Open Source im professionellen Einsatz

Ballmer fordert erneut Lizenzzahlungen von Red-Hat-Anwendern

11.10.2007

Zum wiederholten Mal forderte Microsoft-Chef Steve Ballmer Lizenzgebüren von Red-Hat-Anwendern.

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In Ballmers Rede auf einer Firmenveranstaltung in Großbritannien sieht er als Grundlage für mögliche Forderungen Ansprüche aus der Verletzung geistigen Eigentums. "Leute, die Red Hat nutzen und zumindest unser geistiges Eigentum respektieren, haben in gewisser Weise die Verpflichtung, uns zu entschädigen", sagt Ballmer. Nicht zum ersten Mal ist der Linux-Distributor Red Hat Ziel der Angriffe des Konzernchefs. Im Gegensatz zu Novell und anderen Linux-Unternehmen wie Xandros oder Linspire hat das Linux-Unternehmen bislang noch keine Vereinbarung bezüglich "Patentschutz" mit dem Konzern getroffen, obwohl Microsoft dies offensichtlich anstrebt.

Im Juli sagte Red Hats Deutschlandchef Werner Knoblich zu den fortgesetzten Angriffen Microsofts, dass Red Hat bislang nur die Interoperabilität zwischen den Betriebssystemen als Thema einer Vereinbarung sehe. Eine aktuelle Stellungnahme steht derzeit noch aus.

Update: Inzwischen hat Red-Hat-Deutschland in einem Kurzinterview Stellung bezogen.

Um auch den Kunden die Zweifel zu nehmen, hat Red Hat zusätzlich eine Webseite eingerichtet, auf der das Unternehmen die Rechtslage aus seiner Sicht schildert. Das Unternehmen verweist zudem auf sein "Open Assurance Program". Red Hat versichert hierin, dass es jeglichen nachweislich strittigen Quellcode umgehend austauschen würde. Jedoch ist dem Unternehmen aktuell auch nicht bekannt, dass tatsächlich eine Klage gegen Linux-Code auch nur angestrebt sei: "Uns ist keine Patentklage gegen Linux bekannt. Jemals. Irgendwo.", heißt es auf der Webseite.

In seinem Konferenzauftritt geht Ballmer noch weiter und unterstellt Open-Source-Anwendern im Allgemeinen, dass sie Microsofts Patente verletzen würden. Auch dies ist nicht das erste Mal, dass der Konzern den FOSS-Anwendern mit Klagen droht. Im März 2006 berief sich Ballmer auf die "Verantwortung gegenüber Aktionären" als Begründung, und auch nach den Vereinbarungen mit Linux-Unternehmen wie Novell im November 2006 nahmen die Angriffe kein Ende. Der Microsoft-Jurist Brad Smith nannte dem Wirtschaftsmagazin Forbes im Juni sogar eine konkrete Zahl: Man habe festgestellt, dass Freie Software insgesamt mehr als 235 Patente verletze (wir berichteten).

Die umstrittene Rede Ballmers hat der Microsoft-Mitarbeiter Lars Lindstedt auf einer britischen Unternehmenswebseite veröffentlicht.

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