Streit um Classmate-PC: Intel verläßt OLPC-Aufsichtsrat

Prozessorhersteller Intel verlässt den Aufsichtsrat der Non-Profit-Organisation One Laptop per Child (OLPC).

Der Grund für den Ausstieg aus dem gemeinnützigen Projekt soll ein Streit um das Intel-eigene Programm “Classmate PC” sein. Der OLPC-Gründer Nicholas Negroponte hatte von Intel den Ausstieg aus dem Programm gefordert, wie das Wall Street Journal berichtet. Intels Classmate-PC ist ein preiswerter Laptop, konzipiert für Studenten in Entwicklungsländern und damit ein direkter Wettbewerber für das OLPC-Projekt. Nach längerem Hickhack und heftigen Wortgefechten hatten sich Intel und OLPC im Juli 2007 schließlich darauf verständigt, gemeinsam an der Technologie für preiswerte Rechner zu arbeiten. Als Teil dieser Vereinbarung erhielt Intel einen Sitz im OLPC-Aufsichtsrat. Ein Ziel der Zusammenarbeit war, den so genannten 100-Dollar-Laptop auch mit Intel-Prozessor auf den Markt zu bringen. Intels Abschied aus dem OLPC-Aufsichtsrat dürfte gleichzeitig das Ende dieser Bemühungen sein. Der XO-Laptop der OLPC arbeitet mit einem AMD-Mikroprozessor, es gibt aber auch Versuche mit ARM-Prozessoren von Hersteller Marvell.

In den Monaten nach der Vereinbarung habe Negroponte immer wieder darauf gedrängt, dass Intel seinen Classmate-PC zugunsten des XO-Projekts aufgeben solle, was Intel abgelehnt habe. Bereits im Juli sah Intel keinen Grund, deswegen das hauseigene Projekt einzustellen. In einem Interview mit Linux-Magazin Online sagte Intels Pressereferent Strobel: “Den Classmate PC wird es auch weiterhin geben. Durch die Zusammenarbeit mit OLPC ergibt sich die Möglichkeit, beide Produkte durch gegenseitigen Austausch in der Zukunft zu verbessern.” Gegenüber Medien bestätigte OLPC-Präsident Walter Bender die Trennung von Intel, sagte aber, dass auch andere Faktoren dazu beigetragen hätten. “Intel behandelt unsere Mission einfach wie einen weiteren Markt”, lässt sich Bender zitieren.

Tatsächlich ist Intel nicht der einzige Wettbewerber, mit dem OLPC zu kämpfen hat: Vor kurzem startete der taiwanische PC-Hersteller Asus mit dem Eee-PC erfolgreich in dem Markt der preiswerten Laptops (wir berichteten).

Dies ist innerhalb kurzer Zeit ein weiterer Schlag, den das gemeinnützige Projekt zu verkraften hat: In Nigeria steht derzeit eine Schadenersatzklage in Millionenhöhe an, die der Tastaturhersteller Lancor bei Gericht eingereicht hat. Und zum 31. Dezember 2007 hat die erste Angestellte und Chefentwicklerin Jepsen das Projekt verlassen mit dem Ziel, Teile der OLPC-Technologie in einem eigenen Unternehmen kommerziell zu vermarkten. (Linux-Magazin Online berichtete). Das junge Unternehmen der Erfinderin will sich unter dem Namen Pixel Qi auf der CES-Messe in Las Vegas vom 7. bis 10. Januar der Öffentlichkeit präsentieren.

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