Aus Linux-Magazin 05/2015

Ein Buch über eine Notizverwaltung sowie eine verständliche Linux-Einführung

Der Versuch, ein Buch über eine Windows-Software auch unter Linux zu nutzen, und eine leicht verständliche Einführung in die Linux-Welt.

Eigentlich wäre das gar kein Buch für das Linux-Magazin, obwohl auf Seite 9 zu lesen ist: “Eine weitere Besonderheit: Evernote ist für alle relevanten Betriebssysteme verfügbar.” Doch das stimmt eben nicht, es gibt keinen Linux-Client. Dennoch kann sich der Linux-Anwender helfen und die Cloud-basierte Notizverwaltung nutzen: entweder mit einem Nachbau wie Nixnote [1] oder mit dem Evernote-Webclient. Ob das vorliegende Buch auch bei der Arbeit mit diesen Alternativen hilfreich ist, interessierte den Rezensenten. Getestet hat er mit Nixnote 2 Beta 2 und dem Webclient.

Post-it, digital

Die gute Nachricht vorweg: Nixnote 2 beherrschst fast alle wichtigen Funktionen des Evernote-Windows-Clients. Es gibt nur zwei große Einschränkungen: Die erste betrifft das Fehlen der handschriftlichen Notizen. Allerdings kennen auch alle anderen Nicht-Windows-Clients diese Spielart von Notizen nicht. Die zweite wesentliche Einschränkung: Die zurzeit wohl um die 1500 Tools und Plugins für Evernote, die das Programm um nützliche Funktionen bereichern, gibt es nicht für den Nachbau.

Alle grundsätzlichen Erläuterungen zum Anlegen von Notizen und Notizbüchern, zu den Metadaten, zur Formatierung, zu den Tags, zum Zusammenführen von Notizen, zu Datei-Anhängen oder zur Synchronisation, auch die zu Erinnerungen und Alarmen lassen sich übertragen: Sie funktionieren unter Linux genauso oder ganz ähnlich.

Aber Nixnote weicht doch in so vielen Kleinigkeiten von Evernote ab, dass viele Beschreibungen des Buches trotz allem nicht exakt nachvollziehbar sind. Da fehlen Symbole in Toolbars oder Schaltflächen, einzelne Optionen sind im Nachbau nicht vorhanden, die das Original kennt, und spezielle Notiztypen fehlen. So kann der Leser der Beschreibung oft gerade bei Feinheiten nicht folgen.

Ein sehr nützlicher und vollständig übertragbarer Abschnitt des Buches dagegen erläutert die Syntax von Suchanfragen nach Schlüsselwörtern, Tags, Mime-Typen oder Datum. Hiervon profitiert auch der Linux-Anwender.

Fazit: “Evernote kompakt” ist eine für Evernote-Anwender sicher lohnenswerte Einführung, die alle Features erläutert und den einen oder andren guten Kniff zu bieten hat. Benutzer des Linux-Clones Nixnote oder des Webclients profitieren jedoch weit weniger von der Lektüre.

Erste Schritte

Wer sich zum ersten Mal mit Linux auseinandersetzen will – beispielsweise gerade im Zuge des Raspberry-Hypes –, der ist mit einem LPIC-Kurs wahrscheinlich nicht so gut bedient. Dem Anfänger sind zunächst einmal die Kommandozeile und das Prinzip der Konfiguration über Textdateien fremd, er wird mit den Editoren nicht klarkommen, bei der Installation Mühe haben, und ihm werden Dinge wie eine Ausgabeumleitung böhmische Dörfer sein. Was ihm hilft, ist ein Einsteigerbuch, das geduldig und von Grund auf erklärt, was zum Rüstzeug eines Linux-Anwenders gehört.

Das Buch beginnt mit der Installation, die der Leser mit einer beiliegenden DVD nachvollziehen kann. Nach einem Überblick über die grafischen Desktops, der sich im Wesentlichen auf Gnome und KDE beschränkt, folgen Kapitel, die grundlegende Linux-Konzepte behandeln: den Bootvorgang, Programme und Prozesse, den Kernel. Weiter geht es mit einfachen Aufgaben der Systemadministration wie der Benutzerverwaltung. Es schließt sich ein längeres Kapitel an, das der Arbeit mit der Shell gewidmet ist. Es umfasst die elementaren Kommandozeilen-Utilities ebenso wie einfache Shellskripte.

Als Nächstes wird dem angehenden Linux-User etwas Netzwerk-Know-how vermittelt. Auch der Datei-Austausch via Samba oder FTP ist inbegriffen. Das schafft die Verbindung zum Thema Storage unter Linux, dem ebenfalls ein Kapitel gewidmet ist. Entsprechend der avisierten Zielgruppe kommen schließlich auch Spiele und der Raspberry Pi im Buch nicht zu kurz.

Info1

Holger Reibold:

Evernote kompakt

Brain-Media.de, 2015

376 Seiten

23 Euro

ISBN: 978-3-95444-098-6

Info2

Steffen Wendzel, Johannes Plötner:

Einstieg in Linux

Galileo Computing, 2014

422 Seiten

25 Euro

ISBN: 978-3-8362-2975-3

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