Limux-Aus: Stadtrat München lässt Rückkehr zu Windows prüfen

In seiner Vollversammlung am 15. Februar hat sich der Münchner Stadtrat mit den Stimmen der schwarz-roten Mehrheit entschieden, die Umstrukturierung der städtischen IT prüfen zu lassen. Der Beschluss sieht vor, dass die Umstellung auf Windows-Clients und marktübliche Office-Programme geprüft werden. Bei den Office-Programmen, das klang bei einigen Redebeiträgen an, sei Microsoft Office gemeint. Das in der Stadtverwaltung eingesetzte Linux-Projekt Limux dürfte dann bald Geschichte sein.

Der am Donnerstag beschlossene Änderungsantrag umfasst neben der Umstellung auf Windows auch die organisatorische Neuausrichtung der städtischen IT. Es soll einen verantwortlichen Refrenten geben und die bislang in drei einzelnen Bereichen aufgeteilte IT-Verwaltung soll in GmbHs ausgelagert werden. Die Umsetzung soll, wenn der Stadtrat den Prüfungsergebnissen später zustimmt, bis 2020 erfolgen.

Da die schwarz-rote Mehrheit sich in ihren Redebeiträgen für eine Umstellung auf den Windows-Client aussprach, auch wenn Kosten und Organisation noch zu prüfen seien, darf mit dem Ende von Linux als Client der Stadt München gerechnet werden.

In der Debatte musste sich die CSU-SPD-Mehrheit kritischen Beiträgen der anderen Fraktionen und Gruppierungen anhören.

Thomas Ranft (Piraten) von der Gruppierung Freiheitsrechte Transparenz, Bürgerbeteiligung (FTB) sprach in der Sitzung von einem traurigen Tag, den der Ausstieg aus Linux bedeute. Die vorhandenen IT-Probleme seien struktureller Natur und nicht dem Linux-System zuzuordnen. Ranft zitierte aus einem Schreiben eines für Libreoffice zuständigen Mitarbeiters der Münchner IT-Verwaltung “IT @ M” dort wird bemängelt, dass die Entscheidung Linux den Rücken zu kehren nicht auf Fakten sondern Emotionen beruhe. Es werde auf Linux geschimpft, ohne die strukturellen Probleme zu sehen. Das Kreisverwaltungsreferat München etwa nutze ausschließlich Windows-Rechner mit veralteten Openoffice-Versionen, für die es keinen Support mehr gäbe. Die Umstellung von 9000 Vorlagen und 130 Makros bis 2020 sei utopisch, schreibt der von Ranft zitierte Mitarbeiter.

Auch Florian Roth (Grüne/Rosa Liste) zweifelt an der Sinnhaftigkeit einer reumütige Rückkehr zu Microsoft. Er sei erstaunt, dass nun innerhalb von 10 Tagen, so alt sei der Änderungsantrag, eine 180 Gradwende beantragt werde. Auch Roth sieht eher strukturelle Probleme als solche mit Linux. Die Mitarbeiter-Umfrage habe ergeben, dass 68,6 Prozent mit der Funktionalität der Software zufrieden seien. Mit der Organisationsstruktur aber seien nur 32 Prozent zufrieden. Auch das Gutachten von Accenture empfehle Libreoffice weiterhin als Standard zu nutzen und Microsoft Office als Fachanwendung wo nötig. Roths Fazit lautet, weder die Mitarbeiter, noch das Gutachten noch die Verwaltung empfehle eine komplette Abkehr von Limux. Diese Abkehr sei vielmehr von einer kleinen Runde von Spezialisten aus CSU und SPD vor zehn Tagen beschlossen worden.

Durch den Umstieg seien Kosten im enormer Höhe zu erwarten, sagte Roth und nannte Lizenzkosten, Hardware-Anschaffungen für Windows und zu erwartende Sicherheitsprobleme als Faktoren. Der Ausstieg aus Limux sei unausgegoren, unprofessionell und unverantwortlich, schimpfte Roth und schloss seinen Beitrag mit den Worten „Lassen Sie das“.

Für die SPD-Fraktion sprach Anne Hübner von der Hälfte der Mitarbeiter, die mit der IT unzufrieden seien. Die Mitarbeiter nennen laut Hübner dabei die Diversität der Systeme, deren Alter und die fehlende Kompatibilität. Da Windows zudem bereits jetzt auf 20 Prozent der Rechner laufe,und man auf Windows nicht verzichten könne, sei es sinnvoller gleich alle Rechner auf ein System umzustellen. Im Gutachten von Accenture seien Betrieb, Pflege und Aktualisierung unterschiedlicher Clients als eine der Hauptursachen für Probleme der IT genannt. Durch die Einführung eines Systems könne man dieses Problemfeld beseitigen. Es müsse wegen der überalterten Windows-Rechner dringend ein aktueller Windows-Client angeschafft werden, so Hübner, warum das vier Jahre dauern soll, solle die Verwaltung beantworten. „Linux war keine Fehlinvestition aber wir können nicht zweigleisig fahren, das ist die Grundlage unserer Entscheidung“, sagte Anne Hübner.

Stadträtin Brigitte Wolf (Linke) sprach von einem maximalen Schaden, den ein nur zweiseitiger Antrag anrichte. Auch Tobias Ruff von der ÖDP sprach von einem traurigen Tag, Nach zehn Jahren teils stürmischer Entwicklung habe Limux ruhiges Fahrwasser erreicht, jetzt könnte man Verbesserungen herbeiführen. Nicht das Betriebssystem ei das Problem, sondern Personalmangel und wie IT aufgestellt sei. Die Hoheit der Daten von Stadt und Bürgern müsse in den Händen der Stadt bleiben und nicht bei Programmen liegen, die Daten weitersenden. Die Umstellung auf Windows sei nun einmal eine Vorentscheidung für weitere Microsoft-Produkte, die Daten senden würden, so Ruff.

Kristina Frank von der CSU sagte, man werde Linux nicht vollständig den Rücken zuwenden, die Server sollen weiterhin auf Linux laufen. Sie schloss sich ansonsten weitgehend ihrer SPD-Vorrednerin an. Vielleicht ist Linux die richtige Wahl für manche, nicht für die Landeshauptstadt München, so Frank.

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Wolfgang
8 Jahre her

Zitat: “Da Windows zudem bereits jetzt auf 20 Prozent der Rechner laufe,und man auf Windows nicht verzichten könne, sei es sinnvoller gleich alle Rechner auf ein System umzustellen.”Na, dann kann man nur hoffen, dass nicht 20 Prozent der Mitarbeiter Vegetarier sind, sonst wäre es nach der Logik sinnvoller, überhaupt auf Fleisch in städtischen Kantinen zu verzichten.

Tommasch
8 Jahre her

Wir haben als Zentrale IT die Entwicklung in München lange verfolgt. Irgendwie wird man den Verdacht nicht los, dass nach der Ansiedlung einer Geschäftsstelle von Microsoft in München schlagartig der Ausstieg aus LINUX vorangetrieben wurde. Es wird, wie in diesem Artikel beschrieben keine Ursachenermittlung (Organisationsstruktur) betrieben, sondern politische Lobbyarbeit geleistet. Der Umstieg auf MS-Cients wird Datenschutzbefürworter auf den Plan rufen, die sich um den Umgang mit Bürgerdaten Sorgen machen werden. Weiterhin begibt sich die Stadt München in eine absolute Abhängigkeit von MS – Lizenz- wie auch Produktabhängig! Schade, aber der Steuerzahler kann ja gemolken werden.Na dann viel Spass in der… Mehr »

Jörg Linuxfreund
8 Jahre her

Da stehen mir die Haare zu Berge bei so viel Inkompetenz.Ursula *Sabathil* kommt mit Aussagen wie :”Es geht nicht ums Betriebssystem, es ist das System”Oder:”mein Computer ging Tage lang nicht” sind solche Sache wo man sich fragt ob die in der KFZ Werkstatt mit ihrem Auto auch solche dummen Floskeln von sich gibt – Die hat keine Ahnung!Bin zwar kein Münchener, aber sowas verärgert mich als passionierte Linux Anwender (nach 12 Jahren Windows und davor 6 Jahre Atari) richtig. Heute ärgere ich mich das ich den Umstieg zu Linux und openSource Software nicht bereits früher gemacht habe.

Jörg Linuxfreund
8 Jahre her

@Tommasch>Es wird, wie in diesem Artikel beschrieben keine Ursachenermittlung (Organisationsstruktur) betrieben, sondern politische Lobbyarbeit geleistet.Da muss ja Geld oder andere Gegenleistungen fließen :-(

Jörg Linuxfreund
8 Jahre her

@Wolfgang>Na, dann kann man nur hoffen, dass nicht 20 Prozent der Mitarbeiter Vegetarier sindIch höre erst auf Fleisch zu essen wenn ich es mir finanziell nicht mehr leisten kann.Ich kann mir auch nicht vorstellen jemals wieder ein Windows als Produktivsystem auf einem meiner Computer einzusetzen.

Jörg Linuxfreund
8 Jahre her

> Linux war keine Fehlinvestition aber wir können nicht zweigleisig fahren, das ist die Grundlage unserer Entscheidung“, sagte Anne Hübner.Warum denn nicht? – Homogene Netzwerke arbeiten anderswo auch prima zusammen. Und sollen dann die Adroid-Smartphones durch Windows-Phone ersetzt werden?!Es ist doch so das *nahezu alle Probleme* die es bei “Zweigleisigkeit” gibt, Ihre Ursachen darin haben das man sich nur sehr schwer bis gar nicht an geschlossene Formate und proprietäre Software anpassen kann da die Spezifikationen naturgemäß eben nicht offen liegen.

Klaus Riesterer
8 Jahre her

Wieder einmal soll die Inkompetenz einiger weniger durch den Bürger teuer bezahlt werden. Das Abwenden von Linux ist genau der verkehrte Weg, sind doch die Kosten und der Wartungsaufwand sowie die Ausfallzeiten bei Windows um ein Vielfaches höher.Das Ignorieren der Datensicherheit und des Datenschutzes kennt man von deutschen Behörden ohnehin. Selbst unsere Regierung ignoriert die Empfehlungen des BSI und wundert sich über Datenlecks und Sicherheitsprobleme – wie soll es da beim Kleinen anders sein.Der Antrag jedenfalls zeugt von der Inkompetenz einiger Verantwortlicher und diese sollten Ihre Entscheidung realistisch überdenken. Sollte der Antrag durchgewunken werden, haben diese Leute versagt und sollten… Mehr »

Klaus Riesterer
8 Jahre her

Zitat: “Da Windows zudem bereits jetzt auf 20 Prozent der Rechner laufe,und man auf Windows nicht verzichten könne, sei es sinnvoller gleich alle Rechner auf ein System umzustellen.”Geht es hier um Windows oder um SAP? Ich nehme an, die 20% sind die Systeme, auf denen SAP läuft. Viele Anwender haben sich inzwischen auch von diesem überteuerten und unflexiblen System wieder getrennt …Der Austausch von Daten zwischen SAP-Systemen und externen Anwendungen wird übrigens auch unter Windows nicht einfacher.

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