Chinesische OOXML-Konkurrenz: das Dokumentenformat UOF samt Office-Suite

Neben den konkurrierenden Dokumentformaten Open Document Format (ODF) und dem Microsoft-Eigenentwurf Office Open XML (OOXML) gibt es ein drittes Format, genannt UOF, kurz für Uniform Office Format. Seit Sommer 2007 ist UOF chinesischer Standard, und jetzt gibt es auch die passende Bürosoftware.

Wie der chinesische Branchendienst Interfax berichtet, hat Evermore Software die erste Bürosoftware auf den Markt gebracht, die vollständig auf dem Dokumentstandard basiert. Laut den Aussagen eines Unternehmenssprechers erfreut sich der chinesische Softwarehersteller bei Regierungsstellen mit seinen Produkten bereits großer Beliebtheit. In dem Artikel wird er mit den Worten zitiert: “Evermore-Produkte haben den größten Anteil an Regierungskäufen von Bürosoftware in den letzten Jahren.”

Die Bürosoftware namens Evermore Integrated Office 2009, kurz: EIOffice 2009, bietet Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm und soll laut der Meldung “mehr Funktionaliäten als Microsoft Office” haben. Wenn die Informationen korrekt sind, könnte dies zumindest in einer Hinsicht stimmen: Das Produkt soll mit den Dokumentformaten ODF und OOXML kompatibel sein, eine Funktionalität, die bei Microsoft noch in der Entwicklung steckt (Linux-Magazin Online berichtete hier und hier).

Laut Eigenwerbung auf seiner Webseite befindet sich Evermore bereits seit 2004 “auf dem langen Marsch, Computer-Anwender in den USA, Japan und China von der Microsoft-Office-Monokultur zu befreien“. Die aktuelle Version EIOffice 2007 bietet das Unternehmen für 99 US-Dollar an, und auch mit EIOffice 2009 bleibt die chinesische Office-Variante wettbewerbsfähig mit dem Produkt aus Redmond: Die Luxusversion von EIOffice soll 1.198 chinesische Renminbi Yuan (RMB) kosten, umgerechnet rund 110 Euro, während Microsoft für sein Office 2007 mit 4.902 RMB, umgerechnet 453 Euro, rund viermal so viel haben will. Der Standards-Aktivist Andy Updegrove sieht Microsoft unter Druck und schreibt in seinem Blog: “Ein weiterer Kampf olympischer Ausmaße – mit weit mehr Gold zu gewinnen – steht ebenfalls kurz bevor.” Er prophezeit Microsofts Büroprodukten mit EIOffice schmerzhafte Konkurrenz in einem Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern.

Wie Updegrove schreibt, bemüht sich Microsoft derzeit verstärkt um den chinesischen Bildungssektor und bietet Studenten die Office-Suite für nur 3 US-Dollar. Nun peilt auch Evermore diesen Markt an, und die weite Verbreitung von UOF als Standard könnte hierbei Starthilfe leisten. Interfax zitiert ein Mitglied der chinesischen Akademie für Ingenieurswissenschaften (CAE) und Open-Source-Befürworter, Professor Ni Guangnan mit der Prognose, dass UOF das Microsoft-Format OOXML als globalen Standard schlagen könne. Weil UOF den chinesischen Anwendern größere Wahlfreiheit biete, sei dies auch eine Chance für regionale Software-Entwickler, die Microsoft-Dominanz in China zu brechen. Updegrove berichtet über weitere Schwierigkeiten des amerikanischen Unternehmens in China: Das Softwareunternehmen soll laut Everex-Vizepräsident Cao Shen erstes Ziel für das neue Anti-Monopol-Gesetz in China sein, das Ende Juli in Kraft treten soll.

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