Aus Linux-Magazin 04/2016

Fosdem 2016 in Brüssel

Wenn es auf dem Campus der Université libre de Bruxelles nach Lötzinn, nach frischen Waffeln und belgischem Starkbier riecht, wenn Tausende Geeks die Hörsäle und Seminarräume am Wochenende stürmen und sich über Software, Hardware oder Community-Themen austauschen – dann ist wieder Fosdem.

Open-Source-Fans aus der ganzen Welt reisten am letzten Januarwochenende in die belgische Hauptstadt. Die 16. Ausgabe der Fosdem [1] wartete mit neuen Rekorden auf: zirka 8000 Teilnehmer, über 580 Speaker und fast 620 Events. Die Räume der Universität platzten aus allen Nähten. Eintritt nehmen oder die Besucherzahl regulieren wollen die Organisatoren aber nicht – die Fosdem ist dank zahlreicher Sponsoren frei und kostenlos und soll es auch bleiben.

Natürlich könne man weitere Räume von der Uni anmieten, sagte Gerry Demaret vom Orgateam im Gespräch mit dem Linux-Magazin. Es sei aber jetzt schon schwer, sich zwischen den fast 30 parallel laufenden Veranstaltungen zu entscheiden. Damit sich der Ansturm besser verteilt, denken die Verantwortlichen darüber nach, demnächst besonders beliebte Vorträge per Livestream in weitere Räume zu schicken.

Erste Planungen, wie dies technisch zu meistern wäre, sind angelaufen. Für die Fosdem 2016 verlegten die Mitarbeiter 3 Kilometer Glasfaserkabel auf dem Campus – eine Investition für die Zukunft.

Vorträge zu Distributionen, Enterprise-Lösungen und Hardwarethemen wechselten sich in den großen Hörsälen ab. Daneben tauschten sich Entwickler in mehr als 40 kleineren Devrooms aus. Die Wege auf dem Campus sind lang, und manch einer blieb auf dem Weg von A nach B an einem Stand der riesigen Ausstellung hängen. Über 50 Projekte präsentierten sich in drei Gebäuden.

Fast alle großen Distributionen und Desktops, Office- und Cloudlösungen, Backup- und VoIP-Anwendungen waren vertreten, und die Besucher nutzten die Gelegenheit, mit Entwicklern zu sprechen. Ein ganzes Gebäude widmete sich Open Embedded, Open Hardware Laptops, Brain-Duino und anderen Projekten.

Nicht genug?

Das Linux Professional Institute, die BSD Certification Group und The Document Foundation luden an beiden Konferenztagen zu Prüfungen ein. Besucher konnten die Fosdem dazu nutzen, die LPI- und die Libre-Office-Zertifizierung zu erwerben oder das BSDA-Examen abzulegen.

Wem die zwei Tage an der ULB nicht ausreichten, der fand auf der Fosdem-Webseite unter »Fringe« viele weitere Events aufgelistet, die direkt vor oder nach der Konferenz stattfanden. Von weiteren Vorträgen, vom Abendessen mit dem Lieblingsprojekt über Hacking Sessions bis hin zu mehrtägigen Meetings war alles dabei. Die meisten Fringe-Veranstaltungen fanden in Belgien und den direkten Nachbarländern statt.

Die überwältigende Vielfalt der Vorträge und die überfüllten Gänge waren durchaus eine Herausforderung. Großes Lob gebührt daher dem Organisationsteam und allen freiwilligen Helfern, welche die Fosdem jedes Jahr zu etwas ganz Besonderem machen. Kompliment auch ans Videoteam, das unermüdlich alle Talks aufzeichnete, nachbearbeitete und online stellte. Wer nicht bei der Fosdem war oder einen spannenden Vortrag verpasst hat, findet die Videos unter [2].

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