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26c3: Enthüllungsprojekt Wikileaks will Island erobern

29.12.2009

Die durch eine Kaskade von Tor-Servern geschützte Whistlerblower-Plattform hat in den vergangenen Monaten eine Reihe von brisanten Dokumenten öffentlich zugänglich gemacht. Jetzt will sie jedoch noch einen Schritt weiter gehen und plant einen Datentechnischen Musterstaat im nördlichen Atlantik.

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Die bis dahin geheimen Toll-Collect-Verträge, den so genannten Feldjägerreport aus Kunduz beim umstrittenen Bombardement eines Tanklastzuges in Afghanistan, einen brisanten Plan des European Union Institute for Security Studies (EUISS) oder eine umfassende Sammlung aller Pager-Meldungen vor und nach den tragischen Ereignissen des 11. September 2001 hat das Projekt zusammengetragen. Es will damit Dokumente und Vorgänge an die Öffentlichkeit bringen, die andernfalls wenig Aufmerksamkeit erlangen, weil es für Informanten rechtlich oder politisch schwierig sein kann, solche Informationen zu veröffentlichen. Dazu bietet Wikileaks sowohl technische wie auch juristische Hilfen an. Weiterhin arbeitet das Projekt an einem "Handbuch, wie und was man durchsickern lassen sollte" und plant dies beispielsweise an Parlamentarier zu verteilen.

Julian Assange und Daniel Schmitt, die das Projekt auf dem 26c3 vertraten, kündigten eine Reihe von neuen Angeboten an:"Viele der veröffentlichten Dokumente sind zu lang oder zu kompliziert, um von den Medien aufgegriffen zu werden", findet Assange: "Daher bieten wir künftig Journalisten einige Dokumente eine begrenzte Zeit exklusiv an, damit sich ihr Wert steigert."

Einen Schritt weiter will das Projekt jedoch mit seinem neusten Plan gehen. "Nachdem mehrere isländische Banken in die Pleite gingen, konnten wir ein Dokument präsentieren, das Insider listet, die noch rechtzeitig ihre Schäfchen ins Trockene bringen konnten", beschreibt Schmitt die Ausgangssituation: "Plötzlich haben uns sehr viele Isländer zugehört". Daraufhin entwickelte das Wikileaks-Team den Plan, eine Reihe von Gesetzesentwürfen in das dortige Parlament einzubringen, um einen "datentechnischen Musterstaat, eine Art Schweiz der Bits" zu schaffen. Das soll möglichst passieren, noch bevor das Land der Europäischen Union beitritt, was es gegenwärtig plant. Auf diese Weise wollen die Aktivisten "das Beste aus Datenschutzgesetzen, Presserechten und Freiheitsgarantien aus Verfassungen" zusammentragen.

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