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Linspire: GPLv3 wird Linux schaden

In einem offenen Brief äußert Kevin Carmony, Chef des Linux-Distributors Linspire, schwere Bedenken gegen die kommende Version der GPL.

In regelmäßigen Abständen versendet Linspire, Hersteller der gleichnamigen Linux-Distribution, offene Briefe, so genannte Linspire Letters. Hier kommentieren der CEO und andere Manager die Entwicklung des Unternehmens und seiner Software, gelegentlich greifen sie aktuelle Ereignisse rund um Open Source auf.

In seinem Brief vom 6. Juni 2007 erklärt CEO Kevin Carmony, warum Linspire sich mit dem jüngsten Entwurf der GPLv3 nicht anfreunden kann. Seiner Meinung nach würde die neue Lizenz in dieser Form den Fortschritt von Linux auf dem Desktop erheblich behindern. Die Macher der GPL, die Free Software Foundation (FSF), würden damit ungewollt den Konkurrenten in die Hände spielen und deren Marktdominanz stärken. Carmony warnt: "Die GPLv3 könnte dazu beitragen, dass Linux noch mehr in seiner eigenen Welt isoliert wird". Der Grund für diese Befürchtungen sind die Beschränkungen, die für die Kombination von GPLv3-Software mit proprietären Programmen gelten sollen.

Die GPLv3 will insbesondere Konflikte mit dem Digital Rights Management (DRM), mit dem digitalen Video-Recorder Tivo und patentierter Software regeln, wie GNU-Gründer Richard Stallman in seinem Essay zur GPLv3 ausführt. Gerade hier sieht Carmony Probleme, denn besonders diese Technologien sind seiner Meinung nach für die Verbreitung von Linux auf dem Desktop wichtig. Damit wäre die wesentliche Zielgruppe der hauseigenen Linux-Variante Linspire mit ihrem elektronischen Software-Kaufhaus CNR betroffen.

Als Beispiele für bei Endanwendern beliebte Desktop-Technologien nennt Carmony den von Patenten betroffenen Adobe Reader, 3D-Computerspiele und DRM-geschützte DVDs. Passende Software sei von der Neuregelung in der GPLv3 betroffen und ließe sich mit dem CNR-System nicht mehr anbieten. Schon heute habe Linux Schwierigkeiten, mit diesen Technologien Schritt zu halten, und das Problem werde sich hierdurch noch weiter verschärfen, meint Carmony. "Linspire hat in den letzten sechs Jahren hart daran gearbeitet, diese Probleme zu lösen", so Carmony. "Die GPLv3 könnte uns zurück an den Anfang schicken und Linux mit einer gefesselten Hand in die Kampfarena entlassen."

Mit dieser Stellungnahme und dem Appell an die Macher der GPLv3, umzudenken, vertritt Carmony einen bekannten Standpunkt von Linspire. Als das Unternehmen im September 2006 den umstrittenen Entwickler Eric Raymond in seinen Führungsriege für die freie Variante Freespire berief, gab es eine heftig diskutierte Pressemitteilung aus diesem Anlass. Hier hatte Raymond proprietärer Software das Wort geredet und eine größere Kompromissbereitschaft seitens der Open-Source-Gemeinschaft gefordert.

(Britta Wülfing)
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