Die fehlenden Open-Source-Treiber für den BCM2835-Grafik-Chip, der im SoC des Raspberry Pi verbaut ist, hatten bereits mehrfach für Unmut gesorgt (siehe den Test im Linux-Magazin 08/12). Vergangenen Mittwoch hat die Raspberry Foundation reagiert und die Treiber unter der BSD-3-Lizenz veröffentlicht, was nach ihrer Aussage nur dadurch gelang, dass sie das Einverständnis vom Hersteller Broadcom erhielt. Den Schritt hatte sich der Hersteller wohl gut überlegt, denn fortan könne er damit werben, "der erste Grafikchiphersteller von ARM" zu sein, der seine ehemals Closed-Source-Treiber offenlegt, mutmaßt Raspberry-Developer Alex Bradbury im Interview mit Zdnet.

Blobs und Firmware

Allerdings währte die Freude nicht lang: Übereinstimmend monieren zahlreiche Blogger, dass nun zwar der Userspace-Anteil der Treiber frei sei, aber die Tatsache, dass weiterhin der Binärcode der Firmware zum Einsatz komme, mache den Schritt nicht wirklich hilfreich. So werde der Treiber für den Broadcom-Grafikchip auch sicher nicht in einen Kernel Einzug halten, schreibt beispielsweise Red Hats Dave Airlie in seinem Blog. Auch die Kommentare zur Ankündigung der Raspberry Foundation füllen sich derzeit mit kritischen, teils hämischen Kommentaren, meist mit dem Tenor, das Vorgehen helfe wenig.

Kroah-Hartmann: "Broadcom macht alles falsch, Intel ist da weiter"

Auf Google+ beteiligt sich auch Greg Kroah-Hartman an der Diskussion und gibt Dave Airlie Recht: "Was Broadcom angeht: Die machen dabei einfach alles falsch, vielleicht lernen sie wenigstens was daraus. Aber ich glaube, ihre Wettbewerber (nicht nur Intel) sind viel schneller, und sie [Broadcom] kommen einfach zu spät." Intel dagegen, meint GKH, mache das Richtige: "Die verbreiten [seed] ihre Hardware in der Community, geben sich offen mit Spezifikationen und veranstalten regelmäßige Treffen mit Kernelentwicklern."