der Zögerlichkeit der Professoren geschuldet, verrät der wissenschaftliche Mitarbeiter, der das Framework auf der Cebit präsentierte. Die Studenten nähmen das neue Lernmedium besser an.

Der Virtpresenter Listener ist der Client, der auf dem Rechner des Vortragenden installiert wird. Er agiert zwischen Präsentationsprogramm und Aufzeichnungsrechner und protokolliert so zum Beispiel die Folienwechsel.
Der Virtpresenter besteht aus mehreren Komponenten. Zunächst muss auf dem Laptop des Vortragenden ein Client installiert sein, der sich zwischen die Anwendung Powerpoint und die Aufzeichnungskamera schiebt. Er heißt “Listener”. Der Vortragende öffnet zu Beginn seines Vortrages mit dem GUI dieses Clients seine Powerpoint-Präsentation und wählt den voreingestellten Aufzeichnungsserver aus. Die Software protokolliert von nun an zum Beispiel die Folienwechsel mit und unterteilt die Vortragsaufzeichnung in den eigentlichen Bild-Stream und die Aufzeichnung der Folienabfolge. Im Vortragsraum befinden sich Kamera und Mikrofon, und vor allem ein Aufzeichnungsrechner. Dieser überträgt die Daten an einen Konvertierungsrechner im Rechenzentrum, der verschiedene Formate generiert, zum Beispiel Flash oder Mpeg2. Am Ende landet die Datei auf einem Webserver, dessen Inhalt in einer Datenbank referenziert ist. Eine Vorlesung von 90 Minuten Länge hat derzeit eine Größe von rund 430 MByte, sagte Birnbaum zu Linux-Magazin Online.

Die Stable-Version der Aufzeichnungssoftware nennt sich Virtpresenter Classic. Die Uni Osnabrück hat sie in die Web-Oberfläche für Studenten integriert. Die Studenten können so Vorlesungen von fern oder nachträglich besuchen.
In Entwicklung befindet sich gerade eine Annotationsfunktion für die Software, verriet Birnbaum: Man wolle die Anwendung, die bislang auf Seiten der Studenten zum Arbeiten dient und auf Seiten der Uni zum Archivieren, um soziale Funktionen erweitern. So sei zum Beispiel geplant, dass der Benutzer einen bestimmten Teil aus dem Vortrag auf einem intuitiven grafischen Interface etwa mittels Auswahlschieber und Schnittbutton herausschneiden kann, um den Ausschnitt anschließend als URL in einem Forum oder Social-Bookmark-Dienst zu posten. Dieses Feature führte er auf der Cebit in einer noch unfertigen “Enhanced”-Version der Software vor. Birnbaum nannte als Anwendungsbeispiel die Situation, wenn bestimmte Stellen eines Vortrags unklar geblieben sind und ein Zuhörer sie im Nachhinein mit anderen diskutieren möchte.

Die Enhanced-Version des Virtpresenters befindet sich noch in der Beta-Phase. Sie wird Benutzer-Interaktion zum Beispiel der Art ermöglichen, einen Abschnitt aus dem Vortrag herauszuschneiden und online zu referenzieren.
Die Internetseite des quelloffenen Frameworks hat ihren Launch pünktlich zur Cebit gehabt, sagte der Wirtschaftsinformatiker. Der Client für den Rechner des Vortragenden ist zurzeit nur für Windows vorhanden und programmiert in .NET. Eine Linux-Version ist laut dem Entwickler nicht geplant, man arbeite aber an einer plattformübergreifenden Client-Lösung. Das Framework und der Windows-Client stehen auf den Seiten des Informationsmanagementzentrums an der Uni Osnabrück zum Download bereit. Für das Framework gibt es auch eine Live-CD, so dass der Admin die einzelnen Komponenten auf den verschiedenen beteiligten Rechnern jeweils von einer CD aus installieren kann.


