Open Source im professionellen Einsatz

Open-Source-Initiative für Ökopatente

15.01.2008

31 Patente mit Auswirkungen für den Umweltschutz sind ab sofort als Open Source frei verfügbar, und es sollen wesentlich mehr werden. Der World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) hat gemeinsam mit Unternehmen wie IBM, Nokia, Pitney Bowes und Sony eine Public-Domain-Initiative für Ökopatente gestartet.

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Unter der internationalen Bezeichnung "Eco Patent Commons" stellen diese vier Unternehmen Patente aus ihrem Portfolio der Allgemeinheit zur Verfügung mit dem Ziel, den Umweltschutz zu fördern. Geht es nach den Vorstellungen der Initiatoren, sind diese Patente erst der Anfang. Die Beteiligung weiterer Unternehmen an der Initiative ist gewünscht, und mit der Freigabe weiterer Patente sollen diese an der "grünen" Technologie mitwirken. George Weyerhaeuser, leitender Mitarbeiter beim WBCSD, erklärt: "Der Gedanke dahinter ist, dass die Ideen und Ansätze einer Firma zu einem bestimmten Problem wertvoller werden, wenn andere an der Entwicklung mitarbeiten." Aufgabe des WBSCD sei es, solche Kooperationen zu fördern. In diesem Fall stellt die Organisation eine Internetplattform zur Verfügung, auf der die Patente und Ideen gesammelt werden.

Die Organisatoren versprechen sich davon eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und somit einen schnelleren Fortschritt bei Maßnahmen zum Schutz der Umwelt. Die Pressemitteilung gibt konkrete Beispiele, was mit den Patenten bewirkt werden könnte: Energieerhaltende Maßnahmen, bessere Energieausnutzung oder höhere Effizienz von Kraftstoffen zählen ebenso dazu wie Müllvermeidung, Abgasverringerung oder der Einsatz umweltverträglicher Materialien und Schonen der natürlichen Ressourcen. Von Nokia beispielsweise stammt ein Patent das beschreibt, wie alte Mobiltelefone zu anderen Technologieprodukten weiterverarbeitet werden.

Insgesamt stehen zur Eröffnung 31 Patente der vier Gründerkonzerne in den Eco Commons, und in IBM hat das Projekt einen starke Unterstützer: Laut den US-amerikanischen Patentwächtern IFI Claims führt IBM seit 15 Jahren die Liste der Unternehmen mit den meisten US-Patenten an. Allein im Jahr 2007 kam IBM auf 3125 US-Patente, im Vorjahr waren es 3651.

"Die Idee für die Commons wurde ursprünglich im Rahmen der IBM Global Innovation Outlook-Konferenz vorgestellt," so IBM-Chef Bob Sutor in seinem Blog. Er stellt das Projekt in eine Reihemit weiteren IBM-Aktionen, in denen das Unternehmen Patente zur Verfügung stellt. Darunter ist IBMs "Patentversprechen" aus dem Januar 2005, in dem das Unternehmen 500 Patente zugunsten von Open-Source-Projekten freigab. Außerdem verweist er darauf, dass IBM im Juli 2007 mehr als 150 Standards in Bezug auf Interoperabilität und Webdienste der Allgemeinheit zur Verfügung stellte (Linux-Magazin Online berichtete).

In einem Podcast spricht Sutor gemeinsam mit IBMs Vizepräsident Dave Kappos ausführlich über das neue Projekt. Kappos ist im Konzern verantwortlich für Geistiges Eigentum (Intellectual Property) und vergleicht die Eco Commons mit der gemeinnützigen Initiative Creative Commons. In seinem Blog wirbt IBM-Chef Sutor bei weiteren Unternehmen um Unterstützung und schließt seinen Appell mit den Worten: "Auch wer nur ein einziges Patent beisteuert, kann teilnehmen und damit einen entscheidenden Beitrag für nachhaltige Entwicklung leisten."

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