Aus Linux-Magazin 12/2007

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Munin

Ornithologen wissen: Die Elster trägt ihren Ruf als Diebin zu Unrecht. Der wahre Meisterkleptomane unter den Vögeln ist der Rabe. Mit ihm unter einem Dach zu leben, lohnt sich für jeden (Daten-)Hehler.

Inhalt

78 | Nmap-Skripting

Seit der Version 4.21 enthält Nmap die Scripting Engine NSE,
die sich prima für eigene Erweiterungen eignet.

84 | Test: Limes MF

Die Managed Firewall vom österreichischen Hersteller
Underground 8 wendet sich an kleine Unternehmen, die sich keinen
Vollzeit-Admin leisten.

90 | LPI-Workshop – Teil 17

Auch Profis kennen nicht alle Kommando-Optionen – sie wissen
aber, wo in der Dokumentation sie suchen müssen.

Tiere zu domestizieren hat Tradition. Schon Odin, im Hauptberuf nordgermanischer Gottkönig, hielt sich neben einem Pferd, Sleipnir, die beiden Wölfe Geri und Freki (“Gierig” und “Gefräßig”, [1]). Außerdem gehörten die Raben Hugin und Munin zu seinem Hausstand. Odin entsandte sie allmorgendlich in die Welt, um ihm abends zu berichten, was sich dort zugetragen hat – eine Art gefiederter Newsticker also. Während Hugin den flüchtigen Gedanken, das Hier und Jetzt repräsentiert, steht Munin für Gedächtnis und Erinnerung. Ein idealer Name für eine Software, die Systemdaten sammelt, aufbereitet und archiviert.

Munin [2] besteht aus zwei Komponenten, einem Server und mehreren Nodes. Die Software auf den Nodes sammelt Daten über ihren (!) Host und die darauf installierten Dienste. In Intervallen holt der Server die Daten ab und bereitet sie mit Hilfe von RRD Tool zu aussagekräftigen Grafiken wie in Abbildung 1 auf.

Abbildung 1: Der Munin-Server holt die auf den Nodes gesammelten Systemdaten ab und bastelt daraus mit Hilfe von RRD Tool übersichtliche Monitoring-Daten.

Abbildung 1: Der Munin-Server holt die auf den Nodes gesammelten Systemdaten ab und bastelt daraus mit Hilfe von RRD Tool übersichtliche Monitoring-Daten.

Des Vogels Setup

Für den Server sieht die Konfiguration in »/etc/munin/munin.conf« so aus:

dbdir   /var/lib/munin
htmldir /var/www/munin
logdir  /var/log/munin
rundir  /var/run/munin
[gw.kuehnast.com]
    address 192.168.0.127

In dem Mini-Beispiel gibt es nur einen Node, »gw.kuehnast.com«. Auf dem Node ist die Konfiguration etwas ausführlicher, die vorgefundenen Einstellungen sind jedoch sinnvoll. Ich ändere nur die User- und Group-Einstellungen:

user root
group root
setsid yes

Auf jeden Fall muss es dem Server mit »allow ^192.168.0.42$« erlaubt sein, auf den Munin-Port 4949 zuzugreifen. Und woher weiß Munin, über welche Dienste und Systemzustände er Daten sammeln soll? In dieser Hinsicht hält es die Software ganz mit ihrem geflügelten Vorbild: Sie berichtet über alles, was in der Welt – zumindest auf ihren Nodes – vor sich geht.

Bevor ich jetzt meine Haustiere mit Fell und Flossen füttern gehe, empfehle ich die mit vielen Beispielen gespickte Munin-FAQ [3]. (jk)

Infos

[1] Gut zu wissen, wenn man schnell Namen für Meerschweinchen-Nachwuchs braucht.

[2] Munin: [http://munin.projects.linpro.no]

[3] Munin-FAQ: [http://munin.projects.linpro.no/wiki/faq]

Der Autor


Charly Kühnast administriert Unix-Betriebssysteme im Rechenzentrum Niederrhein in Moers. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ (demilitarisierte Zone). In seiner Freizeit lernt er Japanisch, um endlich die Bedienungsanleitung seiner Mikrowelle lesen zu können.

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