Aus Linux-Magazin 11/2015

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Ddrescue und Ddrescue-gui

Abbildung 1: Ddrescue-gui, das trotz seines Minimalismus sehr hilfreiche Frontend für Ddrescue, setzt die wichtigen Parameter grafisch um.

Selbst der Sysadmin-Vorsprecher Charly Kühnast hat manchmal kein Backup zur Hand oder nur ein verhunztes, weil der abgezogene Datenträger schon länger korrupte Daten geliefert hat. Ist jetzt guter Rat teuer? Nein, hier gibt’s ihn kostenlos.

Krrr, krrr …! Wenn eine Festplatte ihr Leben aushaucht, ist die Sache wenigstens geklärt: Man wirft das Ding in den Elektroschrott, besorgt Ersatz und bügelt das Backup drüber. Richtig ätzend sind dagegen untote Datenträger mit schleichendem Siechtum, auf denen alle ahnungslos weiterarbeiten.

Kürzlich durfte ich feststellen, dass eine SDHC-Karte in meiner Kamera durchschnittlich eins von 20 Bildern als bunten Pixelsalat speicherte. Eigentlich weiß ich, dass Speicherkarten früher oder später den Geist aufgeben. Mir war aber nicht klar, dass meine Kamera parallel auf zwei Karten speichern kann – ein Feature, das ich dämlicherweise nicht genutzt habe. Inzwischen bin ich schlauer.

Was aber, wenn auf einem dementen Medium unsagbar wichtige Daten lagern, die in den digitalen Wind zu schießen keine Option ist? Dafür gibt es Ddrescue [1]. Das Tool ist schon alt, seine Entwickler pflegen es aber unverdrossen und passen es an neue Arten von Datenträgern an. (Man sollte es nicht mit dem noch älteren Dd_rescue verwechseln.) Ddrescue heißt bürgerlich GNU Ddrescue, die Pakete auf Debian und Derivaten also »gddrescue« .

Es ist Bestandteil vieler populärer Distributionen. Die ersten beiden Buchstaben deuten zart eine Verwandtschaft zu »dd« an, und tatsächlich erzeugt Ddrescue das Abbild (Image) eines Datenträgers oder einer Partition. Im Unterschied zu »dd« lässt es sich nicht von Lesefehlern aufhalten, sondern rettet stur, was zu retten ist.

Zweiganggetriebe

In den meisten Fällen wendet der Admin Ddrescue in zwei Durchgängen an. Im ersten erzeugt es ein Image mit allen fehlerfrei lesbaren Daten. Im folgenden Beispiel sei »/dev/sdd1« eine Partition mit Lesefehlern auf einem USB-Stick:

sudo ddrescue -n /dev/sdd1 /home/charly/stick.img logfile.log

Im zweiten, zeitaufwändigeren Durchgang beschäftigt sich das Tool mit den defekten Blöcken und versucht von diesen noch möglichst viele Daten zu retten. Das Kommando lautet genauso wie vorher, nur lasse ich den Parameter »-n« weg. Im Gefolge von Ddrescue segelt noch eine Armada weiterer Parameter, um das Verhalten des Tools zu steuern.

Ein GUI gibt es inzwischen auch [2], mit ihm lassen sich schnelle sinnvolle Voreinstellungen zusammenklicken. Auf meinem Test-Ubuntu war es schnell mit diesem Dreisprung installiert:

sudo add-apt-repository ppa:hamishmb/myppa
sudo apt-get update
sudo apt-get install -fym ddrescue-gui

Wie Abbildung 1 zeigt, ist die Oberfläche nüchtern und funktional. Das GUI setzt die wichtigen Parameter, aber bei Weitem nicht alle. Obwohl hoffentlich niemand Ddrescue permanent braucht, ist das GUI dennoch eine prima Hilfe.

Abbildung 1: Ddrescue-gui, das trotz seines Minimalismus sehr hilfreiche Frontend für Ddrescue, setzt die wichtigen Parameter grafisch um.

Abbildung 1: Ddrescue-gui, das trotz seines Minimalismus sehr hilfreiche Frontend für Ddrescue, setzt die wichtigen Parameter grafisch um.

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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