Microsoft kontaktiert Blender-Entwickler
Die Entwickler der freien Grafiksoftware Blender sollen Microsoft Informationen über Dateiformate liefern; der Annäherungsversuch des Konzerns stößt auf Skepsis.
Wie der Vorsitzende der Blender Foundation, Ton Roosendaal, auf der Entwicklerliste schreibt, hat Microsoft ihn mit der Bitte um Informationen kontaktiert, welche Dateiformate für die Nutzer der 3-D-Grafiksoftware interessant sind. Ein Mitarbeiter sei damit beauftragt, Open-Source-Projekte besser zu unterstützen. Roosendaal schreibt: "Sie würden gern mehr über Datenformatunterstützung wissen... worüber ich wirklich nichts weiß." Der Blender Entwickler gibt die Frage an das Projekt weiter und zitiert wörtlich aus der Anfrage. Hier heißt es, dass Microsoft für seine Dateiformate einen Ansatz suche, der mehr auf offenen Standards basiert. Die Absichten des Unternehmens will der Microsoft-Mitarbeiter untermauern und wählt ein Beispiel: "Der ISO Standard Office Open XML ist ein Beispiel für die Richtung, in die wir uns bewegen."
Dies allerdings ist eher ein Beispiel dafür, wie weit das Selbstbild Microsofts in Bezug auf Offenheit und Open Source mit dem Fremdbild in der Open-Source-Gemeinschaft auseinanderklafft: Der ISO-Standardisierungsprozess um das Microsoft-eigene Format OOXML war heftig umstritten, und das Format bleibt weiterhin in der Kritik. (Linux-Magazin Online berichtete hier und hier).
Entsprechend sind denn auch die Reaktionen auf der Entwicklerliste. Domino Marama schreibt: "Vielleicht kein gutes Beispiel für diejenigen, die den Weg von Office Open XML durch die ISO verfolgt haben." Und der Entwickler Jean-Luc Peurière glaubt nicht an die ehrlichen Absichten des Konzerns: "Sie (Microsoft) haben außerdem eine Historie, nach der sie eine Open-Source-Software-Gruppe gegen eine andere ausspielen." Auch die übrigen Reaktionen lassen nicht darauf schließen, dass das Software-Unternehmen den richtigen Ansatz gewählt hat, um Unterstützung von den freien Entwicklern zu erhalten. Marama schließt seinen Eintrag: "Wollen wir Microsoft dabei helfen, mehr Anwender an ihre Plattform zu binden oder wollen wir Microsoft ermutigen, sich wirklich zu offenen Standards zu bewegen? Ich glaube, die kurze Antwort ist, dass jedes Dateiformat, das nicht eine Cross-Plattform-lizenzierte Implementierung von GPL oder LGPL hat, kann für Blender-Anwender nicht optimal sein."





