Aus Linux-Magazin 05/2015

Bericht von der Scale13x

© Markus Feilner, CC-BY-SA 4.0

In sonnig-warmen Los Angeles traf sich Ende Februar die amerikanische Linux- und Open-Source-Community bereits zum 13. Mal zur South Californian Linux Expo. Neben vielen prominent besetzten technischen Vorträgen gab es auch Unterhaltsames.

Los Angeles, Airport Hilton: Direkt am sechsspurigen Highway hin zum Flughafen gelegen beherbergte das Hotel einige Hundert Besucher, die sich zum Open Suse Mini Summit, zur Ubucon sowie bei täglich wechselnden Tracks mit Vorträgen trafen. Die Tagesordnung zog sich bis zu den Abendveranstaltungen und damit bis spät in die Nacht.

Suse und Fedora

Los ging es in diesem Jahr bereits am Donnerstag. Die “Thirteenth Annual Southern California Linux Expo” präsentierte sich erstmals als viertägige Veranstaltung [1]. Der erste Tag gehörte ganz Suse, Fedora, Apache, Chef und Puppet. Während Entwickler selbst Puppet und Chef in Keynotes (Puppet, Eric Sorenson) und einem ganztägigen Workshop (Chef, “Testing your Automation Code”) vorstellten, veranstaltete die Fedora-Community einen Activity Day, an dem sie sich ganz dem Management von Konferenzkontakten im Beefy-Connection-Projekt [2] widmete.

Parallel dazu hatte Suse – respektive Open Suse – zum “Mini Summit” eingeladen. Peter Linnel, Manu Gupta und andere Suse-Mitarbeiter oder Open-Suse-Entwickler präsentierten die neuesten Entwicklungen in der Suse Cloud, dem Open Build Service, aber auch in Open QA [3]. Das Tool hatte die Open-Suse-Community um Bernhard Wiedemann einst entwickelt, um die Qualität der freien Distribution sicherzustellen. Mittlerweile ist das Werkzeug bei Suse angekommen und wird bald auch die Quellen des Suse Enterprise Server im Open Build Service testen.

Praller Freitag

Vollbepackt war die Agenda der Konferenz am Freitag: Acht Tracks mit bis zu zehn Vorträgen machten die Auswahl schwer, auch wenn eine Scale13x-App beim Planen hilfreich war. Devops, Ubucon, MySQL, PostgreSQL, Embedded, ein Drupal-Camp und die Ada-Initiative standen zur Wahl. Und dazu gab es noch einen ganzen Nachmittag, den die Red-Hat-Mitarbeiter bestritten und der sich komplett ums Mentoring drehte (Abbildung 1).

Abbildung 1: Von links nach rechts: Rikki Endsley und Jason Hibbets (alle Red Hat) bei ihren Mentoring-Talks.

Abbildung 1: Von links nach rechts: Rikki Endsley und Jason Hibbets (alle Red Hat) bei ihren Mentoring-Talks.

Gina Likins erläuterte dabei, wie man mit unfähigen Community-Leadern umgeht, und Rikki Endsley beichtete, wie sie trotz ihrer anfänglicher Weigerung zum erfolgreichen Open-Source-Twitterer wurde und warum die daraus gewonnenen Erkenntnisse für alte und neue Open-Source-Projekte gleichermaßen bedeutsam seien. Das an einem Paradebeispiel nachzuvollziehen war Gegenstand von Jason Hibbets anschließendem Talk. Der Community Manager hinter dem von Red Hat gesponserten Open-Source-Portal Opensource.com http://4 brachte die Webseite innerhalb kürzester Zeit auf Platz 1 bei Googles Suchergebnissen und bescherte ihr so über 500000 Pageviews im Monat.

Bad Voltage

Auch für die Abendunterhaltung war ausreichend gesorgt: Unter dem Namen Scaleup durften Community-Mitglieder Kurzvorträge präsentieren, die thematisch nicht zwingend mit Linux zu tun hatten – auch die besondere Beziehung zwischen Open Source und Single Malt Whisky war dabei ein Thema. Der Höhepunkt des Freitagabend war die fast zweistündige Live-Show von Bad Voltage (Abbildung 2), bei der vier Linux-Prominente über Developer Mode Linux, “Wrong in 60 seconds”, die Bad Voltage Challenge und den Unsinn des Ubuntu Phone lästerten. (Abbildung 3)

Abbildung 2: Das Bad-Voltage-Team mit nicht immer ernsthaften Themen live on Air: Bryan Lunduke, Stuart Langridge und Jono Bacon (von links nach rechts).

Abbildung 2: Das Bad-Voltage-Team mit nicht immer ernsthaften Themen live on Air: Bryan Lunduke, Stuart Langridge und Jono Bacon (von links nach rechts).

Lemminge, Lügen und Liberty

Dass die Geschichte von den suizidalen Lemmingen nicht stimmt, erklärte Monty Taylor in seiner Keynote vom Samstagmorgen. Der Open-Stack-Erfinder spannte den “Anders Denken!”-Bogen hin zum Wert freier Software und der Bedeutung von Open Stack. Seine Slides liegen im Web [5]. Darin findet sich auch der von Disney in Szene gesetzte kollektive Selbstmord von Lemmingen. Ein als unwahr entlarvter Vorgang. Das könne in der Welt der freien Software nicht passieren, merkte er ironisch an und zitierte Mythen zu OSS, die auch nicht stimmten. Randnotiz: Die nächste Open-Stack-Ausgabe heißt “Liberty”.

Insgesamt 13 Tracks am Samstag und auch am Sonntag widmeten sich den spannenden Themen, die die Community derzeit umtreiben: Docker, Open Stack, Systemd und zahlreiche andere Projekte durften sich präsentieren. Besonderes Augenmerk verdiente dabei der “Youth”-Track, in dem Teenager teils erstaunliche Vorträge zum Besten gaben. Passend dazu lud der Veranstalter am Abend zur Games Night ein, bei der sich die Teilnehmer mit Retro-Spielen oder auch dem “Walk on hot Lego” (Barfuß auf Legosteinen) vergnügen konnten.

Education, Container, Sysadmin, die Cloud und Big Data lauteten die Titel der Tracks am abschließenden Sonntag. Auch ein zweiter Fedora Activity Day fand statt. Dieses Mal zum Thema Cloud und Project Atomic. Parallel zum Samstags- und Sonntagsprogramm bot das amerikanische Linux Professional Institute schriftliche Examen an (LPIC1 und BSDA), und ein ganzer Track widmete sich alleine dem Salt Stack. Die Liste ließe sich noch verlängern: Ceph-Erfinder Sage Weil stellte seine Storage-Lösung vor. Nicht ganz ernst gemeinte Vorträge wie “Windows is awesome” oder “Polymer mit Pandas” komplettierten das Programm. Wer sich im Nachhinein daran ergötzen will, kann sich im Youtube-Kanal [7] die Videos anschauen – nach und nach wollen die Veranstalter alle Aufnahmen veröffentlichen. Die meisten Präsentationen sind bereits auf der Scale-Webseite.

Owncloud am MIT

Besondere Beachtung hatte sich am Sonntag der Vortrag von Owncloud-Erfinder Frank Karlitschek erworben. Der war aus Massachussets angereist, wo er am MIT dem W3C-Team inklusive der Web-Ikone Tim Berners-Lee die Idee der Owncloud Federations näher gebracht hatte (Abbildung 3).

Abbildung 3: Owncloud-Erfinder Karlitschek bei seinem Vortrag am MIT zusammen mit Tim Berners-Lee (zweiter von rechts).

Abbildung 3: Owncloud-Erfinder Karlitschek bei seinem Vortrag am MIT zusammen mit Tim Berners-Lee (zweiter von rechts).

Indem die private Cloudlösung sich mit anderen Owncloud-Servern verbindet, biete sie einen virtuellen und doch privaten Peer-to-Peer-Speicherplatz im Web, umschrieb Karlitschek die Cloudlösung.

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