Microsofts Versprechen für mehr Offenheit sei wenig wert, meint die Free Software Foundation Europe (FSFE). Vermutlich, so die FSFE, gehe es Microsoft nur um positive Presseresonanz. Denn ab nächste Woche diskutiert ein ISO-Komittee die Kommentare zum Entwurf des OOXML-Standards.
Das Versprechen von Microsoft enthalte wenig Neues, urteilt die FSFE. Ähnliche Versprechen in der Vergangenheit hätten sich ungünstig statt förderlich auf Interoperabilität ausgewirkt. Denn der Software-Konzern erlaube Konkurrenz nur, so argumentiert die FSFE, wo sie seine Monopolstellung nicht gefährde.
Die FSFE stützt sich mit ihrem Urteil darauf, dass Microsoft seine Spezifikationen nur nicht-kommerziellen Entwicklern klaglos zur Verfügung stelle. Kommerzielle Implementationen sind dagegen lizenzpflichtig (wir berichteten). Damit, schlussfolgert die FSFE, enthalte die Ankündigung Microsofts wenig mehr als die Aussage, dass Microsoft Interoperabilität nur unter unfairen Konkurrenzbedingungen erlaube – auch wenn sie sich positiv anhört. Microsoft müsse durch Taten überzeugen, nicht nur durch Worte, schließt sich die Open-Source-Organisation anderen Meinungsträgern an (siehe die Stimmen zur Microsoft-Ankündigung auf Linux-Magazin Online).
Kein Zufall, so die FSFE weiter, sei die nächste Woche angängige Revision von Microsofts ISO-Entwurf zum OOXML-Standard: Vom 25. bis 29. Februar treffen sich in Genf 37 Staaten zu einem so genannten Ballot Resolution Meeting (BRM). Es wird darum gehen, Änderungsforderungen für den von Microsoft eingereichten ISO-Entwurf DIS 29500 zum Dateiformat Office Open XML (OOXML) zu überlegen. Hier finden die Kommentare Berücksichtigung, die zusammen mit der ablehnenden Abstimmung über dem Entwurf eingingen und deren Diskussion auf Februar 2008 vertagt wurde (siehe den Artikel auf Linux-Magazin Online von September 2007). Weitere Informationen zu dem BRM hat die Seite No-OOXML zusammengestellt.
Wenn es die Redmonder ernst meinten mit dem freien Zugang zu interoperablen Softwarespezifikationen, sollten sie nach Meinung der FSFE ihren ISO-Entwurf zurückziehen und stattdessen ihre Arbeit für ein freies portables Dokumentenformat dem Open Document Format zufließen lassen.



