Der europäische PC-Markt ist im ersten Quartal 2009 um 10 Prozent geschrumpft. Nach IDCs Marktübersicht verzeichnen aber Netbooks starken Zuwachs, bremsen Westeuropas Verkaufsrückgang, und bescheren dem deutschen Markt sogar ein Plus.
Der Markt in der EMEA-Region (Europa, naher Osten und Afrika) schrumpfte erstmals seit Ende der Dotcom-Zeit und büßte 10 Prozent im Vergleich zum Beginn des Jahres 2008 ein. Osteuropa ist am stärksten abwärtsorientiert: Der Umsatz mit Rechnern ging hier nach den Zahlen IDCs um 41 Prozent zurück. Moderater fiel die Zahl im nahen Osten und Afrika mit minus 6,1 Prozent aus. In Westeuropa sanken die verkauften Stückzahlen gerade einmal um ein halbes Prozent.
Den Abwärtstrend schreibt IDC der Wirtschaftskrise zu. So fiel in Westeuropa ungefähr jeder sechste Rechner weg, den Unternehmen zu Beginn von 2008 noch gekauft hatten (minus knapp 15 Prozent) – egal ob Desktop oder Laptop. Konsumenten hingegen deckten sich munter mit Netbooks ein und dämpften damit den Abwärtstrend: Dieser Markt wuchs um 28 Prozent. Die Kunden ließen sich laut IDC von niedrigen Preisen und forschem Marketing überzeugen, sodass sie mit einem niedrigschwelligem Anfängersystem ein Schnäppchen zu machen glaubten. Die Zusammenarbeit zwischen Netbook-Anbietern und der Telekommunikationsbranche verstärkte die Nachfrage nach Netbooks, so IDC.

Die PC-Verkäufe in Deutschland bestätigen die beiden Trends, dass Unternehmen sich zurückhalten und Konsumenten den Netbook-Markt abräumen. Quelle: IDC.
Karine Paoli, bei IDC für IT-Infrastrukturen in EMEA zuständig, geht davon aus, dass die Nachfrage nach Netbooks in den kommenden Quartalen anhält. Die Forschungsleiterin für PCs in EMEA, Eszter Morvay, stellt außerdem fest, dass neben den Netbook-Marktführern Asus und Acer auch kleinere Anbieter zum Zuge kommen und dass der Markt Spielraum biete für neue Anbieter. So dominieren Intel und Microsoft die Geräte, aber Dritte könnten sie zum Beispiel mit besserer Akkuleistung oder benutzerfreundlichen Oberflächen herausfordern.
Hersteller Hewlett-Packard, der sich in den Vereinigten Staaten gerade auf Platz Eins der PC-Hersteller geschoben hat, bestärkte auch in EMEA seine Führungsposition und erhöhte den Marktanteil von 20 auf 21,5 Prozent. Das verkaufte Volumen sank aber wegen des wirtschaftskrisengeschüttelten Osteuropa um 5 Prozent. Der Zweite der Marktführer, Acer, verbesserte seinen Marktanteil von 15 auf 17,5 Prozent und verkaufte außerdem 4 Prozent mehr Rechner, dank Netbooks. Dells Anteil sank von zwölf auf zehn Prozent, der Drittplazierte büßte aber wegen der gewachsenen Konkurrenz ein Viertel verkaufte Rechner ein. Hier verzeichnete Toshiba den größten Sprung und verkaufte 7,5 Prozent mehr, erweitert den Marktanteil aber nur um einen Prozentpunkt. PC-Schlusslicht Asus schließlich erging es wie Dell: Die Konkurrenz führte zu 12 Prozent weniger Verkäufen. Der Anteil blieb jedoch stabil.



