IBMs neues System S fragt Geschäftsdaten ab, während sie entstehen.
System S verarbeitet unterschiedliche Datenströme gleichzeitig, woraus sich der Name “Stream Computing” ableitet. Nutzen soll die neue Software zum Beispiel Finanzinstitutionen, Regierungseinrichtungen, Transportunternehmen oder dem Einzelhandel, weil sie Daten unmittelbar zur Entstehungszeit analysiert und aufbereitet. Die IBM-Labs entwickeln bereits seit sieben Jahre daran, heißt es in der Presseerklärung, und sie haben die neue Software letzte Woche anlässlich des jährlichen Investorentreffens erstmals vorgestellt. Zur Weiterentwicklung seines Stream Computings eröffnet das Unternehmen in Irland das European Stream Computing Center als zentrales Forschungs- und Testzentrum.
Anwendern verspricht der Hersteller mit System S den Ist-Zustand als Entscheidungsgrundlage. Bisher wandern Daten erst an ihre Speicherstätte und dienen dann erst einer Analyse. Während der Verarbeitung könnten aber neue Daten hinzukommen, die keine Berücksichtigung finden und das Ergebnis verfälschten, erklärt IBM. Die neue Software ermöglicht stattdessen, Anfragen direkt auf die entstehenden Daten zugreifen zu lassen. Einfaches Beispiel sei ein Webserver, der in Echtzeit bestimmte Ortsangaben auf einer Karte visualisiert.
Mehrere Wege führen zu dieser Verwertung von Echtzeitdaten. Ein Weg ist die sogenannte Stream Processing Application Declarative Engine (Spade). Das ist eine Programmiersprache samt Laufzeitumgebung speziell für Anwendungen, die mit Datenströmen arbeiten. Genaue Kenntnis der unterliegenden Streaming-Technik sei dafür nicht nötig. Ein anderer Weg führt über den eingebauten “Semantic Solver”, der Anfragen direkt interpretiert. Als Drittes können Fortgeschrittene mittels einer Eclipse-basierten IDE Anwendungen entwickeln, die die Datenströme direkt berühren und zum Beispiel Typen zuordnen, sodass verschiedene Anwendungen bestimmte Datenströme einbeziehen.
Leider scheint sich IBM geradezu dagegen zu sträuben, ihr neues Stream Computing dem Interessierten näher zu bringen: Detailinformationen, die man sich hinter der Bezeichnung “Datenblatt” erhofft, sind erst nach einem Registrierungsmarathon zu haben (siehe Galerie). Auf Anfrage sagte eine Sprecherin der IBM-Labore zu Linux-Magazin Online, dass das System S aus der neuen Produktreihe Infosphere derzeit mit RHEL zu 32 und 64 Bit auf der Intel-Architektur lauffähig ist. Auf Linux sei die Software übrigens auch entwickelt worden, verriet sie. Auch Open-Source-Software finde Verwendung, Beispiele sind die C++-Bibliotheken des Boost-Projekts, die Visualisierungshilfe Graphviz und mehrere Perl-Module (zum Beispiel
XML-Simple und XML-Regexp). Trotz Namensähnlichkeit zu IBMs X-, I und Z-Systemen enthält das System S keine Hardware. An Bord seien jedoch Spade, Entwickler- und Analysetools. Die Infosphere-Familie und ihr erstes Kind System S ordnet IBM in die Initiative Smarter Planet ein, die im Vorfeld der Cebit 2009 gestartet war (wir berichteten).
- … sodass zeitraubende Einträge zwingend sind. Auch die Straßenangabe ist zwingend, obwohl sie nur für USA und Kanada gelten soll. Immerhin: Straßennamen & Co werden nicht überprüpft.
- Statt zur Auswertung auf statische Daten zuzugreifen (links), arbeitet System S mit den gerade hereinkommenden Daten (rechts).
- … was sich jedoch als falsch herausstellt. Auch einmalige Nutzer sollen etwa Adresse und Telefonnummer angeben.
- Wenn man nun auf die offizielle Registrierung ausweicht, scheinen hier erstaunlicherweise weniger Angaben gefordert zu sein…
- Steven Mills (links), Senior Vice President der IBM Software Group, und John Kelly, Senior Vice President von IBM Research, freuen sich über ihre neue Technologie. Foto: Bob Goldberg, Feature Photoservice
- Um sich die neue Technik näher anzusehen, sind umfangreiche Datenangaben erforderlich. Rechts scheint IBM zwar auf die Registrierung zu verzichten…
- … was sich jedoch ebenfalls als irreführend herausstellt…
- Mittels eingebauter Anfragen-Interpretation (ganz oben links), der speziellen Programmiersprache Spade (oben rechts) oder einer noch tifer ansetzenden Entwicklungsumgebung (oben links) soll System S Zugriff auf die verschiedenen Daten (links) ermöglichen. Quelle der beiden Grafiken: IBM











