Im Schatten der großen Lösungen wie VMware oder Open Stack hat sich Open QRM zu einer formidablen Lösung für das Management physischer sowie virtueller Systeme entwickelt. Das Linux-Magazin fühlt der aktuellen Version 5.2 auf den Zahn.
Virtualisierung ist eine Schlüsseltechnik – aber der Hypervisor allein reicht gegenwärtig längst nicht mehr aus: Zusätzlich zu KVM & Co. fordern Admins eine Lösung, die physische wie virtuelle Systeme komfortabel und unter einer einheitlichen Oberfläche verwaltet.
Etliche Ansätze existieren: VMware ist der Platzhirsch und im Cloudsegment wächst die Fangemeinde von Open Stack. Dass es auch abseits des Mainstreams brauchbare Lösungen gibt, beweist das deutsche Unternehmen Open QRM Enterprise. Dessen Virtualisierungslösung Open QRM steht den Lösungen des Massenmarkts in nichts nach, ist vielen Admins aber noch unbekannt.
Bereits mehrere Male hat sich das Linux-Magazin mit dem Produkt beschäftigt – seither hat sich viel getan: Open QRM 5.2 streckt die Fühler verstärkt in Richtung Cloud aus, was der Anbieter durch die direkte Integration in Amazon EC2 auch unterstreicht. Grund genug, mal wieder genauer hinzusehen: Was kann Open QRM und für wen lohnt sich ein genauerer Blick?
Die Managementplattform
Unter der Haube findet der Admin bei Open QRM eine modulare Architektur. Der zentrale Dreh- und Angelpunkt ist seine Managementplattform: Sie verbindet alle anderen Funktionen miteinander. Ihr zentraler Bestandteil ist das Plugin-API: Hier haben die Open-QRM-Entwickler Weitsicht bewiesen, denn über die Modulschnittstelle von Open QRM lässt sich beinahe jede Funktion nachrüsten (Abbildung 1). Praktisch alle Open-QRM-Funktionen sind außerdem als Modul implementiert. Wer Open QRM nutzt, kann dadurch etwa die Unterstützung für verschiedene Hypervisortypen problemlos per Modul implementieren.
Obendrein ist Open QRM durch seinen modularen Aufbau für die Zukunft gewappnet, denn neue Funktionen liefert der Hersteller bei Bedarf per Plugin. Das hilft auch bei den Upgrades: Neue Module lassen das existierende System unangetastet und erweitern es nur.
Das Open-QRM-Portal
Open QRM Enterprise hat offensichtlich verstanden, dass für Admins eine komfortable und gut funktionierende Managementumgebung die halbe Miete bei der Verwaltung von großen Cloudumgebungen ist. Die entsprechende Komponente heißt bei Open QRM Cloud Portal. Es dient sowohl Admins dazu, die Umgebung grundsätzlich zu konfigurieren, als auch Nutzern, die – über zuvor eingeräumte Quotas – per Open QRM virtuelle Systeme starten wollen.
Wer sich in der Vergangenheit schon mit Open QRM beschäftigt hat, sollte einen zweiten Blick wagen – das noch aus älteren Versionen bekannte, angestaubte Webinterface hat in Version 5.1 ein radikales Facelifting erfahren (Abbildung 2). Es ist nun deutlich eleganter und kann mit der grafischen Oberfläche anderer Lösungen durchaus konkurrieren. An dieser Stelle liegt Open QRM goldrichtig, denn das grafische Frontend macht Open QRM de facto zur echten Cloudumgebung mit Self-Service-Funktionalität.
Die Installation
Die Open-QRM-Dokumentation [1] listet eine Vielzahl Setups und Szenarien, in denen sich die Suite ausrollen lässt. Das einfachste Beispiel ist ein lokales Setup mit lokalem Hypervisor, um virtuelle Maschinen zu betreiben und zu verwalten. Bevor das funktioniert, steht dem Admin allerdings die Installation ins Haus – aber auch hier hat Open QRM nachgerüstet. Nach dem Download von Open QRM hat der Admin einen Tarball, den er bloß entpacken muss.
Im Tarball steckt ein Skript, das sich um die Konfiguration des Zielsystems kümmert. Der Admin muss also lediglich sicherstellen, dass der Open-QRM-Installer auf einer Basisinstallation einer der vom Hersteller offiziell unterstützten Distributionen läuft. Die umfassen Debian und Ubuntu sowie die aktuellen Versionen von Red Hat Enterprise Linux, Suse Linux Enterprise Server sowie Centos. Das Installationsskript bereitet das System so vor, dass danach bereits die grafische Open-QRM-Oberfläche zur Verfügung steht und die wichtigen Dienste durchgehend eingerichtet sind.
Verschiedene Hypervisoren
Auffällig ist die große Menge unterstützter Virtualisierer. Neben der Pflicht, also KVM unter Linux, erfüllt Open QRM auch die Kür mit Bravour. Per Plugin lässt sich etwa Unterstützung für Xen Server von Citrix genauso anbauen wie für VMwares V-Sphere. Auch in Sachen Container ist Open QRM auf der Höhe der Zeit: Open VZ und LXC gehören ebenso zum Leistungsspektrum wie Docker. Und dann existiert auch noch die Anbindung an diverse Public-Cloud-Umgebungen, auf die der Artikel später noch im Detail eingeht. Kurzum: eine runde Sache.
Storage: Viele Optionen
Storage gehört bei virtualisierten Plattformen natürlich ebenfalls dazu. Open QRM unterstützt eine Vielzahl von Storagediensten, darunter Speicher, der per I-SCSI, NFS, ATA over Ethernet (AOE) oder LVM angebunden ist. Praktisch jede Speicherlösung ist in der Lage, über mindestens eines dieser Protokoll ihren Speicher anzubieten. Open QRM übernimmt auf Basis des gewählten Protokolls sowohl das Kommissionieren von Speicherlaufwerken als auch die Anbindung an die Zielsysteme.
Weil Zielsysteme sowohl physische Hosts als auch virtuelle Maschinen sein können, kümmert sich Open QRM zudem um die transparente Anbindung des gewählten Speichers. Per GUI legt der Admin – oder im Cloudkontext der User – lediglich fest, wie groß sein Speicher sein soll, und Open QRM kümmert sich um den Rest. Per SAN-Boot lässt sich Speicher sogar für Windows-Systeme bereitstellen.
Auch physische Maschinen
Admins, die Open QRM kennen, sehen zwar darin vorrangig eine Virtualisierungslösung, de facto beherrscht das System aber auch den Umgang mit echtem Blech. Dafür sind bei Open QRM mehrere Varianten an Bord: Über die eingebaute Verwaltung für physische Server lassen sich Rechner praktisch vom ersten Einschalten bis hin zum fertig installierten Betriebssystem nach Bedarf versorgen. Auf Basis von DHCP und PXE erhalten sie nach dem ersten Start ein Installationsimage, das im weiteren Verlauf die komplette Betriebssystem-Installation abwickelt.
Open QRM selbst bietet Unterstützung für den Fully Automatic Installer (FAI) von Debian, über einen separaten Cobbler-Server sind aber auch andere Deployment-Szenarien mit Red Hat oder Centos möglich. Den Cobbler-Server muss der Admin allerdings selbst bereitstellen, weil Open QRM dafür kein passendes Plugin mitbringt. Als Alternative steht außerdem HPs Linux COE bereit, das ein generisches Image für das Deployment diverser Linux-Distributionen darstellt. Über COE lassen sich in Open QRM auch OS-Abbilder anlegen, welche die physischen Server dann per TFTP mit auf den Weg bekommen.
Ging der Artikel bis jetzt auf die einzelnen Funktionen von Open QRM ein, so ergibt sich bei der Zusammenschau aller Faktoren das Bild eines umfassenden Lifecycle-Managements für virtuelle Maschinen wie für physische Hosts: Egal ob es um virtuelles oder echtes Blech geht – der gesamte Lebenszyklus eines Systems lässt sich unmittelbar mit dem Open-QRM-GUI steuern. Sogar IPMI ist über ein separates Plugin aktivierbar: Damit kann der Admin Open-QRM-Server bei Bedarf sogar ein- und ausschalten, falls der Workload das sinnvoll erscheinen lässt. Open QRM selbst spricht hier von Green IT, weil Server so nicht sinnlos weiterlaufen und Strom verbrauchen.
Enterprise-Features: LDAP & Co.
Zusätzlich zur Verwaltung von (virtuellen) Servern beherrscht Open QRM eine Vielzahl von Enterprise-Features, die Admins das Leben erleichtern. Ein gutes Beispiel dafür ist die LDAP-Anbindung: Weil Open QRM eben auch als Cloudumgebung betrieben werden kann, ist Nutzermanagement eine zwingende Voraussetzung. Schließlich sollen sich nicht alle Nutzer mit dem Admin-Account anmelden. Deshalb bietet es dem Admin an, entweder eine eigene Nutzerverwaltung in Open QRM zu pflegen oder eine LDAP-Anbindung zu nutzen, über die sich Anwender aus einem zentralen Verzeichnis beziehen lassen.
Obendrauf baut Open QRM noch ein feingliedriges Rollenmodell ein. Darüber legt der Admin fest, welcher Nutzer welche Dinge in der Cloud tun darf. Das ist aus Anbietersicht gleich in mehrerer Hinsicht relevant: Einerseits sollen Cloudkunden natürlich keinen Zugriff auf wichtige Admin-Funktionen erhalten, andererseits kann es sogar notwendig sein, Benutzerzugänge für den Cloudteil der Installation nochmals in Berechtigungsgruppen zu unterteilen, etwa weil zusätzlich Read-only-Zugänge gebraucht werden.
Hochverfügbarkeit: Kein Problem
Bereits beim letzten Open-QRM-Test im Linux-Magazin stach die Lösung gerade bei einem Thema besonders hervor: In Sachen Hochverfügbarkeit ist Open QRM mit allen Wassern gewaschen. Der Hersteller unterscheidet zwischen drei Arten von Hochverfügbarkeit: Neben dem HA-Level von Open QRM selbst – also dem Betrieb der für Open QRM absolut notwendigen Dienste – kann Open QRM auch virtuelle Systeme redundant auslegen. Der Ausfall eines Hypervisors setzt dann eine Kettenreaktion in Gang, an deren Ende die VM auf einem anderen Host startet, sodass der Dienst anschließend wieder verfügbar ist.
Die dritte Ebene bezieht sich auf Applikationen in virtuellen Maschinen: Hier bietet Open QRM Werkzeuge, die auch den hochverfügbaren Betrieb jener Applikationen ermöglichen. Auf Wunsch wird die HA-Funktionalität sogar in Kunden-VMs durchgeschleift, die innerhalb von Open QRM als Cloud-VM laufen.
Dabei setzt der Hersteller auf erprobte Technik: Das HA-Setup auf Ebene der für Open QRM notwendigen Dienste realisiert die Lösung automatisch per Pacemaker und Corosync, also den Standardkomponenten des Linux-HA-Baukastens. In Sachen Redundanz von VMs kommt Open QRM sein modularer Aufbau zugute, der es sogar erlaubt, Dienste aus virtuellen Maschinen auf echtes Blech zu migrieren – und umgekehrt: Fällt eine virtuelle Maschine aus, kann Open QRM diese entweder auf einem anderen Hypervisor neu starten oder die Inhalte des Storage-Laufwerks jener VM auf echtes Blech migrieren, um das System anschließend zu starten.
Auf der Applikationsebene kommt erneut Pacemaker zum Einsatz; weil Open QRM die Linux Cluster Management Console über ein eigenes Plugin einbindet (Abbildung 3), lässt sich hier per grafischer Oberfläche der gewünschte Grad der Hochverfügbarkeit bestimmen. Alles in allem wickelt Open QRM das Thema Verfügbarkeit also herausragend ab – und auch besser, als es zum Beispiel bei Open Stack der Fall ist.
Automatisierung an allen Ecken
Das Stichwort Automatisierung spielt bei Open QRM eine große Rolle. Viele seiner Funktionen setzen massiv auf dieses Feature. Dazu gehören etwa die Betriebssystem-Abbilder, die der Admin definiert und die im Falle eines Falles ein physisches oder virtuelles System blitzschnell mit einer vorgefertigten Konfiguration starten.
Zusätzlich integriert Open QRM auch die Automatisierer Puppet und Ansible auf der Applikationsebene. Für jedes Serverobjekt in Open QRM, ganz gleich ob physisch oder virtuell, lassen sich über das Open-QRM-Webinterface Klassen anlegen. Weist der Admin ein System einer Klasse zu, sorgt Open QRM automatisch dafür, dass die für jene Klasse festgelegten Arbeitsschritte auf dem Server tatsächlich ablaufen.
Das ist ausgesprochen komfortabel – und spart im Alltag viel Zeit. Obendrein wirkt der Open-QRM-Ansatz der Puppet- sowie Ansible-Integration elegant: Direkt in das Open-QRM-GUI tippt der Admin etwa die Klassendefinitionen für Puppet ein – schon stehen jene zur Verfügung, um Rechner per Puppet automatisch zu konfigurieren.
Hybride Workloads
Hybride Clouds sind der Traum beim Cloudmarketing. Die Idee hat tatsächlich einen gewissen Charme: Während sensible Daten oder kritische Infrastruktur im eigenen Rechenzentrum sicher und redundant verbleiben, mietet man Computing-Power von einem großen Anbieter wie Amazon oder Google, um dort rechenintensive Aufgaben zu erledigen. Damit ein solches Setup sinnvoll funktioniert, ist unter der Haube einiges an Arbeit notwendig. Die Open-QRM-Entwickler legen hier ordentlich vor: Die Software verwaltet auf Zuruf auch Ressourcen in öffentlichen Cloudinstallationen (Abbildung 4).
Zur Auswahl stehen EC2 von Amazon, Microsoft Azure, Eucalyptus oder Open Stack. Der Admin trägt im Open-QRM-GUI dazu lediglich die Zugangsdaten ein, die für die Verbindung hin zur jeweiligen Public Cloud notwendig sind. Das GUI fungiert als vollständige Übersetzerschicht zwischen der privaten Open-QRM-Cloud und der öffentlichen Wolke. Bei Bedarf lassen sich virtuelle Maschinen aus der privaten Cloud in die öffentliche Cloud migrieren und vice versa. Auch Betriebssystemabbilder aus der Cloud lädt Open QRM herunter und passt sie so an, dass sie danach als Serverimage für lokale Open-QRM-Instanzen funktionieren.
Freilich kann eine Open-QRM-Controllerinstanz auch die Inhalte diverser privater oder öffentlicher Clouds zusammenführen. Sie entpuppt sich also als zentrale Drehscheibe für die Verwaltung von Diensten, die wahlweise in privaten oder öffentlichen Wolken laufen und sich per Mausklick auch hin und her migrieren lassen. Dass Open QRM herstellerunabhängig ist, erweist sich hier als klarer Vorteil, denn vergleichbare Funktionalität haben selbst die verschiedenen hybriden Orchestrierungswerkzeuge kaum.
Open QRM als und in einer Public Cloud
Wer auf den hybriden Betrieb verzichtet, kann Open QRM auch als rein virtuelle Applikation in einer öffentlichen Cloud betreiben. Im Rahmen von Amazons EC2 steht dafür im Amazon-Marketplace sogar ein fertiges Image bereit, das auf Knopfdruck eine Open-QRM-Kontrollinstanz ausrollt (Abbildung 5). In solch einem Setup betreibt das Unternehmen eine private Cloud in Amazon, ohne dafür auch nur ein einziges Stück Hardware selbst angeschafft zu haben.
Der Hersteller weist in der Beschreibung allerdings darauf hin, dass sich das Schema besonders für “Forschung, Entwicklung sowie Q&A” eignet. Warum man seinen produktiven Workload nicht genauso in EC2 betreiben soll – darauf bleibt Open QRM Enterprise die Antwort aber schuldig.
Bereits mehrfach hat dieser Artikel hervorgehoben, dass Open QRM sich als Public-Cloud-Lösung mit eingebautem Management-GUI nutzen lässt. Das ergibt sich quasi aus der Kombination der verschiedenen Funktionen vom Deployment auf Blech oder in VMs bis hin zur feingranulierten Nutzerverwaltung. Passend zum Prinzip bietet Open QRM gar ein eigenes Abrechnungswerkzeug: Auf Basis einer eigenen Cloudwährung (CCU, Cloud Computing Unit) lassen sich angelegten Nutzern Quotas zuweisen. Die Verrechnung erfolgt automatisch über das Open-QRM-GUI.
Auf Wunsch steht mittlerweile sogar eine direkte Anbindung von Open QRM an verschiedene E-Commerce-Systeme zur Verfügung. Hier wirft der Kunde auf der einen Seite Geld ein, das Open QRM dann im Hintergrund in CCUs konvertiert. Echtes Self Servicing wird damit möglich, denn das Anlegen neuer Accounts in Open QRM lässt sich so komplett automatisieren. Vom ersten Kontakt mit dem Benutzer über den Webshop bis hin zur ersten lauffähigen VM ist keine menschliche Interaktion mehr notwendig.
Monitoring ist eine unverzichtbare Funktion – das gilt im Hinblick sowohl auf virtuelle Systeme als auch auf die physischen Systeme, die jene virtuellen Systeme betreiben. Bei Open QRM kümmert sich – natürlich – ein Plugin um die Einbindung eines funktionierenden Monitoring. Dieses lässt dem Admin die Wahl zwischen Nagios und Zabbix; Metrikdaten lassen sich zudem per Collectd sammeln. Sobald eines der Monitoring-Plugins aktiv ist, steht im Webinterface von Open QRM eine entsprechende Konfigurationsoption dafür parat. Die ist allerdings in den meisten Fällen gar nicht nötig, denn neue physische oder virtuelle Systeme lassen sich nach einmal angelegter Konfiguration auch automatisch überwachen.
Windows’ Liebling
Während Unterstützung für Linux in sämtlichen Varianten bei praktisch allen Virtualisierungslösungen zum Lieferumfang gehört, ist die Situation beim Betriebssystem aus Redmond oft nicht ganz so rosig. Open QRM stellt sich hier vorbildlich an: Mit dem Windows-Plugin lässt sich Windows gleich auf mehrere Arten in Open QRM integrieren.
Das Hauptanliegen der Entwickler ist es offensichtlich, Windows als Gastsystem zu unterstützen. Ein eigener Agent, den Open QRM ebenfalls selbst liefert, läuft dazu auf den Windows-Systemen als Daemon und führt Konfigurationsbefehle aus. Mit dem Sysprep-Tool lässt sich aus einem laufenden Windows heraus auch ein Abbild erstellen, das sich in Open QRM anschließend ablegen und für andere VMs recyclen lässt. Hier geht Open QRM mit gutem Beispiel voran.
Ebenso gut steht es in Sachen Hyper-V: Per eigenem Plugin gelingt es, Windows-Systeme mit Hyper-V in Open QRM einzubinden. Auf der Website von Open QRM findet sich dazu auch eine Anleitung – die ist aber schon etwas betagt und bezieht sich noch auf Windows Server 2008. Laut Hersteller gilt der dort beschriebene Arbeitsablauf aber ohnehin nicht mehr, denn die Probleme, die der Admin mit der Beschreibung behebt, gibt es mittlerweile auch nicht mehr.
Windows Server 2012 lässt sich mit Open QRM problemlos auch als Hypervisor nutzen. In den meisten Fällen dürfte Hyper-V-Support zwar für Windows ohnehin keine Rolle spielen. Denn dank passender Treiber lässt sich ein Windows-Gast etwa in einem KVM-Host meist problemlos betreiben. Wer allerdings – etwa aus lizenzrechtlichen Gründen – auf Windows als Hypervisor angewiesen ist, hat diese Option bei Open QRM ebenso.
Pakete und Optionen
Open QRM hebt sich im Hinblick auf seine Produkt- und Preisgestaltung gleich in mehrerlei Hinsicht positiv von der Konkurrenz ab. Zunächst fällt auf, dass die Open QRM Enterprise GmbH das eigene Produkt in diversen Versionen zum Kauf anbietet. Die zuvor beschriebene modulare Architektur entpuppt sich hier abermals als echter Vorteil, denn sie erlaubt das Schnüren von Produktpaketen, bei denen der Admin nur das bekommt, was er tatsächlich will oder braucht. Sieben unterschiedliche Pakete stehen von Open QRM zur Verfügung. Dazu gehört die Free Community Edition mit einem vergleichsweise kleinen Funktionsumfang genauso wie die Open QRM Enterprise Edition, die alle Open-QRM-Plugins und Funktionen bietet.
Die Pakete Docker Edition, KVM Edition, ISP Edition, Private Cloud Edition und VMware Vsphere Edition sind durch die unterschiedliche Anzahl beigelegter Plugins voneinander getrennt, wobei die Abgrenzung eher fließend ist: Wer ein Open-QRM-Plugin nutzen möchte, das in der eigenen Lizenz nicht enthalten ist, kann es bei Open QRM gegen Aufpreis zusätzlich kaufen. Die Preisliste [2] des Herstellers gibt Auskunft über die diversen Pakete.
Als einer der ganz wenigen Hersteller nennt Open QRM in seiner Preisliste übrigens konkrete Zahlen: Die Enterprise Edition etwa schlägt mit 7000 Euro zu Buche, während für die Private Cloud Edition 4000 Euro fällig sind. Der Preis für einzelne Module liegt zwischen 300 Euro und 1500 Euro für das Vsphere-Plugin, mit dem sich Open QRM an Vsphere-Installationen ankoppeln lässt. Von solcher Preistransparenz kann man bei anderen Anbietern nur träumen; oft genug rücken die Hersteller ihre Preise erst nach einer umfänglichen Bearbeitung durch einen Vertriebler raus.
Open QRM ausprobieren
Wer Open QRM ausprobieren möchte, kann das auf verschiedene Weise tun. Die erste ist die Wahl der Community-Version, sie ist ab Werk aber stark eingeschränkt und bietet als einzige Edition auch nicht die erwähnte Möglichkeit, Funktionalität per Plugin nachzurüsten. Die allermeisten Cloudfunktionen fehlen hier genauso wie die HA-Features oder die Unterstützung für Citrix Xen Server oder VMware ESXi.
Wer stattdessen die volle Dröhnung will, greift zur Evaluationsversion der Open QRM Enterprise Edition: 30 Tage lang kann der Admin diese auf Herz und Nieren prüfen und testen, ob sie zum lokalen Workload passt, bevor der Kauf einer Lizenz gegen Bares ansteht. Ein sinnvoll vorbereiteter Test mit sorgfältig ausgewählten Parametern lässt sich in dieser Zeit jedenfalls bewerkstelligen, zumal das Open-QRM-Team bei Fragen und Problemen beratend zur Seite steht. Hier fällt auf, dass man es mit einer kleinen deutschen Firma statt mit einem global agierenden Enterprise-Anbieter zu tun hat. Support von Open QRM fehlt lediglich bei der Community-Variante der Lösung; bei allen anderen Paketen ist er verbriefter Teil des Angebots.
Fazit
Open QRM ist eine wohltuende Abwechslung zum virtualisierten Einheitsbrei aus VMware, Open Stack & Co. Der Open QRM Enterprise GmbH ist es gelungen, das Produkt in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die Cloudfunktionalität, die in den letzten Jahren sukzessive den Funktionsumfang von Open QRM erweitert hat, macht die Lösung für jene Firmen interessant, die nicht nur Rechenzentrum-Virtualisierung wollen, sondern auch Self Servicing. Die Cloudappliance von Open QRM ist außerdem eine spannende Alternative für Admins, die auf gewohnten Verwaltungskomfort innerhalb ihrer virtuellen Umgebungen bei Amazon nicht verzichten wollen.
Technisch präsentiert sich Open QRM solide. Über die Vielzahl an Plugins, mittlerweile liegt deren Anzahl bei weit über 50, lassen sich die allermeisten Funktionen des täglichen Bedarfs problemlos einbinden. Obendrein verweist das Unternehmen – völlig zu Recht – auf mehrere Großkunden, die Open QRM im Alltag erfolgreich einsetzen; darunter die DB Systel, also die IT-Abteilung der Deutschen Bahn.
Open QRM Enterprise garniert sein Produkt schließlich durch eine äußerst transparente und realistische Gestaltung der Preise – zusammen mit der Gelegenheit, die Software vor dem Kauf auszuprobieren. Damit steht fest: Wer auf der Suche nach einer potenten und funktionalen Virtualisierungsverwaltung ist, der sollte Open QRM definitiv in die engere Wahl einbeziehen.












