Open Source im professionellen Einsatz

Hardware-Bundle von HP jongliert 88 TByte SAP-Daten

12.05.2009

Hewlett Packard hat ein neues Gespann aus Bladeserver und NAS-Appliance angekündigt, das die riesigen Datenlager der Netweaver-Plattform von SAP verarbeitet.

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Mit dem Verbund aus Servern und Storage-Appliance spricht HP SAP-Kunden an, die mit Netweaver auf mehr als zehn TByte große Datenbanken zugreifen, so genannte Data Warehouses. Das Angebot kombiniert Cluster mit dem Blade-Typ Proliant BL460c und der Maschine Storageworks 4400, um zwischen 4 und 88 TByte Daten zu verarbeiten. Netweaver ist eine SAP-Softwaresammlung unter anderem für Prozess- und Informationsmanagement in Unternehmen.

Auf der HP-Hardware läuft ausschließlich eine spezielle Software von SAP, der Netweaver Accelerator, die für die Anbindung sorgt. Auf den Bladeservern mit Xeon-Quadcore-Prozessoren von Intel läuft SLES 10. Ergebnis der Bündelung mit der Storage-Appliance ist, das ihr eigenes Dateisystem das in SLES verwendete OCFS2 (Oracle Cluster Filesystem) funktional ersetzt: Während OCFS2 bei etwa 16 zusammengeschalteten Bladeservern an seine Grenzen gerät und Stockungen im Datenverkehr bewirkt, ermöglicht die neue Zusammenstellung Cluster mit 30 bis 40 Servern, erläuterte Hans-Ulrich Schaller gegenüber Linux-Magazin Online. Schaller verantwortet weltweit das SAP-Appliance-Programm von HP. So erhöht sich der verfügbare Arbeitsspeicher im Cluster auf mehr als 1 TByte, idealiter ohne dass das Netzwerk während der Verarbeitung der Unmengen an SAP-Daten an Performanceleistung verliert.

Das Netweaver-Bundle ist auch in Deutschland erhältlich. Die Kosten richten sich nach der Ausstattung. Als untere Grenze rechnete der HP-Manager dem Linux-Magazin Online ein Minimalsystem mit 16 Blades, 16 GByte RAM pro CPU und etwa 1,2 TByte Plattenplatz vor, das mit Racks und Gehäusen auf ungefähr 400.000 US-Dollar käme (Listenpreis). Hinzuzurechnen sind die Lizenzkosten für den Netweaver Accelerator, die an SAP zu zahlen sind. Ein solches System könne etwa 600 GByte Daten im gemeinsamen RAM verarbeiten, so Schaller. Es entspricht ungefähr einer Grundmenge von 6 TByte zu verarbeitender Daten auf Seiten der SAP-Datenbank.

Schaller verriet auch, dass SAP seine Netweaver-Anbindungssoftware ausschließlich für den Suse Linux Enterprise Server vertreibt. Das habe "Performancegründe", sagte er. Zweite Bedingung sei eine Intel-Plattform. Für andere Kombinationen aus Betriebssystem und Prozessor gäbe es den Accelerator nicht.

Update: Jetzt liegen weitere Informationen vor, die verdeutlichen, wie die Hardware mit SAP zusammenarbeitet. Beim allerersten Kopieren und Laden der SAP-Daten aus der Datenbank komprimiert die SAP-Software die Datensätze um das fünf- bis zehnfache, bevor sie in den RAM der Bladefarm wandert, erläutert Hans-Ulrich Schaller. SAP, so Schaller weiter, schreibt aus Gründen der Qualitätssicherung vor, dass maximal 50 Prozent des verfügbaren RAMs mit Daten gefüllt sein dürfen: Die andere Hälfte ist für die Suchoperationen reserviert. Dieser Spielraum soll verhindern, dass das Betriebssystem per Swapping auf die langsamere Festplatte ausweicht.

Schaller konkretisiert auch die genannte Beispielausstattung. Wegen der Datenkompression um den Faktor 10 routieren bei 600 GByte genutztem RAM eigentlich 6.000 GByte Datensätze. Weil nur etwa 60 bis 80 Prozent der Daten einer Datenbank tatsächlich verarbeitet werden müssen (Geschäftsdaten), entspricht das einer Gesamtgröße der SAP-Datenbank von ungefähr 8 TByte. Solche Kapazitäten treten erst bei großen Mittelstandsunternehmen auf, so Schaller. Und er weist darauf hin, dass die SAP-Accelerator-Lizenzgebühren pro 16 GByte RAM anfallen: "Unternehmen sind also gut beraten, die erforderliche Größe des RAM möglichst klein zu halten."

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