Aus Linux-Magazin 02/2001

IBM Websphere und BEA Weblogic kurz vorgestellt

IBM setzt mit Websphere auf bewährte Technik und VisualAge for Java. Die Firma BEA hält ihren Weblogic mit modernen Standards dagegen.

IBM kennt jeder, mit BEA Systems jedoch wissen gelegentlich selbst IT-Insider nichts anzufangen. Zusammen haben diese beiden Unternehmen im Bereich der Web Application Server eine marktbeherrschende Stellung. BEA wurde erst 1995 gegründet, hat aber seitdem ein rasantes Wachstum zu verzeichnen. Der Erfolg des Unternehmens beruhte anfangs vor allem auf der Transaktions-Plattform Tuxedo, Weblogic ist verhältnismäßig neu im Programm.

Websphere: Mischung mit Apache

IBMs WebSphere Application Server ist momentan in der Version 3.5 verfügbar, für Linux allerdings gibt es bis jetzt nur die alte Version 3.02 (die Version für IBMs Grossrechner-Betriebsystem OS/390 ist allerdings auch nicht weiter). Websphere gibt es in den drei Versionen Standard, Advanced und Enterprise. Während die Standard-Version aus Webserver, Servlet-Engine und JSP-Umgebung besteht, bietet die Advanced-Edition zusätzlich eine EJB-Laufzeitumgebung. Eine umfassende CORBA-Lösung ist hingegen der Enterprise-Edition vorbehalten. Diese ist aber hauptsächlich in C/C++ implementiert, sodass sowohl die Integration mit Java, als auch die Portierung auf verschiedene Hardware-Plattformen schwierig ist.

Der Webserver von Websphere besteht im Wesentlichen aus dem Apache (die Apache-Lizenz erlaubt dies), während die Servlet- und JSP-Engine proprietär sind. Hier fangen auch schon die Probleme mit Websphere an. Die Standards werden in völlig veralteten Versionen unterstützt: beim Servlet-API ist dies erst die Version 2.1, bei den JSPs sind es die Versionen 0.91 und 1.0.

Bei der EJB-Spezifikation ist es noch schlimmer. Während manche Server schon Teile des “Public Final Draft” der Version 2.0 der EJB-Spezifikation implementieren, müssen Websphere-Anwender noch mit der Version 1.0 vorlieb nehmen. Die Liste lässt sich für Linux sogar erweitern, da erst mit der Version 3.5 die Unterstützung für Java 2 in das Produkt Einzug gehalten hat.

Ressourcenfresser

Der Ressourcen-Verbrauch von Websphere ist dagegen enorm. Als Mindestausstattung werden 256 MByte empfohlen, bei einer Standalone-Lösung für Entwickler einschliesslich VisualAge und Datenbank (DB2) fängt die Sache ab 512 MByte an, erträglich zu werden. Berichten von Anwendern zufolge ist auch die Stabilität der 3.5-Version im Vergleich zur 3.02 deutlich schlechter.

Bei all diesen zu Recht stark zu kritisierenden Punkten fragt man sich, warum Websphere überhaupt eingesetzt wird. Ein Aspekt dem man nicht vernachlässigen darf ist die Tatsache, dass Websphere ein Produkt für das Big Business ist, und dort sitzen in aller Regel Personen in Entscheidungsgremien, die mit IBM als verlässlichem Partner groß geworden sind. Das Risiko, dass IBMs Applikationsserver durch Aufkauf verschwindet, ist hier relativ gering (so etwas wie bei GemStone, dass durch Brokat aufgekauft wurde, passiert also nicht). Aber unabhängig von diesen Überlegungen, die das hervorragendes Marketing von IBM beweisen, gibt es durchaus auch technische Gründe, Websphere einzusetzen.

Webspheres Stärken sind die Integration mit der Entwicklungsumgebung “VisualAge for Java”. Hier gibt es diverse Code-Generatoren sowie eine gute Umgebung für das Debuggen. Wenn auch die neuesten EJB-Spezifikationen nicht unterstützt werden, so hat doch IBM eigene proprietäte Zusatzmechanismen implementiert, die zusammen dem Entwickler ein leistungsstarkes Persistenz-Framework zur Verfügung stellen. Dazu gehören dann auch die entsprechenden Datenbanktabellen. Ebenso ist der umgekehrte Weg für bestehende Tabellen möglich.

Der letzte Punkt führt zu einem weiteren guten Argument für Websphere, nämlich die Integration von Legacy-Anwendungen über Grossrechnersystem wie CICS oder IMS. Andere kommerzielle Server, wie BEAs Weblogic Server, bieten aber über Zusatzkomponenten ähnliche Features.

Die Version 4 von Websphere ist schon angekündigt. Hier sollen endlich die aktuellen Standards implementiert werden. Ausserdem sollen auch noch die verbleibenden APIs aus der J2EE-Spezifikation, insbesondere JavaMail implementiert werden. Bleibt zu hoffen, dass zu diesem Zeitpunkt auch eine aktuelle Linux-Version zur Verfügung steht.

BEA Weblogic Application Server

BEAs Weblogic Server steht in einer “Public Beta 2” genannten Version 6 über die Webseiten von BEA zum Download bereit. Leider muss auch hier der Linux-Benutzer mit der älteren Version 5.1.4 Vorlieb nehmen. Diese Version kann ebenfalls zu Evaluationszwecken nach einer Registrierung heruntergeladen werden. Es ist verständlich, dass in einer Beta-Phase nicht zu viele Plattformen Unterstützung finden, deshalb fehlen hier auch einige andere Unix-Dialekte im Vergleich zu der langen Liste von Plattformen, die die aktuelle Version unterstützt.

Der Weblogic Application Server erfreut sich hoher Verbreitung, und auch die hohe Versionsnummer zeigt, dass schon viele Erfahrungen aus der Praxis in das Produkt eingeflossen sind. Sowohl die Implementation der vollständigen J2EE-Spezifikation ist verfügbar, als auch das Management der Cluster-fähigen Anwendung über moderne Web-basierende Tools ist möglich. Die Cluster-Architektur (sowohl auf der Web-, als auch auf der Objekt-Server Seite) garantiert eine hohe Skalierbarkeit und Verfügbarkeit. Selbst die EJB 2.0-Spezifikation wird schon unterstützt.

Der Weblogic Server stellt einen Webcontainer (für HTML/XML-Seiten, Servlets und JSP), einen EJB-Container (als Laufzeit für die Enterprise JavaBeans) sowie die im Business-Umfeld notwendigen Services zur Verfügung. Neben dem eigenen Webserver können auch vorhandene Server wie Apache, IIS oder Netscape eingebunden werden. Auch die Integration in Entwicklungsumgebungen wie WebGain Studio, früher als Visual Cafe von Symantec bekannt, VisualAge oder JBuilder ist gelöst.

Die Sicherheit nach “draußen” wird über SSL-Verbindungen ermöglicht, und nach “innen” verhindern Firewalls das Management des Servers nicht, da entsprechende HTTP/HTTPS-Tunnel verfügbar sind. Desweiteren sind als Zusatzprodukte Module erhältlich, etwa für den Mainframe-Zugriff, die Personalisierung von Webseiten oder den Zugriff auf Standard-Applikationen. (uwo)

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