Open Source im professionellen Einsatz

Angeschaut: Mikro-Notebook Ben Nanonote (Galerie)

01.04.2010

Wer die Finger darauf legt, will vorsichtig sein: Der Kleinstrechner mit Drei-Zoll-Bildschirm, Klappendeckel und Tastatur wirkt zerbrechlich, ist aber gut verarbeitet. Nur die Bildschirmabdeckung ist zu weich.

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Die Tastatur zeigt einen angenehmen Widerstand beim Bedienen, manches Netbook ist klappriger gebaut. Die Tasten sitzen nicht nur fest, sondern verfügen über eine Klarplastikschicht, die die darunter angebrachten Zeichen schützt. Sich abnutzende Aufkleber sind also nicht zu befürchten, wie sie ebenfalls oft bei Notebooks anzutreffen sind. Weitere Verarbeitungsdetails lassen anerkennend mit dem Kopf nicken: Die Scharniere des Klappdeckels wackeln nicht, der Deckel (der übrigens etwas zu schwer für den Körper geraten ist, sodass das Nano öfter mal nach hinten umkippt) hat eine eigene kleine Schließe zur stabilen Aufbewahrung des geschlossenen Geräts, der Mini-USB-Port hat eine ordentliche Gummi-Abdeckung und am Boden des Minirechners sind kleine Gummifüße angebracht. Die Schriftzüge außen auf dem Gehäuse für Micro SD, Mini USB und Reset-Knopf sind mit eigenen Ausstanzungen ins Gehäuse eingelassen. Einziges sichtbares Manko: Statt Enter-Taste hat das Testgerät eine zweite Delete-Taste eingesetzt bekommen. Die Funktion ist allerdings korrekt.

Außer der Tastatur verfügt das Nano per default über keine Eingabemöglichkeit. Auf dem Gerät ist beispielsweise ein kleines Dictionary installiert, dessen Mauspointer ohne Zeigegerät-Erweiterungen verlassen in der Mitte des Bildschirms hängt. Software für Endanwender muss sich der Benutzer derzeit eher abschminken. Das Nano hat zwar einen eigenen Paketmanager und sogar ein GTK installiert, aber außer einer Konsole läuft erstmal nichts. Hier ist noch viel Bastelei nötig, woraus das Projekt allerdings auch keinen Hehl macht. Ein Problem ist aber die Oberfläche des Bildschirms. Als die Redaktion sie zwecks Foto mit einem Zewa-Tuch schlierenfrei machen wollte, zerkratzte sie stark.

Das Nano enthält ein Open-WRT-basiertes Linux unter anderem mit der Konsole Ash, Busybox und dem Paketmanager Opkg. Wenn man das Mini-USB-Kabel an einen Rechner anschließt, verhält sich der Nano als USB-Netzwerkgerät: Dmesg zeigt, dass er sich als Highspeed-USB-Device mittels des Kernelmoduls Cdc_ether (Communications Device Class, CDC) anmeldet. Die Kernelversion ist 2.6.32 und die Images werden derzeit oft neu gebaut, worüber das Nanonote-Wiki neuerdings ein Changelog führt: In der letzten Version (Image 2010-03-26) sind beispielsweise Python, PHP 5, Make, OpenVPN und TCPdump hinzugekommen. Ein neues Image lässt sich wahlweise per Software- oder per Hardware-Frickelei aufspielen (hier beschrieben, siehe verlinkte Wiki-Seite zu "USB-Boot"). Für Bastler in Ordnung, für Endanwender krude ist das Verfahren, mit dem das Nano via USB gebootet werden kann: Hierfür sind zwei offene Löststellen auf der Platine kurzzuschließen, die ans Licht kommen, wenn man den Akku herausnimmt.

Die USB-Verbindung ist übrigens die einzige Verbindung nach draußen, denn das Nano scheint nicht zu funken. Es gibt aber eine - im Vergleich zum USB-Boot - einfache Anleitung, wie man sich per SSH auf das Nano verbindet. Das Ben-Nanonote-Projekt unterhält auch ein Wiki, in dem beispielsweise die Hardware-Spezifikation und die Software-Pläne nachzulesen sind.

Fazit dieses ersten kleinen Hands-on: Bei 100 Euro (plus Versand, seit Kurzem auch in Europa erhältlich) bekommt der Käufer nicht zu wenig für sein Geld. Man muss sich aber klar sein, dass aus Anwendersicht mit dem Ausgangszustand des Nanos nicht viel anzufangen ist. Wer ein Gimmick für Versierte oder ein Hobby sucht, das in die Westentasche passt, sollte sich das Nano genauer ansehen. Wer es nicht kauft, für den ist es nicht gemacht - wer es aber sympathisch findet, wird es lieben, wenn er es in den Händen hält.

Update: Sharism.cc, ein Hersteller-Unternehmen hinter dem Ben Nanonote, hat Linux-Magazin Online versichert, dass es selbst kurz vor der Produktion die weiche Oberfläche des Geräts bemerkt und für die Verkaufsmodelle härtere Versionen bestellt hat. Auch eine Entertaste soll vorhanden sein. Außerdem sei gerade ein Image in Arbeit, das grafisch bootet.

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