Was viele nicht wissen: Ubuntu hat einen schlanken Ableger für den Produktiveinsatz auf Servern. Der verwirrt nicht mit grafischem Schnickschnack, sondern erinnert sich der Unix-Tugenden Purismus und Transparenz. Vor wenigen Tagen hat eine neue Version das Licht der Welt erblickt – die beiliegende CD enthält sie.
Bei Red Hat und Suse Novell hält sich die Freude über den neuen Ubuntu-Server sicher in engen Grenzen, steht dieser doch in direkter Konkurrenz zu ihren eigenen Server-Distributionen. Und während Ubuntu kostenlos zum Download bereitsteht, kosten die Konkurrenzprodukte mehrere hundert Euro.
Gerade im dabei wichtigsten Punkt, dem Support, hat Mark Shuttleworth (Abbildung 1) die Zeichen der IT-Zeit erkannt und bietet Updates seit der Server-Version 6 (Dapper Drake) fünf Jahre kostenlos und ohne Registrierungspflicht an. Das Konzept überzeugt offensichtlich auch IBM und MySQL, die den Server für ihre Datenbanken zertifiziert haben.

Abbildung 1: Ubuntus Ziehvater Mark Shuttleworth richtet sein Augenmerk jetzt auch auf den Servermarkt – und treibt Red Hat und Suse Linux damit Sorgenfalten auf die Stirn.
Was bin ich?
Die Distribution richtet sich in erster Linie an Anwender, die eine solide und schnörkellose Basis für diverse Serverdienste erwarten. Die Grundinstallation befördert nur die wichtigsten Programme auf die Festplatte und benötigt in betriebsbereitem Zustand gerade einmal 450 MByte Plattenplatz. Ähnlich sparsam zeigt sich der Ubuntu-Server im Umgang mit Hauptspeicher: Theoretisch 32 MByte reichen zum Betrieb, 128 MByte empfiehlt der Distributor jedoch als Minimum.
Als zweite Variante bietet das Setup die Installation aller für einen Webauftritt (LAMP) notwendigen Komponenten (Abbildung 2). Ubuntu installiert in der Basisversion keine von außen erreichbaren Dienste. Lediglich die LAMP-Variante startet die Apache- und MySQL-Server nach der Installation.

Abbildung 2: Bereits bei der Installation legt der Administrator den späteren Einsatzzweck des Servers fest, entweder Standardserver oder LAMP.
Da das Setup in beiden Fällen nur ein Minimum an Paketen einrichtet, muss der Admin nach Abschluss der Installation zusätzliche Pakete via »apg-get install« von Hand nachinstallieren. Eine Paket-Vorauswahl während der Installation ist nicht möglich.
Wer den Komfort von Konfigurations-Tools wie Suses Yast nicht missen möchte, sollte vom Ubuntu-Server besser die Finger lassen: Dessen Konfiguration erfolgt, ähnlich wie bei Debian, ausschließlich über die Skripte und Konfigurationsdateien. Mit der Kommandozeile wenig Erfahrene könnten sich mit nachinstallierten grafischen Konfigurationsoberflächen wie Webmin oder Confixx behelfen – freilich remote, denn ein X11-Server ist nicht vorgesehen.
Anders als Debian und Red Hat setzt die Distribution eher auf aktuelle (Tabelle 1) als auf bewährte Paketen. Das erhöht zwar den Funktionsumfang und die Kompatibilität, geht eventuell jedoch zu Lasten der Sicherheit und Stabilität.
Hoch hinaus
Dass die Entwickler den Server durchaus auch auf hoch performanten Maschinen sehen, zeigt sich bereits bei der Installation: Ein optionaler Mehrprozessor-Kernel unterstützt Systeme mit acht oder gar mehr CPUs, das Partitionierungsmodul des Installers bietet neben dem Anlegen eines Soft-Raid-Array auch die Möglichkeit, LVM-Volumes zu erstellen.
Die unterstützten Plattformen sprechen diesbezüglich auch eine deutliche Sprache. Neben dem Standard I-386 (auf der Heft-CD enthalten) und AMD 64 gibt es den Server noch zum Download für die Architekturen Ultra-SPARC T1 und PowerPC, die vorwiegend in dicken Servern zu finden sind [1].
Um die Weiterentwicklung, Updates und Aktualisierungen des Servers kümmert sich seit März dieses Jahres ein sechsköpfiges Entwicklerteam, das eigens für dieses Projekt abgestellt ist.
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Tabelle 1: |
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|---|---|
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Paket |
Version |
|
Apache |
2.0.55 |
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Apt |
0.6.43 |
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Bind |
9.3.2 |
|
DHCP |
3.0.3 |
|
GCC |
3.3.6 und 4.0.3 |
|
Gnu PG |
1.4.2 |
|
IPtraf |
2.7.0 |
|
IPtables |
1.3.3 |
|
Kernel |
6.6.15 |
|
MySQL |
5.0.22 |
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Nessus |
2.2.6 |
|
NFS |
1.0.7 |
|
Nmap |
4.03 |
|
Paket |
Version |
|
OpenLDAP |
2.1.30 und 2.2.26 |
|
OpenSSH |
4.2p1 |
|
OpenSSL |
0.9.8a |
|
Postfix |
2.2.10 |
|
Red Hat Cluster Suite |
– |
|
PostgreSQL |
8.1 |
|
Reiser |
4 |
|
Samba |
3.0.22 |
|
Shorewall |
3.0.4-1 |
|
Squid |
2.5.12 |
|
Vsftp |
2.0.4 |
|
Wireless Tools |
– |
|
Zope |
3.2.1 |
Hilfe und Support
Das Verzeichnis »/doc« auf der Installations-CD enthält sowohl den Server Guide der Webseite [2] als auch eine umfangreiche Installationsanleitung im HTML-Format, die während des Setups jedoch nicht erreichbar ist. Daher ist es durchaus sinnvoll, die relevanten Passagen zuvor auszudrucken. Um sie aufzurufen, empfiehlt es sich, den Text-Browser Links nachzuinstallieren.
Online steht eine große deutschsprachige Ubuntu-Community [3] dem Anwender mit Rat und Tat zur Seite. Die Webseite [http://www.howtoforge.com] gewährt einen detaillierten technischen Einblick in das Setup der Distribution. Kommerziellen Support bietet das Unternehmen Canonical [4], unter dessen Schirmherrschaft Ubuntu steht. Die Helfer verlangen für einen 9/5-Jahres-Vertrag 750 US-Dollar und für die 24/7-Unterstützung 2750 US-Dollar. Diese beinhaltet innerhalb einer garantierten Rekationszeit sowohl telefonische als auch schriftliche Hilfestellung via E-Mail.
Gute Gründe fürs Installieren
In der Summe seiner Eigenschaften ist der Ubuntu-Server ein durchaus gelungenes Konkurrenzprojekt zu den kommerziellen Produkten von Novell und Red Hat. Allerdings erfordert es vom Anwender ein gerüttelt Maß an Fachwissen, weil es über kein integriertes Setup-Tool verfügt. Man könnte den Ubuntu-Server gewissermaßen als kleines Debian mit aktuellen Paketen und ungleich flotterer Installation auffassen.
Die Fünf-Jahres-Garantie für Updates und Bugfixes gewährleistet über diesen Zeitraum ein aktuelles System. Dass Ubuntu auf neuere Software setzt, bringt zweifellos Vorteile mit sich, gefährdet jedoch tendenziell sowohl die Sicherheit als auch die Stabilität des ansonsten ausgereiftem Betriebssystems.
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Tipps und Tricks zur |
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Server-Auswahl: Am Bootscreen wählt der Admin, ob er den Standardserver (»Installiere auf Festplatte«) oder den Rechner für Webauftritte (»Einen LAMP-Server einrichten«) installieren möchte. Letzterer benötigt mit 560 MByte etwa 110 MByte mehr Platz als die Standardvariante, installiert jedoch alle wichtigen Webservices wie Apache, MySQL, FTP-Server oder PHP in einem Rutsch mit. Eine manuelle Vorauswahl der Pakete wie in den meisten anderen Distributionen erlaubt die Installationsroutine aber nicht. Installation im Expertenmodus: Die Taste [F6] öffnet einen Auswahldialog zwischen »normal« und »experten«. Die Installation im Expertenmodus erlaubt die detaillierte Auswahl von Treibern, Zeichensätzen und anderen systemwichtigen Interna. Manuelle Netzwerkkonfiguration: Bei der Installation bezieht der Server seine Netzwerkinformationen von einem DHCP-Server im Netz. Ist dieser nicht vorhanden oder möchte der Admin die Netzwerkeinstellungen manuell vornehmen, erscheint nach dem manuellen Abbruch der Suche das Netzwerk-Konfigurationsfenster. Partitionierung: Das Dialogfenster »Partitionierung« lässt dem Anwender die Wahl zwischen einer automatischen Partitionierung, welche die ganze Festplatte in Anspruch nimmt, und »Partitionstabelle von Hand eingeben«. Diese Methode erlaubt zum einen das Aufteilen der Platte und zum anderen die Auswahl der Zielpartition. Das folgende Fenster zeigt in der unteren Hälfte die erkannten Partitionen (Abbildung 3) und Festplatten. |

Abbildung 3: Das Partitionierungsprogramm des Ubuntu-Servers erlaubt sowohl das Erzeugen von Soft-Raids als auch von LVM-Volumes.
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Infos |
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[1] Ubuntu Server: [http://www.ubuntu.com/server] [2] Ubuntu Server Guide: [http://doc.ubuntu.com/ubuntu/serverguide/C/] [3] Ubuntu-Forum: [http://forum.ubuntuusers.de/] [4] Kommerzieller Server-Support: [http://www.canonical.com/] |





