
Abbildung 1: Die Aibos waren mit ihrer sehenswerten Ballbeherrschung bei den Zuschauern besonders beliebt. Da Sony die Produktion der Roboter eingestellt hat, droht dieser Liga jedoch das Ende.
Ob Ecke, Einwurf oder Torabstoß, die Regeln des Robocup nähern sich immer weiter denen der FIFA an. Bei der Weltmeisterschaft in Bremen zeigten Teams aus aller Welt, dass Roboter guten Fußball spielen.
Parallel zur viel beachteten FIFA-WM 2006 fand vom 14. bis zum 18. Juni auch die Weltmeisterschaft im Roboter-Fußball in Deutschland statt. Erstmals übertrug sogar das Fernsehen live aus den Messehallen Bremen, in denen rund 2500 Teilnehmer vor 12000 Zuschauern in 33 Disziplinen um die Robocup-Pokale kämpften.
Die ungekrönten Publikumslieblinge waren die Roboter-Hunde von Sony, Aibos genannt. Die deutsche Nationalmannschaft, das German Team, war als Vorjahres-Weltmeister zwar Favorit für den Titel, verlor jedoch im Halbfinale gegen das australische Team Runswift mit 0:6.
Die Microsoft Hellhounds (in Rot, Abbildung 1) von der Uni Dortmund traten als eigenständiges Team an, mussten sich aber den australischen Nubots mit 0:7 geschlagen geben. Im Spiel um den dritten Platz gewannen die Hellhounds dann gegen das German Team mit 6:0, das Finale entschieden die Nubots mit 7:3 für sich.

Abbildung 1: Die Aibos waren mit ihrer sehenswerten Ballbeherrschung bei den Zuschauern besonders beliebt. Da Sony die Produktion der Roboter eingestellt hat, droht dieser Liga jedoch das Ende.
Aibos am Ende
Auch wenn die Aibos das Aushängeschild des Roboter-Fußballs sind, werden sie 2007 zum letzten Mal spielen: Sony stellte im März überraschend die Produktion ein, die Teams der Four-Legged-Liga müssen sich also nach einer neuen Hardware-Plattform umsehen. Das Team Leader Meeting im Rahmen des Robocup brachte jedoch kein greifbares Ergebnis.
Ein insektenähnlicher Roboter fiel schon wegen der zu großen Ähnlichkeit mit einer riesigen Kakerlake durch. Auch der Roboter-Hund Genibo von der koreanischen Firma Dasatech [1] konnte sich nicht durchsetzen – Verarbeitungsqualität und Präzision sind unzureichend, wie Benjamin Altmeyer vom German Team erklärte.
Die Mannschaften verständigten sich, die Aibos bei der WM 2007 noch einmal antreten zu lassen, für 2008 müssen aber neue Roboter her – oder der Four-Legged-Liga droht das Ende. Erste Konsequenzen werden schon jetzt spürbar, so zog das Team der Darmstadt Dribbling Dackels bereits Studenten aus der Aibo-Mannschaft ab und setzt sie bei den humanoiden Robotern ein.
Zwei statt vier Beine
Die Humanoiden der Darmstadt Dribblers (Abbildung 2, von rechts nach links spielend) traten in der Kid-Size-Liga für Roboter bis 60 Zentimeter Größe an. Sie erreichten im Spiel zwei gegen zwei den dritten Platz, hinter dem alten und neuen Weltmeister Osaka aus Japan und den Nimbros aus Freiburg.
Die Humanoiden weckten neben den Aibos das größte Interesse der Zuschauer (Abbildung 2), grundlegende Probleme mit dem aufrechten Gang und der Ballführung waren aber nicht zu übersehen. Es verging kein Spiel, in dem die Roboter nicht umfielen. Dabei offenbarten einige massive Konstruktionsprobleme, nicht selten brachen sie sich beim Sturz Arme, Beine oder Getriebe.

Abbildung 2: Trotz der technischen Probleme der humanoiden Roboter mit brechenden Gelenken und heißlaufenden Motoren waren die Zuschauerränge bei den Spielen der Zweibeiner stets voll besetzt.
Linux ist bei den Humanoiden übrigens noch kein Thema. So verwendeten zum Beispiel die Darmstadt Dribblers Acer-PDAs mit Windows CE. Da die PDAs jedoch vergleichsweise schwer und anfällig sind, wollen die Dribblers demnächst auf eine PC-104-Plattform mit Linux umsteigen.
Die Roboter der Middle Size League, der Königsklasse mit den würfel- oder kegelförmigen Spielern und Linux-basierten Firmwares, zeigten im Vergleich zu den Humanoiden exzellente Fußballspiele mit Eckbällen, Einwürfen und Freistößen. Sehenswert waren die Spiele der Brainstormer Tribots aus Osnabrück (Abbildung 3), die im Finale die Cops aus Stuttgart mit 4:2 schlugen und verdient Weltmeister wurden. Auf Platz drei landete das Team Eigen Keio aus Japan.

Abbildung 3: Die Brainstormer Tribots der Uni Osnabrück zeigten exzellente Spiele, hier eins gegen das Team Hibikino und Musashi aus Japan, das die Brainstormers mit 7:4 gewannen.
Für die Teams der Middle Size League stellt sich aus technischen Gründen jedoch die Existenzfrage. Der Omni-Drive-Antrieb und die Omni-Vision-Kameras sind allen anderen Lösungen weit überlegen und somit obligatorisch für alle Teams.
Der Omni Drive arbeitet mit drei kreisförmig angeordneten Antriebsrädern, mit denen sich der Roboter sehr schnell um die eigene Achse drehen kann. Für die Fortbewegung treibt er zwei Räder an und schleift das dritte einfach nach, was einen glatten Untergrund erfordert. Das Omni-Vision-System [2] besteht aus einer nach oben gerichteten Kamera, die in einen kegel- oder halbkugelförmigen Spiegel blickt und das Spielfeld in alle Richtungen überschauen kann. So ausgerüstete Roboter können nicht nur aus jeder Position den Ball erkennen, sondern dank Omni Drive auch sehr schnell ihre Richtung ändern.
Rasen statt Teppich
Alexander Ferrein von den Allemaniacs Aachen erklärte, dass die Teams über eine Verdoppelung der heute 12 mal 8 Meter großen Spielfelder und die Verlagerung der Spiele auf echten Rasen unter freiem Himmel diskutieren. Das größere Spielfeld soll das Passspiel forcieren, zudem sind sechs statt vier Roboter pro Team im Gespräch.
Der Wechsel auf echten Rasen im Freien würde durch die unberechenbaren Lichtverhältnisse deutlich höhere Anforderungen an die Kameras und die Bildverarbeitung stellen, die Roboter müssten zumindest gegen Spritzwasser geschützt werden, damit sie nicht beim ersten Regenschauer ausfallen. Der Omni Drive wäre auf Rasen gar nicht mehr einsetzbar, er hinterließe tiefe Furchen.
Die Zukunft der Allemaniacs Aachen sieht Ferrein eher in der At-Home-Liga des Robocup, also dem Einsatz im häuslichen Bereich. Das Spielfeld ist dort ein Wohnzimmer, in dem sich Menschen aufhalten. Mit dem Laser-Scanner [2] brauchen die Roboter der Allemaniacs keine speziell gefärbten Hindernisse und können sogar im Dunkeln navigieren.
Das Spiel der etwa tellergroßen Small-Size-Roboter, die von Rechnern am Spielfeldrand ferngesteuert werden, ist inzwischen kaum mehr mit den Augen zu verfolgen, die Tore fallen mitunter im Sekundentakt. Selbst Schüsse aus 4 Metern Entfernung und hohe Bälle landen zielsicher im gegnerischen Tor, sofern sich die Abwehr den kleinsten Fehler erlaubt.
Für die deutschen Small-Size-Teams war bereits im Viertelfinale Schluss – die Berliner FU-Fighters verloren mit 2:3 gegen die Field Rangers aus Singapur. Diese wieder unterlagen später im Spiel um Platz drei Plasma-Z aus Thailand, Weltmeister wurden die CM-Dragons aus den USA vor 5DPO aus Portugal.
In der Simulationsliga, bei der Software-Agenten auf einem virtuellen Feld spielen, schafften es die Brainstormers als bestes deutsches Team ins Finale, unterlagen jedoch den Wright Eagles aus China.
Retter und Tänzer
Neben den Fußballspielen kämpften sich in der Rescue League über 30 Teams mit Kettenfahrzeugen über den Rescue-Parcours (Abbildung 4). In den Junior-Ligen suchten fast 100 Teams mit Lego-Robotern nach Opfern oder tanzten auf der Bühne um die Wette. Besonders viele Teams kamen dabei aus dem Iran und aus Japan. Die Liste mit den Ergebnissen ist unter [3] einzusehen.

Abbildung 4: Neben den Fußballspielen kämpften Teams aus aller Welt auf dem Rescue-Parcours. Der Roborazi aus dem Iran wird ferngesteuert und kann mit seinen Sensoren Verschüttete nach einer Katastrophe aufspüren.
Auf ihren Lorbeeren können sich die Teams jedoch nicht ausruhen, da wie immer der Code der Roboter am Ende des Robocup veröffentlicht wird. In Atlanta stellen sich die Teams beim Robocup 2007 erneut der Konkurrenz aus aller Welt.
Infos |
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[1] Roboter-Hund Genibo: [http://www.dasatech.com] [2] Christian Fritz, “Kein Spielzeug”: Linux-Magazin 07/04, S. 46 [3] Robocup 2006: [http://www.robocup2006.org] |




