In seiner Erzwingungsklage teilt Novell dem Gericht vorsorglich mit, dass es alle künftigen Einnahmen aus den SVRX-Lizenzen für sich beansprucht und diese nicht in die Konkursmasse einfließen dürften. Ansonsten, so Novell, könnte SCO "unrechtmäßig Novells Eigentum verwenden, um SCOs Insolvenz zu finanzieren." Am 14. September hatte SCO Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt (wir berichteten). In einer Erklärung weist Novell das Gericht darauf hin, dass SCO diesen Schritt nur einen Geschäftstag vor der Eröffnung des fünftägigen Verfahrens vor dem Gericht in Utah gemacht hatte. In diesem Verfahren hatte Richter Kimball die umstrittenen Unix-Rechte bei Novell als Eigentümer gesehen und SCO dazu verpflichtet, mindestens 25 Millionen US-Dollar an ausstehenden Lizenzgebühren zu entrichten. In der Schuldenaufstellung, die SCO nach den Regelungen des amerikanischen Gläubigerschutzverfahrens veröffentlichen mußte, wurden die Zahlungen an Novell nicht aufgelistet.

Wie die Prozessbeobachter von Groklaw erklären, könnte Novell seine Rechte gerichtlich durchsetzen und die Lizenzgebühren direkt eintreiben. Novell wird weiter zitiert mit den Worten: "Novells Eigentum würde zum unfreiwilligen Geschenk an die Konkursmasse und seine Gläubiger." Novell will das Verfahren nun zurück an den Gerichtshof nach Utah holen und behält sich das Recht vor, gegen SCO weitere Schritte einzuleiten, weil der Gläubigerschutzantrag "in schlechtem Glauben gestellt wurde." Als Gründe nennen Novells Anwälte, dass das Verfahren in Utah nach vier Jahren kurz vor dem Abschluß stand und dort alle Parteien eingearbeitet und mit den Vorgängen vertraut seien. Zudem könne sich ein Konkursgericht dort am besten einen Überblick über die Konkursmasse verschaffen. Novell sieht sich selbst als größten Gläubiger von SCO und schreibt, dass es nun herauszufinden gelte, "wieviel genau von SCOs früheren Einkünften auf den falschen Gebrauch der SVRX-Rechte beruht."

SCO hingegen hatte in seiner ersten Aufstellung die Gesamthöhe seiner Schulden auf 7,5 Millionen US-Dollar beziffert, die Unternehmenswerte wurden mit 14,8 Millionen angegeben. Unter den Gläubigern nannte das Unternehmen an erster Stelle die Investmentgesellschaft Amici mit einer halben Million Dollar, der zweithöchste Posten sind SCOs Anwaltsrechnungen in Höhe von 287 000 US-Dollar.
Die Prozessbeobachter von Groklaw haben wieder zahlreiche Dokumente zu dem Verfahren zusammengetragen, darunter auch die Klageschriften.