Eine neue Behörde namens Zitis (Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich) soll laut Innenminister de Maizière die Verschlüsselung von Software knacken, berichten NDR, WDR und die Süddeutsche Zeitung. Wie das gehen soll, bleibt unklar.
Treiber der Anstrengung sei die Angst vor dem “Going Dark”, also einer nicht-abhörbaren Kommunikation vor allem im Bereich der Kriminalität und des Terrorismus, schreibt die Süddeutsche. Nicht nur das FBI warne davor. Laut dem Chef der Polizeibehörde Europol, Rob Wainwright, spiele Verschlüsselung in 75 Prozent der Europol-Fälle eine Rolle.
Man begrüße Verschlüsselung an sich, und finde es gut, dass die Telcos keiner gesetzlichen Pflicht unterliegen, Daten an Strafverfolger herauszugeben. Auch wolle man keine Backdoors in Verschlüsselungen einbauen. Zugleich wolle man aber zur Strafverfolgung Zitis mit hunderten Mitarbeitern neu aufbauen. Die Behörde soll nach Schwachstellen in den Verschlüsslungen verschiedener Hersteller suchen. Zitis soll lediglich als Dienstleister für Polizei und Geheimdienst auftreten, um die Trennung der beide Behörden aufrecht zu erhalten. Das Innenministerium will nun also angeln, anstatt die Treibnetze auszuwerfen.
Wie das genau ablaufen soll, darüber scheint noch wenig bekannt. Eine solide Ende-zu-Ende-Verschlüsselung lässt sich nur knacken, wenn die Strafverfolger direkt auf die Endgeräte zugreifen, also etwa Smartphones oder Computer, bevor diese eine Nachricht absetzen. Allerdings sind längst nicht alle Verschlüsselungen in Software solide implementiert, lassen sich also die Sicherheitsfeatures bestimmter Hersteller aushebeln. Auf so einem Weg konnte das FBI im Streit mit Apple ein verschlüsseltes Telefon auch ohne Hilfe von Apple dechiffrieren. Ähnliches, spekuliert die Süddeutsche, könnte auch die neue Behörde vorhaben.
Dabei dürfte es allerdings noch eine wesentliche Hürde geben: das Geld. Zahlt die Behörde die üblichen Tarife im öffentlichen Dienst, ist die Auswahl an Experten, die sich auf den Job bewerben, vermutlich begrenzt. Qualifizierte Security-Experten verdienen, wie viele andere Spezialisten im IT-Bereich, in der Wirtschaft recht gut, was eine Anstellung beim Staat aus finanzieller Perspektive eher unattraktiv macht.





Interessant wären natürlich alle Details zu dieser Behörde, die ja als solche gegenüber dem Bürger transparent zu sein hat (es sei denn sie agiert im Geheimdienstbereich a la NSA & Co.). ZB welche Softwareprodukte werden eingesetzt, wieviel Geld fließt in (welche) Hardware (Verfahrensdokumentationen…) uswusf.. Ob der Staat sich soviel Transparenz erlaubt, bezweifele ich…
Zitat: Die Behörde soll “als Dienstleister für Polizei und Geheimdienst” auftreten. Klar, dass da keine Transparenz herrscht. Im Notfall waren sie nur für den Geheimdienst tätig. Wir Steuerzahler dürfen die Behörde bei unbekanntem Leistungsumfang mit Geld füttern. Ob Zitis dann tatsächlich “vor allem im Bereich der Kriminalität und des Terrorismus” tätig wird, werden wir nicht herausbekommen? Ich frage mich aber schon, warum denn “vor allem” in dem Satz steht? Nichtkriminelle werden also auch abgehört? Wer soll das sein? <ironie>Potentielle Kriminelle wie der russische, der britische und der amerikanische Botschafter?</ironie>