Open Source im professionellen Einsatz

Nokias Strategiewechsel: Zukunft von Qt anscheinend sicher

14.02.2011

Die Qt-Gemeinde ist frustriert wegen Nokias Fokus-Wechsel auf Windows Mobile und besorgt über die Zukunft des dual-lizenzierten GUI-Frameworks. Es sei nichts zu befürchten, lässt die Qt-Abteilung wissen. Sie scheint aber selbst auf die Interpretation von Aussagen der Nokia-Oberen angewiesen zu sein.

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Daniel Kihlberg, der bei Nokia in leitender Funktion für Verkauf, Marketing und Services von Qt tätig ist, wollte die Qt-Gemeinde eigentlich beruhigen: Qt habe trotz Nokias Strategiewechsels nichts zu befürchten. Als Gründe führte er die große Anzahl bestehender und geplanter Symbian-Telefone an, die strategische Innovationsfunktion Meegos für Nokia, die fortschreitenden Qt-Entwicklungen (etwa das neue Qt SDK 1.1 mit Unterstützung sowohl von mobilen als auch von Desktop-Plattformen, auch die wachsenden Personalressourcen) sowie die "zehntausende Unternehmen" zählende Anwenderbasis von Qt.

Allerdings scheint Kihlberg eher seine eigene Schlussfolgerung darzulegen als unternehmensweite Beschlüsse zu kennen: Unter seinem entsprechenden Posting im Qt-Blog vom Samstag sammelten sich binnen drei Tagen rund 300 Kommentare an: Wiederholt zeigen sich die Leser in diesen Beiträgen verunsichert und rufen nach einem offiziellen Statement.

In einem Follow-Up am Montag trug Aron Kozak in Reaktion auf diese Community-Sorgen einige belegende Aussagen der Nokia-Leitung zusammen. Kozak, der bei Qt für den Webauftritt und die Community zuständig ist, versuchte bereits in den Kommentaren, Zweifel auszuräumen. Er war dann aber nach eigenen Angaben von der Reise nach Barcelona zum Mobile World Congress unterbrochen worden, wo unter anderem ein Qt Dev Day stattfindet. In seinem "Update on Qt" referiert er nun, was Nokia-CEO Stephen Elop und Nokia-CTO Rich Green in einer Keynote und auf einer Pressekonferenz vor Ort zu der Sache zu sagen hatten. Die Aussagen bestätigen das Qt-Blogposting vom Freitag, versichert Kozak.

Andere Informationen liegen den Qtlern selbst offenbar nicht vor. Kozak verspricht jedoch, die Entwicklung weiterhin transparent zu kommunizieren.

Das Posting bestätigt den Eindruck, den Stephen Elops eigene Worte auf der abendlichen Pressekonferenz in Barcelona hinterlassen (laut Protokoll bei Engadget): Die Nokia-Belegschaft erfährt demnach selbst erst nach und nach die Folgendes Strategiewechsels. Ob Qt eine entscheidende Rolle in Nokias Wachstumsplänen spielen werde, sei noch nicht entschieden, sagte Elop ebenfalls auf der Pressekonferenz. Derzeit stehe jedenfalls nicht auf dem Plan, Qt auf Windows Mobile zu portieren: Das würde nach Nokias Meinung sowohl die Entwickler als auch die Anwender irritieren.

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