Eben Moglen: Hoch lebe die GPLv3 - ich kündige!

Eben Moglen, Jurist und einer der Mitautoren der kommenden GPL-Version, betrachtet seine Arbeit an der GPL v3 als abgeschlossen. Er betitelt sein Blog "Und jetzt? Leben nach der GPLv3" und beendet den aktuellen Abschnitt, indem er seinen Vorstandsposten bei der Free Software Foundation (FSF) zurück gibt.

In seiner persönlichen Bilanz der Entstehungsgeschichte der GPLv3 schreibt der Rechtsprofessor, dass er und sein Kollege Richard Fontana nun monatelang die GPL v3 “gelebt und geatmet” hätten. Nun sei es an der Zeit, dass er sein Leben und seine Zeit neu organisiere und zu seiner Arbeit als Professor für Recht und Rechtsgeschichte an der Universität Columbia Law School in New York zurückkehre.

Zudem möchte er sich wieder mehr um die Arbeit am Software Freedom Law Center (SFLC) kümmern. Deshalb will er sein Engagement für andere Organisationen zurückfahren. Dies und der Abschluss der Arbeit an der GPL-Version 3 seien die Gründe, warum er sein Amt bei der FSF zurück gibt. “Ein Abschied ist immer schwer, aber es könnte keinen besseren oder weniger störenden Augenblick geben als diesen”, meint Moglen. Er wisse die FSF in guten Händen unter der Leitung von Richard Stallman und Geschäftsführer Peter Brown. Seit 2000 war Moglen im Vorstand der FSF.

Die lebhafte Diskussion, die der dritte Entwurf der GPL hervorgerufen habe, freut den Rechtsprofessor. Die Reaktionen auf die überarbeitete Software-Lizenz seien zum Großteil positiv gewesen, lediglich auf Seiten Microsofts und seiner Verbündeten habe es Aufregung gegeben.

Mit dieser Formulierung gibt Moglen indirekt Bruce Perens Rückendeckung, der mit einem amerikanischen Unternehmensverband über die GPL in Streit geraten war. Perens hatte dem Unternehmensverband vorgeworfen, Lobbyarbeit für Microsoft zu betreiben.

Moglen geht davon aus, dass die Free Software Foundation in der Folge sicher noch die eine oder andere Änderung an der GPLv3 vornehmen werde, aber die wesentlichen Inhalte blieben unverändert: “Die Detailarbeit müssen wir Anwälte ernster nehmen als jeder andere, aber sie [die GPLv3] ist reif für den Druck durch das wirkliche Leben.”

In seiner Rolle als Vorsitzender des SFLC kündigt er an, dass sowohl das SFLC wie auch seine Klienten die neue Lizenz bald nutzen werden. Seiner Meinung nach würden im Spätsommer oder Herbst einige “interessante, profilierte Projekte und Produkte” zur GPL 3 wechseln oder aber diese parallel einsetzen. Mit dem SFLC will er die Urheberrechte seiner Klienten in diesem Sinne schützen und verspricht all denen Rechtsbeistand, die die GPLv3 einsetzen. Das SFLC hat sich zur Aufgabe gemacht, die Rechte Freier und Open-Source-Software (FOSS) zu schützen und vertritt heute zahlreiche freie Projekte juristisch.

Der aktuelle Entwurf der GPL v3 steht seit dem 3. April auf den Webseiten der FSF sechzig Tage lang zur Diskussion. Sollten sich für den Vorschlag gravierende Einwände und Änderungen ergeben, stellt die FSF neue Formulierungen als separaten Text zur Diskussion. Nach der letzten Frist wird es einen weiteren, letzten Entwurf (Last Call Draft) geben, der dann die veränderten Passagen enthält. Dieser soll weitere 30 Tage zur Diskussion stehen, dann soll die endgültige Version verabschiedet werden.

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