Dass die meisten Webseiten Videos in Kürze nur noch über den neuen HTML-5-Tag anzeigen und nach Möglichkeit auf Inhalte verzichten, die spezielle Plugins benötigen, gilt als ziemlich sicher. Einzig bei der Frage, welcher Videocodec sich als de-facto-Standard durchsetzen wird, ist man sich noch nicht einig. Apple und Google setzen zurzeit auf H.264, das nicht frei von Softwarepatenten ist.

Vor allem Google enttäuschte mit der Entscheidung, statt dem freien Ogg Theora H.264 den Vorzug zu geben. Zwei Dinge könnten nun jedoch dem freien Format mehr Schwung verschaffen: Der VP8-Codec, den das von Google im Februar gekaufte Videotechnologie-Unternehmen On2 entwickelt hat, sowie ein aktueller Blogeintrag.

Nach diesem Blogeintrag ist Google auf der Suche nach einem Codec, der nicht nur klassische Desktop-Rechner unterstützt, sondern sich auch auf mobilen Geräten, Tablets und Netbooks nutzen lässt. Als Resultat sei man bei Ogg Theora gelandet, das gegenüber der Konkurrenz zwei große Vorteile mitbringt: eine relativ übersichtliche Codebasis sowie komplette Quelloffenheit.

In einem ersten Schritt hat Google dem Projekt TheorARM geholfen, von der GPL auf eine Lizenz im BSD-Stil zu wechseln, wie sie auch das Ogg-Theora-Projekt nutzt. Damit können die Optimierungen, die das Projekt an Ogg Theora für ARM vorgenommen hat, wieder zurück ins Ogg-Theora-Projekt fließen. Inwieweit Google auch die Verbesserungen in Ogg Theora einbringt - das auf VP3 aufbaut, einer älteren Version des On2-Codecs - steht zurzeit nicht fest. Gerüchten zufolge will Google allerdings den VP8-Codec zur Google-I/O-Konferenz am 19./20. Mai unter eine freie Lizenz stellen.

Bei allem Optimismus darf nicht übersehen werden, dass Google Ogg Theora nicht als die alleinige Lösung ansieht. Vielmehr soll es als gemeinsame Fallback-Lösung dienen. Unterstützt ein Browser kein Flash, kein Java oder eine andere Lösung, dann soll er über das entsprechende HTML-5-Tag ein Ogg-Theora-Video abspielen: "Wir brauchen eine Grundlage, von der wir ausgehen können - ein Standartformat, wenn alles andere nicht klappt. Das muss nicht das komplexeste oder bekannteste Format sein oder da, an dem möglichst viele Unternehmen mitarbeiten. Es muss einzig und allein überall erhältlich sein."