Im subtropischen Orlando hat Suse “nahezu perfekte” Zahlen vorgestellt. Attachmate und Microfocus schließen derweil die Übernahme des Mutterkonzerns ab, dazu stellt Suse neue Produkte wie Kgraft in SLES oder den Storage Server vor. Drum herum: Rockmusik, grüne Gitarren und Lego-Stop-Motion-Videos.
Auch wenn Konkurrenten hinter vorgehaltener Hand gerne Gegenteiliges behaupten: Bei Suse ist man stolz und zufrieden mit dem laufenden Geschäft. Zwar konnte CEO Nils Brauckmann in seinem Ausblick auf die aktuellen Zahlen wegen der anstehenden Übernahme Attachmates durch Microfocus noch nicht so in die Details gehen wie gewohnt, doch zeigt sich der Suse-Chef derzeit im persönlichen Gespräch wie viele seiner Mitarbeiter auch äußerst zufrieden. (Eine Linksammlung zu den News und weiterführenden Artikeln rund um Suse und die Susecon gibt es unter [1].)
Die allgemeine Zufriedenheit durchdrang auch den Partner-Summit namens Susecon im November. Die Veranstaltung werde immer größer, und mehr und mehr Analysten wie Garnter und Forrester interessierten sich bereits für das Event. Suses Strategie mit “True Open Source” zahle sich aus, erklärt Brauckmann. Alle Key-Indikatoren seien überaus positiv, die Firma wachse, die Neubuchungen machten bereits 65 Prozent aller Buchungen aus. Der CEO sieht eine hervorragende Zukunft.
Im Microfocus
Auch der jüngste Merger Attachmate-Microfocus, der just in der Susecon-Woche Ende November über die Bühne ging, weise in diese Richtung, so Brauckmann. Attachmate wird Teil der Microfocus-Gruppe, die an der Londoner Börse gelistet ist. Microfocus’ Kerngeschäft sei es, großen Unternehmen dabei zu helfen, Legacy- und alte Soft- und Hardware-Stacks loszuwerden – mit Produkten wie Visual Cobol oder “Solutions” für Mainframes, Borland und Corba.
Gerade die Migrationen seien schließlich Suses Stärke, meint Brauckmann: Microfocus und Suse passen also richtig gut zusammen, da ist er sich sicher. “Microfocus ist auf Märkten aktiv, die wir noch nicht bedienen – auch das passt perfekt.” Auch auf der menschlichen Ebene funktioniere die Kooperation bereits hervorragend.
Neben der erneuten Übernahme standen auf der Susecon auch neue Produkte im Fokus, zum Beispiel das SLES-Add-on fürs Live-Kernelpatchen mit Kgraft, der Suse Storage Server mit Ceph, ein größeres Ökosystem für die Suse Cloud einschließlich der Möglichkeit, SLES-Lizenzen in die Cloud zu transferieren, oder der Suse-Support für SAP-Startups. Nicht zuletzt die Entscheidung von SAP – nach der 2012 erfolgten Zertifizierung von Suse als einziges Enterprise-Linux für SAP Hana –, die grüne Linux-Distribution auch intern zu verwenden, hinterlässt in Orlando einige stolze Suse-Manager (Abbildung 1).
Angefeuert von Lego-Videos und Rockmusik mit harten Gitarrenriffs startete die Susecon 2014 in ihren ersten Tag. Die Keynote präsentierte wie immer Suses Marketing-Chef Michael Miller, dieses Jahr allerdings als lockere Talkshow. Da liefert dann CEO Brauckmann Zahlen, Kunden konnten Best-Practice-Ansätze vorstellen, Suse-Partner und der neue Eigentümer zeigten die großartigen Erfolge, Produkte und Visionen.
Suse scheint auf dem aufsteigenden Ast, glaubt man Brauckmann: Die Buchungen nahmen um 27 Prozent zu, überall auf der Welt, die Einnahmen seien um 17 Prozent gestiegen, die Neubuchungen sogar um 47 Prozent. Damit mache das Neukundengeschäft fast zwei Drittel des gesamten Suse-Business aus, so berichtete Nils Brauckmann im lockeren Talkshow-Stil. Auch der Microfocus-Chef Kevin Loosemore kam zu Wort: Zur Übernahme von Suses Muttergesellschaft Attachmate sagte er: “Unsere Aktien stiegen sofort um 20 Prozent – und Suse passt perfekt zu uns.”
Im weiteren Verlauf der Keynote vor etwa 600 Besuchern (Abbildung 2) ergriffen ein Forrester-Analyst (James Staten: “Ihre Daten werden 2015 in der Cloud sein und in Ihre Cloud wird eingebrochen werden, und Sie werden die Schuld dafür tragen”) sowie diverse Kunden und Partner von Suse das Wort. Dazu gehören HP, SAP und die Swiss Re.
Die zweitgrößte Rückversicherung der Welt, hat eben erst alle Systeme auf Linux migriert, weil sie auf nachhaltige Strategien setze, natürlich auf Suse mit SAP. Auch der größte Steuerzahler Hongkongs setzt Suse ein: Der Hong Kong Jockey Club, ein wichtiger Arbeitgeber der Millionenstadt, verdient sein Geld mit Pferderennen, Casinos und “Gambling-Angeboten” und verwendet seit 2014 nur mehr Suse Linux Enterprise.
Auch neue Produkte und zahlreiche Verbesserungen an den bestehenden hat das grüne Team zu melden. Der Suse Manager 2.1 etwa erhielt einen Setup Wizard, ein überarbeitetes GUI und viele Verbesserungen. Strategisch wird das Management-Tool in Zukunft noch näher an die Suse Cloud rücken, aber bereits heute habe man sowohl Usability als auch die Funktionalität und Compliance deutlich verbessert, berichtet Joachim Werner, Senior Product Manager for Systems Management, in seinem Workshop.
Suse Manager goes Cloud
Was dabei den meisten Anwendern auffallen dürfte, sind die Änderungen im GUI, das Zug um Zug neue Tabs spendiert bekommt. Admins freuen sich über die Automatisierungen und das Patchmanagement, IT-Leiter über neue Compliance-Funktionen, die beispielsweise Checks auf CVE-Basis oder auch Open SCAP integrieren. Das GUI von Suse Manager wird in Zukunft noch mehr Tabs erhalten.
Vieles davon habe man bereits in der aktuellen Version 2.1 eingebaut. Die nächste Major Release soll Anfang nächsten Jahres erscheinen (als Version 3) und vor allem in Sachen Subskriptions- und Konfigurationsmanagement weitere Verbesserungen erhalten, mehr Monitoring und Topology-Visualisierung bringen und die Hochverfügbarkeitsfunktionen verbessern. Version 4 soll dann den Manager mit der Suse Cloud zusammenführen, denn die beiden Produkte seien, so Werner, ja irgendwie nur “zwei Seiten einer Medaille”.
Analysten sehen großes Potenzial im Bereich des Software-basierten Storage, vor allem Open Source soll da ihrer Meinung nach stark profitieren. Bis zu 8 Milliarden US-Dollar locken – und Suse zieht nach: Nach Red Hat mit dem Storage Server bietet nun auch der grüne Distributor ein eigenes, ebenfalls Storage Server genanntes Produkt an.
Suse Storage Server
Diverse Workshops auf der Susecon 14 stellten das auf SLES (11 und 12) aufsetzende Storage-Werkzeug vor, das nach Meinung von Projektleiter Larry Morris genau zum rechten Zeitpunkt kommt. “Ceph ist ausgereift, das ist ja schon zehn Jahre alt”, erklärt er im Gespräch mit dem Linux-Magazin. Und dass Red Hat – wie bei manch anderem Projekt auch – die Hand im Spiel hat beziehungsweise auf den Markenrechten, sieht er nicht kritisch: “Da sind jetzt schon zu viele große Firmen auf dem Zug, einen Rückzieher kann man sich da nicht mehr leisten, und das will sicher auch niemand.” Damit könnte er richtig liegen: Red Hat könnte sicher nur mehr mit großem Gesichtsverlust in der Community verhindern, dass auch Konkurrenten den Speicherkraken verwenden.
Suses Ceph-Produkt kommt als Object Store ohne Hardware, als reine Software. Hardware-Partner sollen folgen, vorweisen können die Nürnberger aber noch keine. Preis und Leistung dagegen sind konkurrenzfähig: Die Installation ist simpel, die Datenspeicher hot-swappable, das Produkt kann einfach Clouddienste wie Open Stack Swift oder Amazons AWS per RESTful-API einbinden, verwalten und monitoren.
Das Web-GUI Calamari verwaltet die Object Stores, Monitoring ist eingebaut. Ein vorkonfiguriertes Ceph organisiert die Datenspeicher und kümmert sich um alles, wenn einer davon ausfällt. Das funktioniert vollautomatisch, wie die Suse-Mitarbeiter am Stand im Showcase-Room fast rund um die Uhr zeigten.
Vor allem preislich will Suse der Konkurrenz Dampf machen: Ab 5000 Dollar gibt es 36 TByte Speichervolumen, plus 1500 Dollar pro Server-Socket-Paar. Das bedeutet: Ab 6500 Dollar geht’s quasi los, ein größeres Setup mit 250 TByte und zehn Servern liegt bei etwa 50000 Dollar. Weil das dann weniger als 1,7 US-Cent pro GByte und Monat sind, sei man ungefähr 40 Prozent billiger als Konkurrenten, die nicht auf Software-basierten Storage setzen, erklärt Morris.
Auf der Roadmap für den Suse Storage Server finden sich integrierte Deduplikation, Backup und Tools fürs Compliance-Archiv. Er steht ab sofort mit Ceph Firefly als Beta zur Verfügung, ab Februar 2015 soll dann auch die stabile Version erhältlich sein. Die für das dritte Quartal 2015 vorgesehene Version 2.0 soll auf Ceph Hammer setzen.
SLES spricht
Bei der Abschlusskeynote standen erneut Demos der neuen Produkte, Preisverleihungen (aus Verlosungen) und die Neuerungen der zwölften Ausgabe des ehrwürdigen SLES im Vordergrund. Ebenfalls von Miller im Stil eines Talkmasters präsentiert, stand zunächst – wie zu erwarten – der Suse Linux Enterprise Server 12 mit all seinen neuen Features von Kgraft bis zum GEO-HA-Add-on im Vordergrund.
Der Server kam sogar selbst zu Wort – als joviale Stimme aus dem Off – und durfte zusammen mit den Leitern des SLES-Teams Ralf Flaxa, Olaf Kirch und Mathias Eckermann ein Interview geben. Volles Rollback mit Snapper & Co., Live-Kernelpatching mit Kgraft, das seien die Highlights der neuen Version, erklärten die Manager des SLES-Teams, und die liebevoll von “Großvater Flaxa” getätschelte Pappschachtel zeigte sich mächtig stolz (Abbildung 3).
Demos
Anschließend folgten über eine Stunde lang Live-Demos des neuen Servers, über SMS ließen die Techniker das Publikum Last erzeugen, um HA, das Cloudmanagement, den neuen Storage Server, das Full Rollback mit Snapper und Geo-HA vorzuführen und per IP-Licht-Installation im Saal zu verdeutlichen. Dass dabei weder ein Punk mit physischen Angriffen noch ein Heavy-Metal-Freak mit unkoordinierten Kernelupdates die HP-Server aus der Ruhe bringen konnte (Abbildung 4), versteht sich. Zwar fiel als Showeinlage das Saallicht aus, doch die Server liefen brav weiter.
Zum Abschluss der Susecon gab es weitere Lego-Videos mit Star-Wars-, Batman- und “Dr. Who”-Anklängen sowie eine Preisverleihung, bei der grüne E-Gitarren (Abbildung 5), Kampfflugzeuge (als Modell!) und diverse Hardware den Besitzer wechselten und die ersten Suse Master Builder ausgezeichnet wurden (Abbildung 6). Die nächste Susecon wird nach drei Jahren erstmals nicht mehr in Orlando stattfinden, sondern auf der europäischen Seite des Atlantiks.
Infos
- Linux-Magazin-News zur Susecon 2014:https://www.linux-magazin.de/susecon2014












