Aus Linux-Magazin 04/2007

Eclipse-Distribution Yoxos

© scx.hu Jorc Navarro

Nur wenige User stellen sich ihr Linux aus selbst ausgewählten Einzelkomponenten zusammen, dafür sind die Abhängigkeiten zwischen einzelnen Paketen zu komplex. Das erledigt ein Distributor meist viel besser. Mit Yoxos gibt es auch für Eclipse eine Distribution, die genauso viel Komfort verspricht.

Selbst Hardcore-Linuxer, die ihr System selbst aus den Quellen aufbauen (Linux from Scratch, Gentoo), müssen zugeben, dass sie ohne detaillierte Anleitung und Skriptunterstützung kaum ein lauffähiges System zustande brächten, jedenfalls nicht in vertretbarer Zeit. Zu unübersichtlich sind die Abhängigkeiten zwischen den in häufig wechselnden Versionen verfügbaren Paketen. Bei Eclipse sieht das auf den ersten Blick ganz ähnlich aus: Es gibt mehrere hundert Plugins mit noch mehr Features.

Bei genauerem Hinsehen offenbaren sich aber Unterschiede. Mit einem Linux-Kernel allein ist man noch meilenweit entfernt von einem lauffähigen System, während das Eclipse-Basispaket, das Interessenten in unterschiedlichen Formaten von der Eclipse-Homepage [1] herunterladen können, schon mehr Funktionen enthält, als mancher Otto-Normalprogrammierer je nutzen wird.

Was also kann eine Eclipse-Distribution an Mehrwert bieten? Die Antwort ist mehr als die Wahl einer Linux-Distribution von den Bedürfnissen der Nutzer abhängig. Im Folgenden sollen das Konzept und die Realisierung aus dem Blickwinkel eines einfachen Open-Source-Entwicklers sowie aus dem einer Firma, die mit einem größeren Team Software-Entwicklung betreibt, betrachtet werden.

Das Prinzip Yoxos

Yoxos ist ein Service der deutschen Firma Innoopract aus Karlsruhe. Yoxos bietet auf [2] drei Services an:

  • Yoxos on Demand: Dieser Dienst stellt eine
    maßgeschneiderte Eclipse-Distribution zusammen und bietet sie
    als einzelnes Archiv zum Download an. Dieser Service ist
    kostenlos.
  • Yoxos Subscription: Mit diesem kostenpflichtigen Service
    erhält der Nutzer während der Subskriptionszeit
    automatisch Updates. Yoxos verspricht die Bereitstellung von
    qualitätsgesicherten Plugins mit automatischer
    Berücksichtigung von Abhängigkeiten. Pro Jahr und Rechner
    kostet der Service zurzeit 99 Dollar.
  • Yoxos Enterprise: Das Angebot richtet sich an Firmen, die ihre
    Java-Entwicklungsumgebung standardisieren wollen. Mit Yoxos
    Enterprise können sie eine eigene In-House-Distribution
    definieren, pflegen und verteilen.

Damit deckt Yoxos die komplette Bandbreite vom Einzelentwickler bis zur Unterstützung großer Entwicklerteams ab. Die folgenden Abschnitte beschreiben die praktischen Erfahrungen mit Yoxos on Demand sowie dem Update-Mechanismus von Yoxos Subscription.

Yoxos on Demand

Der Service ist kostenlos und ohne Registrierung nutzbar. Die Auswahl der Komponenten, die der Kunde herunterladen will, erfolgt über eine intuitiv bedienbare, gut reagierende Weboberfläche (siehe Abbildungen 1 und 2). Bei der Auswahl kann sich der Anwender seine Komponenten sowohl über den Reiter »Scenarios« als auch über »Plugin List« zusammenstellen. Der erste Weg bietet sich an, um die Basis zu legen, der zweite ergänzt diese Komponenten durch ausgewählte Plugins.

Das vom Autor gewählte Anwendungsbeispiel sieht wie folgt aus: Entwicklung von Java- und C-/C++-Anwendungen mit Unterstützung durch einen visuellen Editor und UML-Modellierungswerkzeugen. Wie Abbildung 1 zeigt, hat Yoxos über den Browser (Konqueror) das Betriebssystem erkannt und die Komponenten entsprechend vorgewählt. Die Downloadgröße aktualisiert die Website nach jeder Auswahl.

 

Natürlich kann sich der Anwender auch mit einem Linux-Browser ein Paket für andere Plattformen zusammenstellen (Win32, Mac, Linux GTK sowie Linux GTK x86_64). Die Plattformauswahl sollte er aber am besten vor der Wahl der Plugins vornehmen, denn bei ihr geht die Zusammenstellung bisher ausgewählter Pakete verloren und er kann wieder von vorne anfangen. Davor warnt die Webplattform aber nicht.

Die Auswahl aus der Plugin-Liste ist ebenfalls sehr komfortabel gelöst. Per Suche bekommt der Anwender eine Liste mit entsprechenden Plugins angezeigt (siehe Abbildung 2), es fehlt aber eine Bewertung einzelner Plugins. Das wäre sicherlich ein nützliches Feature. Alternativ wäre zumindest die Anzahl der Downloads interessant.

 

Der Download des Pakets geht flott vonstatten, zumindest war beim Test die 1-MBit-DSL-Leitung des Autors voll ausgelastet. Wer nicht breitbandig angeschlossen ist, hat natürlich ein Problem. Ein CD/DVD-Versandservice der kompletten Distribution mehrmals im Jahr könnte eine Lösung sein.

Yoxos Subscription

Das heruntergeladene Subscription-Archiv im Tar-Gz-Format entpackt der Abonnent an einer der üblichen Stellen, etwa in »/opt« oder »/usr«. Damit ist Eclipse einsatzbereit. Nach dem ersten Start zeigt Eclipse die Yoxos-Perspektive (Abbildung 3). Wer schon eine lauffähige und konfigurierte Eclipse-Installation besitzt, scheut vielleicht den Aufwand eines Komplett-Downloads. Dann bietet es sich an, nur die Yoxos-Pakete und -Features herunterzuladen und wie üblich in Eclipse einzubinden.

 

Auswahl, Konfiguration und Bedienung des Yoxos-Managers sind wieder sehr intuitiv. Allerdings läuft hier ohne Subskription nichts. Der Anwender muss erst Benutzername und Passwort in den Preferences eintragen, dann klappen Download und Update aller Komponenten. Sehr schön: Er bekommt die Lizenzbedingungen neuer Plugins angezeigt, bevor der Download startet.

Was leider fehlt – das ist aber ein generelles Problem beim Standard-Update-Mechanismus: Eclipse fragt nicht nach dem Root-Passwort, die Installation scheitert, wenn die Installationsverzeichnisse nicht dem installierenden Benutzer gehören. Der Anwender muss also die Installation zusätzlicher Plugins beziehungsweise das Update als Administrator starten. Das hebelt zwar das Autoupdate-Feature aus, aber anders geht es nicht. Ein zweistufiges Verfahren wäre hier wünschenswert: Im ersten Schritt der Download in ein gewähltes Verzeichnis, im zweiten das Update durch einen berechtigten Benutzer.

Der Yoxos-Subscription-Dienst ist drei Monate lang kostenlos, erlaubt also das bequeme Testen der Funktionalität. Laut Lizenzbedingungen läuft die Test-Subskription allerdings nicht automatisch ab, der Anwender muss also aktiv kündigen. Hier wäre das umgekehrte Verfahren kundenfreundlicher. Wer nicht aufpasst, hat sonst schnell eine ungewollte Subskription am Hals.

Wer zusätzlich zur Eclipse-Basis nur einzelne Plugins braucht, kann auf die Subscription verzichten, der normale Update-Mechanismus genügt. Wer jedoch verschiedene Plugins mit ihren Abhängigkeiten benötigt, fährt mit Yoxos besser. Statt umständlich die verschiedenen Update-Sites innerhalb der Eclipse-Installation zu pflegen, bietet Yoxos einen zentralen Manager, der über den Yoxos-Update-Server alle verfügbaren Plugins verwaltet. Zusätzliche Features, etwa Szenarien für verschiedene Einsatzgebiete, machen Yoxos zu einem nützlichen Dienst für kleinere Entwicklergruppen, die in einer definierten, einheitlichen Umgebung entwickeln möchten.

Yoxos Enterprise

Das Enterprise-Angebot geht noch einen Schritt weiter. In großen Firmen gibt es in der Regel Abteilungen, die sich um die technischen Prozesse kümmern. Sie legen fest, wie und mit welchen Tools die Entwickler arbeiten. Konsistente, standardisierte Umgebung sparen Geld und sorgen für reproduzierbare Ergebnisse.

Yoxos Enterprise erlaubt es, das Yoxos-Prinzip innerhalb einer Firma zu etablieren. Der Dienst bietet eine komplette Toolchain für die Erstellung und Qualitätssicherung einer In-House-Distribution sowie den Betrieb eines Update-Servers. Die eigentliche Codebasis, Yoxos Library genannt, enthält alle öffentlich zugänglichen Plugins.

Für einen Test wollte der Hersteller Innoopract das Produkt Yoxos Enterprise nicht zur Verfügung stellen. Begründung: Yoxos Enterprise werde stets auf Kundenwünsche abgestimmt und konfiguriert. Deshalb ist an dieser Stelle eine tiefer gehende Betrachtung von Yoxos Enterprise nicht möglich. Schade, denn selbst eine Default-Konfiguration out of the Box wäre interessant. Ein wichtiges Entscheidungskriterium für Enterprise-Kunden ist ja auch, wie viel Konfigurationsaufwand und teurer Support notwendig sind, um eine Software-Umgebung professionell zu betreiben.

Fazit

Mit Yoxos gibt es ein Produkt, das ganz unterschiedliche Bedürfnisse von Eclipse-Usern gut und kostengünstig bedient. Während des Testzeitraums sind keine technischen Probleme aufgetreten, die Bedienung der Web- und Plugin-Oberflächen ist intuitiv und ohne Einarbeitungsaufwand möglich. Auch die Balance zwischen freien und kostenpflichtigen Angeboten überzeugt.

Einziges technisches Manko ist der Autoupdate-Mechanismus, der den User dazu zwingt, als Administrator zu arbeiten. Das ist auch bei Yoxos Enterprise so, eine Integration in bestehende Software-Managementsysteme wie RPM ist derzeit nicht vorgesehen. (ofr)

Infos

[1] Eclipse: [http://www.eclipse.org]

[2] Yoxos: [http://www.yoxos.com]

Der Autor

Bernhard Bablok arbeitet bei der AGIS mbH als Anwendungsentwickler. Wenn er nicht Musik hört, mit dem Radl oder zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um die Objektorientierung. Er ist unter [mail@bablokb.de] zu erreichen.

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