Aus Linux-Magazin 12/2016

Im Test: Free NAS als Alternative zu kommerziellen Angeboten

© jakobradlgruber, 123RF

Wer ein NAS für zu Hause oder das Büro braucht, greift oft zu fertigen Lösungen, etwa von Synology oder Qnap. Dabei böte sich auch das freie Free NAS an, das auf Free BSD basiert. Doch kann es mithalten?

In Zeiten stetigen Datenwachstums sind NAS-Speicher beliebt: Unter einheitlicher Oberfläche bieten Geräte etwa von Qnap, Synology oder Western Digital viele Funktionen (Abbildung 1). Regelmäßig kommen sie als Ziel für Backups oder für Dateien zum Einsatz, die allen Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung stehen sollen. Durch die Vielzahl an Protokollen, die ein gängiges NAS-System beherrscht (etwa CIFS, AFP, I-SCSI und NFS), eignen sie sich für diese Aufgabe gut.

Abbildung 1: Hersteller wie Synology oder QNAP bieten auch fertige High-End-NAS-Geräte an. Mit Free NAS lässt sich vergleichbare Funktionalität aber auch mit Hardware von der Stange erreichen.

Abbildung 1: Hersteller wie Synology oder QNAP bieten auch fertige High-End-NAS-Geräte an. Mit Free NAS lässt sich vergleichbare Funktionalität aber auch mit Hardware von der Stange erreichen.

Hinzu kommt, dass die Bedienung der klassischen NAS-Vertreter ausgesprochen einfach ist: In das Gehäuse steckt der Anwender einfach Festplatten, die er dann per grafischer Oberfläche zu einem Raid-Verbund zusammenschließt. Dann fehlen nur noch ein Dateisystem und eine Netzwerkanbindung – schon lässt sich der Speicher nutzen.

Allerdings ist bei klassischen NAS-Geräten längst nicht alles Gold, was glänzt. Die Probleme gehen schon bei der Hardware-Ausstattung los: Die CPU ist oft nicht sonderlich leistungsstark, das RAM spärlich ausgebaut. Beides tut gerade dann weh, wenn viele Clients gleichzeitig auf ein Gerät zugreifen. Wer mehr Rumms haben will, greift zu den Profi-Serien der Anbieter und langt dafür entsprechend tief in die Tasche.

Doch auch ein Eigenbau mit frei gewählter Hardware kann die größten Modelle etablierter Anbieter in Sachen CPU-Leistung und RAM leicht überbieten. Das ist unter anderem wichtig, weil etwa Netatalk, das unter Linux Apples AFP-Protokoll implementiert, sich quasi nach Belieben an der CPU-Leistung bedient. Obendrein sind klassische NAS-Geräte auch Blackboxes: Zwar werkelt unter der Haube ein Linux, doch das ist so stark beschränkt, dass sich alle administrativen Aufgaben nur über das (oft langsame) GUI erledigen lassen.

In Sachen Upgrades und Updates ist man dem Hersteller und deren Vorstellung von Produktlebenszyklen ohnehin komplett ausgeliefert. Kein Wunder, dass NAS-Appliances vielen Admins ein Dorn im Auge sind. An diese Admins richtet sich Free NAS: Das Betriebssystem tritt an, um auf Basis freier Software und mit Hardware von der Stange ein NAS-System als Eigenbau zu ermöglichen. Der folgende Artikel stellt Free NAS vor und prüft, inwieweit es sich tatsächlich als Alternative zu gängigen NAS-Geräten eignet.

Unter der Haube: Free BSD

Weil die meisten NAS-Geräte auf Linux basieren, liegt diese Vermutung auch bei Free NAS nahe. Sie wird jedoch enttäuscht: Free NAS beruht im Kern auf der freien Unix-Variante Free BSD. Das ist kein Beinbruch: Wer Free BSD bisher noch nicht genutzt hat, bekommt mit Free NAS ein Webinterface, um die zentralen Funktionen der Software zu steuern. Wer bereits Erfahrung im Umgang mit Free BSD hat, kann Free NAS auch auf der Kommandozeile administrieren. Das Lernen fällt gar nicht schwer: Wer Linux auf der Kommandozeile nutzen kann, den wird auch Free BSD nicht vor unlösbare Aufgaben stellen.

Die Free-BSD-Version, auf der Free NAS basiert, lässt sich an der Version von Free NAS ablesen: Free NAS 9.10 war zu Redaktionsschluss die aktuelle stabile Revision und gründet sich auf Free BSD 9. Eine Beta von Free NAS 10 gibt es auf der Free-NAS-Website [1] ebenfalls; ihr liegt das frische Free BSD 10 zugrunde – die Entwickler rechnen damit, dass Free NAS 10 in absehbarer Zeit die Reife für den produktiven Einsatz erreicht.

Für den Admin ergibt sich aus der Free-NAS-Versionsnummer indirekt auch die Information, welche Hardware das System unterstützt. Die komplette Liste der von Free BSD 9 unterstützten Geräte findet sich unter [2], für Free BSD 10 ist sie unter [3] verfügbar. Bevor ein Admin sich ans Werk macht und Hardware für den Betrieb mit Free NAS 9 oder 10 bestellt, sollte er dort nachsehen.

ZFS sorgt für Performance und Datensicherheit

Klassische Linux-SANs kombinieren verschiedene Funktionen des Linux-Kerns. Free NAS hingegen wickelt den größten Teil seiner Aufgaben direkt auf der Dateisystem-Ebene ab – ZFS sei Dank. Die Free NAS-Entwickler lassen in ihrer Produktvorstellung keinen Zweifel daran, dass sie das bereits seit einigen Jahren in Free BSD integrierte ZFS für eines ihrer wichtigsten Features halten.

Tatsächlich gilt ZFS unter Experten als ein sehr reifes Dateisystem – vielleicht sogar als eines der ausgereiftesten überhaupt. Man wird bei Canonical jedenfalls seine Gründe haben, diverse juristische Winkelzüge zu vollführen, um das eigentlich mit der GPL-Lizenz des Linux-Kerns inkompatible ZFS trotzdem als Bestandteil von Ubuntu ausliefern zu können. So oder so gilt: ZFS ist für Free NAS ein riesiger Vorteil.

Das Beispiel der Redundanz auf der Datenträger-Ebene macht das deutlich: Unter Linux löst man das Problem bei mehr als zwei Festplatten entweder mittels der Software-Raid-Implementation im Linux-Kern und nutzt Raid 5. Oder man steckt in den Server einen teuren Controller mit Batterie oder mit Flashpuffer, der die Datenträger-Redundanz dann auf der Hardware abbildet und zum System hin eine einzelne Festplatte exponiert. Bei ZFS ist das aber unnötig: Raid-Z ist der in ZFS integrierte Raid-Treiber, der redundante Festplattenverbünde direkt in das Dateisystem integriert.

Weil ZFS ein Copy-on-Write-Dateisystem ist, fällt das klassische Write-Hole-Phänomen von Raid 5 und anderen Raid-Verbünden ersatzlos weg. Im Falle eines Stromausfalls lässt sich das ZFS-Dateisystem problemlos wieder in einen konsistenten Zustand versetzen. Denn auch in diesem Fall gehen keine Daten verloren, wie es bei einem typischen Raid der Fall wäre, wenn während des Schreibens plötzlich der Strom ausfällt – und kein batteriegepufferter Speicher aushilft.

Hinzu kommt, dass die Free-BSD-Entwickler bei der Integration von ZFS viel Wert auf Performance gelegt haben. ZFS geht ohnehin flott zu Werke, und durch den Einsatz von schnellem Flashspeicher für das ZFS-Intent-Log lässt sich die Dateisystem-Performance weiter erhöhen. Wobei das im Free-NAS-Kontext stark davon abhängt, wie der Nutzer auf die Daten zugreift.

Wer etwa AFP für sein Setup braucht, gewinnt durch ein separates Intent-Log keinen Vorteil – denn AFP nutzt synchrone Schreibvorgänge nur für spezifische Applikationen. Um aus einem separaten Intent-Log Vorteile zu ziehen, sind aber gerade synchrone Schreibvorgänge zwingende Voraussetzung.

Rolle rückwärts: Snapshots

Einer der größten Vorteile von ZFS ist das eingebaute Quasi-Backup über die ZFS-Snapshot-Funktion. Freilich schützt diese Art des Backups nicht gegen den katastrophalen gleichzeitigen Ausfall mehrerer Datenträger des Raid-Z. Aber er bietet schnelle Abhilfe in Situationen, in denen der zweithäufigste Grund für das Einspielen eines Backups zutrifft: Einfaltspinsel, die versehentlich eine Datei zu viel gelöscht haben.

In Free NAS lassen sich ZFS-Snapshots gut mit Bordmitteln automatisieren. In festgelegten Zeiträumen merkt das ZFS-Dateisystem sich den Zustand aller Dateien zum jeweiligen Zeitpunkt. Will der Admin dann den letzten bekannt guten Zustand wiederherstellen, rollt er das Dateisystem einfach bis zum jeweiligen Snapshot zurück.

Free NAS hat dafür in seinem GUI sogar eine eigene Seite, die dem Admin verrät, wie viel Speicherplatz Snapshots gerade benötigen. Hier lässt sich per Mausklick auch das Rollback anstoßen. Im Vergleich zu einem Linux-NAS ist das ein großer Komfortgewinn: Unter Linux erzwingen Snapshots meist die Nutzung von LVM, das in Sachen Bedienfreundlichkeit nicht mit der ZFS-Lösung mithalten kann.

Verschlüsselung per ZFS

ZFS bietet noch ein weiteres Killerfeature: Die automatische Verschlüsselung von Dateisystemen während des laufenden Betriebs. Admins sollten lediglich darauf achten, dass der im Free-NAS-System genutzte Prozessor die Krypto-Features hat, die der ZFS-Verschlüsselungsalgorithmus braucht. Denn dann kann ein großer Teil der Krypto-Arbeit für die Ver- und Entschlüsselung von Dateien direkt in der Krypto-Engine der CPU stattfinden, was normale CPU-Ressourcen schont.

Ohne Performanceverlust geht es aber trotzdem nicht: Verschlüsselte ZFS-Volumes entpuppen sich in Benchmarks [4] als merklich langsamer als ZFS-Dateisysteme, die ohne Verschlüsselung auskommen. Hier gilt es für den Admin letztlich, zwischen Sicherheit und Performance abzuwägen. Wer im Zweifelsfalle auf etwas Performance verzichten kann, wählt lieber die verschlüsselte Variante – und kann durch diesen Schritt sicher sein, dass die Gefahr durch physische Angriffe auf das NAS-Gerät (etwa durch Diebstahl) deutlich kleiner ist.

Bei aller Euphorie über ZFS gerät aber schnell in Vergessenheit, dass Free NAS auch mit anderen Dateisystemen zurechtkommt. Dazu gehört UFS genauso wie Ext 2 und Ext 3 für Linux, FAT 32 oder NTFS (über »ntfs-3g« ).

Wer aufgrund dieser Überlegungen eine ZFS-basierte Free-NAS-Lösung als ernstliche Alternative zu kommerziellen NAS-Geräten betrachtet, sollte sich im ersten Schritt Gedanken über die anzuschaffende Hardware machen.

Überlegungen zur Hardware

Ein großer Vorteil eines Eigenbau-NAS ist die bereits erwähnte Möglichkeit, den Server mit hinreichend viel CPU-Power sowie RAM zu bestücken. Quad- oder Octacore-CPUs sollten es schon sein, wobei davon gerne auch zwei oder vier zum Einsatz kommen dürfen. Die Empfehlung der ZFS-Entwickler sieht für Systeme im Unternehmenseinsatz außerdem mindestens 32 GByte ECC-Arbeitsspeicher vor, auch in diesem Fall gilt, dass noch mehr RAM auch nicht schaden kann.

Free NAS selbst sollte auf einem Flash-basierten Speicher residieren, wobei 16 GByte Speicher dafür völlig ausreichend sind. Im Zweifelsfall tut es also auch eine SD-Karte, falls der jeweilige Server dafür einen Steckplatz hat.

Von Hardware-Raids raten die Free-NAS-Entwickler hingegen explizit ab – aus den bereits erwähnten Gründen: ZFS deckt alle Funktionen ab, die andernfalls die Controller in Hardware-Raids umsetzen würden. Free NAS weist sogar ausdrücklich darauf hin, dass man – falls die SATA-Anschlüsse auf dem Mainboard nicht genügen – auf jeden Fall zu einem Host Bus Adapter (HBA) ohne Raid-Funktion greifen soll und gerade nicht zu einem Raid-Controller.

Apropos Festplatten: Es hängt ganz von den jeweiligen Bedürfnisse ab, wie viele Festplatten in welcher Größe Teil des Setups werden. Auf jeden Fall ist darauf zu achten, dass das Servergehäuse für Free NAS noch ein paar freie Laufwerksschächte hat – oder alternativ die Möglichkeit bietet, ein zusätzliches Shelf für weitere Platten anzuschließen. Free NAS empfiehlt SATA- oder SAS-Festplatten, die für den Enterprise-Einsatz, also für den 24/7-Dauerbetrieb ausgelegt sind. Klassische Desktop-Platten sollten es also nicht sein.

Der letzte Punkt des Hardware-Wunschzettels betrifft das Thema Netzwerk: Hier gilt, dass der Rechner desto mehr Durchsatz bietet, je mehr Netzwerkkarten er hat. Die minimale Empfehlung sind zwei Karten: eine für die Verwaltung des Geräts und eine für den Clientzugriff. Tricks und Kniffe wie LACP oder Link-Aggregation beherrscht Free NAS auch – mehrere Netzwerkkarten lassen sich also zu einem Link kombinieren, um so die Grundlage für Redundanz und bessere Performance zu schaffen. Ein Blick in die Hardwareliste von Free BSD verrät, welche Netzwerkchips besonders geeignet sind. Für 10 GBit ist die Empfehlung der Free-NAS-Entwickler das Chipsatz-Sortiment von Chelsio.

Übrigens: Die Firma Ixsystems, die Free NAS entwickelt hat und bis heute maßgeblich an dessen Pflege beteiligt ist, bietet kommerziellen Support für Free NAS an – dazu später noch mehr. Das Unternehmen offeriert im Rahmen dieses Supports auch die Möglichkeit, fertige Hardwarelisten herunterzuladen oder sich – anhand seiner eigenen Bedürfnisse – im Rahmen eines Supportvertrags, ein Setup maßschneidern zu lassen.

Die Installation

Ist die gewünschte Hardware vor Ort, geht es mit der Free-NAS-Installation weiter. Das System kommt als ISO-Datei, die Admins am besten auf einen USB-Stick kopieren und danach von diesem booten. Wer die grafischen Installer der gängigen Enterprise-Linuxe gewohnt ist, wird hier enttäuscht: Es handelt sich im Wesentlichen um eine modifizierte Version des Free-BSD-Installers (Abbildung 2), die sich ausschließlich per Tastatur bedienen lässt.

Abbildung 2: Free NAS setzt auf den Free-BSD-Installer, doch muss der Admin nur in wenigen Dialogen überhaupt Fragen beantworten. Den Rest der Installation übernimmt die Automatik.

Abbildung 2: Free NAS setzt auf den Free-BSD-Installer, doch muss der Admin nur in wenigen Dialogen überhaupt Fragen beantworten. Den Rest der Installation übernimmt die Automatik.

Doch ist der gesamte Vorgang nicht besonders komplex. Der Admin gibt lediglich die Festplatte an, auf der Free NAS installiert werden soll, und tippt schließlich das Passwort von Root ein – fertig ist der Lack. Denn im nächsten Schritt steht die grafische Benutzeroberfläche bereits zur Verfügung (Abbildung 3) – vorausgesetzt im lokalen Netz ist ein DHCP-Server aktiv. Über die erste gefundene Netzwerkschnittstelle sendet Free NAS dann einen DHCP-Request; die zugewiesene IP ist für den Zugriff über das Management-GUI bestimmt.

Abbildung 3: Das grafische Front-End von Free NAS ist per Browser erreichbar und ahmt die GUIs der Hersteller in mancherlei Hinsicht nach.

Abbildung 3: Das grafische Front-End von Free NAS ist per Browser erreichbar und ahmt die GUIs der Hersteller in mancherlei Hinsicht nach.

Nach dem ersten Login im Management-Interface tut der Admin gut daran, ein paar grundlegende Einstellungen zu ändern. Verfügt das System über eine per IPMI ansprechbare Management-Schnittstelle, lässt sich diese über das GUI für die komplette Konfiguration hinterlegen. Was im Notfall praktisch ist: Selbst wenn Free NAS aus irgendwelchen Gründen nicht mehr reagiert, ist der Zugriff über die virtuelle KVM-Konsole per IPMI auf den Server in aller Regel möglich.

ZFS-Laufwerke konfigurieren

Nach der Basisinstallation steht dem Admin die Konfiguration von ZFS bevor. Das Free-NAS-Webinterface hat dafür einen eigenen Volume-Manager, in dem er die gewünschten Festplatten selektiert und aus vorgefertigten Layouts für das neue Volume wählt. Mit dem Knopf »Manual Setup« erreicht er über den Assistenten einen Dialog für das händische Einrichten (Abbildung 4).

Abbildung 4: Free NAS nutzt ZFS-Volumes und bringt im GUI dafür auch einen eigenen Assistenten mit.

Abbildung 4: Free NAS nutzt ZFS-Volumes und bringt im GUI dafür auch einen eigenen Assistenten mit.

Es ist ganz egal, ob per Wizard oder von Hand – der Volume-Dialog ist einer der wichtigsten von Free NAS überhaupt. Die bereits erwähnten ZFS-Funktionen, also Raid, Snapshots oder Verschlüsselung lassen sich allesamt hier aktivieren und verwalten. Nach der Volume-Konfiguration legt Free NAS das ZFS-Volume auf den ausgewählten Speichergeräten an, ganz ähnlich also wie ein NAS von der Stange.

Direkt danach erlaubt Free NAS bereits die Konfiguration von Diensten, über die der Netzwerk-seitige Zugriff möglich wird. Bevor Admins sich mit dem Anlegen der ZFS-Volumes beschäftigen, sollten sie allerdings zunächst darüber nachdenken, welche Zugriffsarten sie exponieren wollen. Denn das hat direkten Einfluss auf die ZFS-Konfiguration: Für I-SCSI lassen sich etwa ganze Blockgeräte (das umfasst auch ZFS-Volumes) oder Teile eines Dateisystem als Extent für das jeweilige Target definieren. Je nach genutztem I-SCSI-Client wirkt sich das auf die Performance aus.

Unterstützte Zugriffsarten

Welche Möglichkeiten bietet Free NAS, um seinen verfügbaren Speicherplatz an Clients im selben Netzwerk zu exportieren? Die Free-NAS-Dokumentation erwähnt fünf wichtige Protokolle: Apples AFP, NFS, Webdav, CIFS sowie I-SCSI. Die nüchterne Liste lässt allerdings kaum erahnen, welchen Funktionsumfang Free NAS abdeckt.

Die AFP-Implementierung etwa macht Free NAS zum Backup-Ziel für alle Geräte mit Apples Mac OS. Timemachine, also die Standard-Backupsoftware, die Apple mit seinem Betriebssystem ab Werk liefert, erwartet ein AFP-Volume als Ziel für ihre Backups. Free NAS kann in diese Rolle schlüpfen – und exportiert auch weitere Laufwerke per AFP, die sich nutzen lassen, um Dateien zwischen Mac-OS-Rechnern im Stil eines Netzlaufwerks auszutauschen.

Ähnliches gilt für CIFS-Shares: Die CIFS-Implementation von Free NAS fußt auf Samba und macht Free NAS zum Netzwerkspeicher für alle Geräte mit Microsoft Windows. Weil auch Apple das CIFS-Protokoll unterstützt, aber Windows nicht AFP, eignet sich das Samba-Protokoll, um in heterogenen Netzen Dateien zwischen Macs und PCs auszutauschen.

Obendrein lässt sich Free NAS problemlos zum Mitglied einer existierenden Windows-Domäne machen, sodass es auf den Ziel-PCs automatisch integrierbar ist. Webdav ist ein Web-basiertes Zugriffsprotokoll, das aktuelle Browser genauso beherrschen wie spezielle Programme, die für die gängigen Betriebssysteme verfügbar sind.

NFS ist der alte Hase der Netzwerk-Dateisysteme: Es eignet sich in erster Linie als Speicherziel für Linux- und andere Unix-Systeme, weil in diesen NFS-Support meist fester Bestandteil des Kernels ist. Die Option, auf NFS-Exports zuzugreifen, ist also ab Werk gegeben und lässt sich ohne weitere Hilfsmittel nutzen. Auch Mac OS sowie Windows kommen mit NFS-Clients daher, sodass das Dateisystem als kleinster gemeinsamer Nenner gelten kann, wenn es um eine möglichst vielseitige Lösung geht, die sich mit gängigen Systemen sinnvoll nutzen lässt.

Die Kombination ist wichtig

Zu einem NAS gehören traditionell nicht nur die Dateisystem-Exporte und die damit verbundene Software. Zusatzfunktionen wie das automatische Anbieten von Ressourcen per Zeroconf beherrscht Free NAS ohne Probleme. Von einem Mac aus lässt sich etwa eine AFP-Freigabe in den Netzwerkressourcen anzeigen. Wer Free NAS überwachen will, bekommt obendrein eine funktionierende SNMP-Funktion zur automatischen Abfrage verschiedener Metrikdaten.

Die Entwickler weisen darauf hin, dass Free NAS zwar grundsätzlich ein ZFS-Volume auf mehrere Arten gleichzeitig exportieren kann. Es wäre also denkbar, ein Blockgerät gleichzeitig per AFP, NFS und CIFS bereitzustellen. Davon raten die Entwickler aber dringend ab, weil sich unterschiedliche Systeme in verschiedener Hinsicht in die Quere kommen – etwa in Sachen ACLs oder Locking. Die Empfehlung lautet daher, die Share-Methode zu nutzen, die für die gegebenen Clients am sinnvollsten ist.

Alternativ dazu legt der Admin im Free-NAS-Webinterface mehrere ZFS-Volumes an und exportiert diese dann über mehrere Protokolle. Schließlich lassen sich auf praktisch allen Clients auch mehrere Netzwerklaufwerke mit verschiedenen Protokollen einbinden.

Redundanz und Hochverfügbarkeit

Die internen Richtlinien vieler Unternehmen schreiben zwingend vor, dass kritische Daten an zwei unterschiedlichen Orten vorhanden sein müssen. So ist sichergestellt, dass die Daten selbst dann nicht verloren sind, wenn das Büro, in dem der Server mit ihnen stand, abbrennt. Es gibt mehrere Ansätze, um das Problem zu lösen: Synchrone Replikation auf der Blockebene, wie zum Beispiel DRBD unter Linux sie ausführt, oder asynchrone Replikation etwa in regelmäßigen zeitlichen Abständen.

Free NAS stellt sich der Schwierigkeit erneut über die in ZFS ohnehin vorhandenen Funktionen: Es bietet nämlich die Möglichkeit, per Replikationsanweisung Snapshots zu einem anderen Free-NAS-System zu übertragen. Echtes Failover ist das zwar nicht, dafür bräuchte es das Free-BSD-Framework HAST (Highly Available Storage) und das Common Address Redundancy Protocol (CARP) und obendrein ein anderes Setup. Aber Failover für NAS-Geräte ist in den meisten Fällen auch keine harte Anforderung, zumal dann nicht, wenn die Daten – weil per ZFS repliziert – auf einem zweiten Gerät zur Verfügung stehen.

Plugins für mehr Funktionalität

Die Pflicht meistert Free NAS mit Bravour, doch auch bei der Kür wollen die Entwickler der Lösung offensichtlich beeindrucken. Dafür haben sie Free NAS eine Plugin-Schnittstelle spendiert, über die sich weitere Funktionen nachrüsten lassen (Abbildung 5). Mehr als 20 Zusatzmodule standen bei Redaktionsschluss bereit: Btsync etwa ist ein Bittorrent-Client, der Daten direkt auf Free NAS laden und sie per Export bereitstellen kann. Syncthing etabliert einen Synchronisationsdienst, der ähnlich wie Dropbox funktioniert, doch läuft der Server nicht in der Cloud, sondern eben direkt auf Free NAS.

Abbildung 5: Wem der normale Funktionsumfang von Free NAS nicht ausreicht, der kann über Plugins weitere Funktionalität nachrüsten.

Abbildung 5: Wem der normale Funktionsumfang von Free NAS nicht ausreicht, der kann über Plugins weitere Funktionalität nachrüsten.

Auch Owncloud lässt sich bequem per Plugin nachrüsten, ebenso der Plex-Mediaserver. Sogar für den Firefly-Mediaserver findet sich ein Plugin, das Musik per DAAP direkt in das Netzwerk streamt, an das der Free-NAS-Server angeschlossen ist. De facto kommt durch die verfügbaren Plugins also einiges an Mehrwert zusammen, wenngleich hier die kommerziellen Systeme eindeutig die Nase vorn haben. Synology etwa bietet über 100 mit einem Klick installierbare und im Synology-GUI administrierbare Apps aller Art.

Free NAS unterstützt außerdem auch die aus Free BSD bekannten Jails. Dabei handelt es sich um eine Virtualisierungsmethode, die Elemente von Containern und von klassischem »chroot« miteinander kombiniert. In Jails, die sich ebenfalls über das Free-NAS-GUI verwalten lassen, kann der Admin auf dem Free-NAS-System praktisch jede beliebige Applikation betreiben. Weil ein Jail – der Name verrät es bereits – vom Rest des Systems getrennt ist, geht das ohne Gefahr für die Free-NAS-Installation selbst.

Kommerzieller Support

Eines der Totschlagargumente fertiger NAS-Geräte im Enterprise-Umfeld ist der Supportvertrag, der sich zusammen mit den Geräten erwerben lässt. Wenn etwas schiefgeht, so die Kalkulation, sei der Hersteller schnell zur Stelle und kümmere sich um das Problem. Weil Free NAS kein klassisches Fertig-NAS ist, sondern ein Open-Source-Projekt, gibt es Support direkt durch einen Hersteller nicht. Aber es gibt das schon erwähnte Unternehmen Ixsystems, das die Entwicklung von PC BSD finanziert und auch in Free NAS investiert.

Die Möglichkeit, sich von Ixsystems eine Liste an passender Hardware für das eigene Einsatzszenario zusammenstellen zu lassen, hat der Artikel eingangs bereits erwähnt. Ixsystems liefert auf Wunsch aber auch Support – und es hat sogar fertige Appliances auf der Grundlage von Free NAS im Angebot, die es dem Anwender als schlüsselfertiges System zur Verfügung stellt. Allerdings ist das Unternehmen in den USA ansässig und das Verschiffen fertiger Hardware nach Europa dürfte eher keine attraktive Option sein. Für die meisten Kunden in Deutschland sollte also das Angebot für Free-NAS-Support noch das interessanteste unter den Angeboten aus dem Portfolio von Ixsystems sein.

Fazit

Wer auf der Suche nach einem Netzwerkspeicher für das eigene Büro oder den eigenen Haushalt ist, sollte Free NAS auf jeden Fall in die engere Wahl einbeziehen. Das Produkt steht den vergleichbaren kommerziellen Linux-NAS-Geräten der etablierten Hersteller kaum nach. An vielen Stellen ist Free NAS sogar so gut, dass es andere Lösungen glatt aussticht. In den meisten Fällen liegt das daran, dass es die Vorteile von ZFS gut für sich ausnutzt.

Darüber hinaus gefällt auch die Möglichkeit, allgemein gebräuchliche Standardhardware zu nutzen. Dass Free NAS obendrein ohne proprietäre Komponenten auskommt, rundet das Gesamtbild positiv ab.

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