Aus Linux-Magazin 11/2009

Die richtige digitale Infrastruktur für das neue Unternehmen

© maxfx, 123rf.com

Wer sich selbstständig macht, braucht die passende Netzwerklösung. Mit freier Software klappt das vom einfachen Windows-PC bis zur komplett virtualisierten Open-Source-Cloud .

Der eigene Serverpark im Büro scheint out zu sein: In modernen Unternehmen werkeln Mini-PCs und Laptops, die Server stehen beim Provider und die Teams arbeiten übers Web zusammen. Die Smartphones der Mitarbeiter gleichen ihre Daten automatisch mit den Servern ab, und die Asterisk-Telefonanlage leitet die eingehenden Gespräche stets aufs richtige Handy weiter.

All das ist zwar mittlerweile mit Open-Source-Software möglich, doch werden die wenigsten Jungunternehmer gleich mit einem derartigen Edel-Setup loslegen, sondern auf ein Infrastrukturkonzept setzen, das mit der Firma wachsen kann. Da ist es egal, ob das Geschäftsmodell auf Computerdienstleistungen, Hardware oder IT-fremden Geschäften basiert.

Den Desktop fit machen

Viele frisch gestartete Einzelkämpfer erklären anfangs ihren Heim-PC zu dem Rechner, mit dem sie beruflich arbeiten können. Aber mit der Unternehmensgründung gewinnen Backups, Virenschutz, Firewalls und Updatezyklen eine ganz neue Bedeutung. Schließlich ist der Jungunternehmer schlagartig verpflichtet, diverse Unterlagen (Rechnungen, Briefwechsel, …) bis zu zehn Jahre vorzuhalten [2].

Mein erstes Betriebssystem

Mit den ersten Einnahmen kommt vielleicht die erste Hardware und die Frage nach dem richtigen, besseren Betriebssystem. Klar, der freie Open-Source-Freund setzt auf Linux, aber welche Distribution? Wer es sich leisten kann, greift gleich zu einem Enterprise-Produkt von Red Hat oder Suse und kauft damit Support vom Hersteller.

Der Technik-affine oder sparsame Unternehmer nimmt Community-Distributionen wie Ubuntu oder Open Suse, wohl wissend, dass die Hersteller diese nur wenige Jahre pflegen. Danach heißt es neu installieren oder das Update riskieren. Im Vergleich dazu klingen die versprochenen 5 Jahre Wartungsdauer der Enterprise-Versionen doch deutlich attraktiver. Klar, SLES kostet 600 Euro, Red Hats RHEL sogar noch mehr, aber dafür gibts garantierten Telefonsupport, wenn was hängt. Wer sich nicht aufraffen kann, für ein Enterprise-Produkt zu zahlen, greift zu Centos oder vielleicht bald zu OpenSLES oder Open Suse LTS.

Die eigene Domain

Aber mit dem eigenen PC und Internetanschluss ist es für den Einzelkämpfer noch nicht getan: Eine E-Mail-Adresse »@t-online.de«, bei Hotmail, Google Mail, Web.de oder GMX geht gar nicht. Derart auf Visitenkarten gedruckt ist der Einzelkämpferstatus ist für jeden neuen Geschäftskontakt sofort offensichtlich. Eine eigene Domain mit mindestens einer E-Mail-Adresse muss her.

Alle ISPs bieten Mailserver-Dienste an, auch der eigene Webauftritt steht schnell mit freien CMS-Systemen oder Webframeworks. Die sind einfach zu bedienen und erfüllen die Ansprüche kleinerer und mittlerer Unternehmen. Und Browser und E-Mailprogramm sind auf jedem Client vorhanden, wer IMAP anstatt POP nutzt, kann jetzt schon zusätzlich zum Desktop mobil mit einem Laptop arbeiten.

Das Szenario ist ausbaufähig: Auch wenn das Unternehmen mit der Zeit Kollegen, Partner und Mitarbeiter um sich sammelt, kann das Team mit diesem Setup zusammenarbeiten. Mit Software wie KDEs Kontact, die Groupware-Daten in E-Mails abspeichern kann, reicht der bestehende IMAP-Server auch für eine einfache gemeinsame Adress-, Notiz-, Kalender- und Aufgabenverwaltung. Vielen kleinen und mittleren Unternehmen reichen solche Setups vollkommen, um ihre tägliche Arbeit zu erledigen (Abbildung 1).

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