Die Sourceforge-Gemeinde hat gewählt: Hunderttausende eingetragene Benutzer kürten die beliebtesten Projekte aus 14 Kategorien. Außerdem wird Linux elektrifiziert und Freenet will für die totale Meinungsfreiheit im Netz sorgen. Zu essen gibt's Lammsteak mit Bratkartoffeln und Bohnen.
Die Community hat gewählt – zumindest die mehr als eine Million bei Sourceforge.net registrierten Programmierer. Die Verwalter des größten Hosters freier Softwareprojekte hatten zu dieser Abstimmung aufgerufen. Dabei ging es weder um Posten noch um Preise, sondern lediglich darum, die beliebtesten Sourceforge-Projekte aus insgesamt 14 Kategorien zu küren.
Die Organisatoren stellten der Sourceforge-Bevölkerung die 40 aktivsten Projekte zur Wahl. Beim Festlegen dieser Auswahl kamen die Anzahl der CVS-Uploads, Releases, Administrator-Logins und Webseiten-Besucher sowie das Aufkommen im Forum und auf den Mailinglisten zur Geltung.
Sourceforge-Awards
Bei den beiden Gewinnern Azureus [1] (siehe Abbildung 1) und Emule [2] handelt es sich um plattformunabhängige Filesharing-Clients. Auf dem dritten Platz findet sich mit 7-Zip [3] ein freies Archivierungstool nur für den Windows-Desktop. Die Sourceforge-Gemeinde, zumindest die 250000 Wahlteilnehmer, misst freier Software also auch für das am weitesten verbreitete Desktop-Betriebssystem große Bedeutung zu: Die meisten Sieger in den einzelnen Kategorien laufen auch oder sogar ausschließlich unter Windows.

Abbildung 1: And the winner is: Azureus! Den plattformunabhängigen Bittorrent-Client wählten die Sourceforge-Benutzer zum beliebtesten Programm.
Den umgekehrten Rückschluss auf die Popularität in der breiten Masse der Benutzer dieser Plattform lässt die Sourceforge-Abstimmung zwar nicht zu, sie weist aber darauf hin, dass zumindest die Open-Source-Entwickler zunehmend auch Windows und Mac OS X als Plattformen entdecken. Vor einigen Jahren schrieben die meisten freien Programmierer aus technischen und politischen Gründen ihre Software noch ausschließlich für freie Betriebssysteme.
Für das gute Abschneiden von Filesharing-Clients hätten Vertreter einiger Firmen und Industrieverbände wohl eine Erklärung parat: Es sei ein Indiz dafür, dass sich die Open-Source-Szene aus Raubkopierern zusammensetzt. Realistischer erklärt sich das Ergebnis wohl dadurch, dass immer mehr freie Projekte auf Bittorrent und andere Filesharing-Dienste setzen, um ihre Software zu verteilen, ohne die Bandbreite des eigenen Servers übermäßig zu belasten.
Weitere Gewinner sind die Zimbra Collaboration Suite, der Windows-FTP-Client und -Server Filezilla, Bittorrent Queue Manager, PHP-Paypal-API, Win SCP, PHP Myadmin (in den Kategorien Datenbanken sowie Systemadministration), Xbox Media Center (Spiele und Multimedia), Wine für Darwin und Mac OS X, Linux für die Microsoft Xbox, der Asterisk GUI-Client und der Instant Messenger Gaim. Alle Abstimmungsergebnisse sind unter [4] zu finden.
Elektra
Ein Linux-System und seine Anwendungen zu konfigurieren ist für reine Desktop-Benutzer und Einsteiger oft schwer. Zwar bemühen sich die grafischen Programme und Desktop-Umgebungen um Beistand, aber doppelte und sich manchmal widersprechende Menüs führen zu Verwirrung und Fehlbedienungen.
Erfahrene Anwender und Admins wissen zwar, wo sie in ihrer Distribution die Einstellungen zu ändern haben. Beim Umstieg auf eine andere Distribution raubt es aber selbst ihnen Zeit und Nerven, sich in die – nicht immer einleuchtenden – Unterschiede einarbeiten zu müssen. Die Lösung liegt in einer einheitlichen Konfiguration, von Sysinit über die »xorg.conf« und die Desktop-Umgebungen bis zu den einzelnen Desktop-Programmen – wenigstens nach dem Willen des Elektra-Projekts [5].
Als Vorbilder dienen die Windows-Registry und das Gnome-Projekt Gconf. Sie verwalten an zentraler Stelle die Konfigurationsoptionen ihres Betriebssystems beziehungsweise Desktops und erlauben somit den Zugriff zumindest über eine einheitliche Benutzeroberfläche.
Elektra verwendet eine XML-Datei, die in Form von Schlüsseln und zugeordneten Werten Konfigurationselemente beliebiger Art enthält. Sie lässt sich über das Kommandozeilenwerkzeug KDB, das grafische Frontend KDB Edit (Abbildung 2), per Texteditor oder dank des Elektra-API direkt über weitere entsprechend ausgerüstete Anwendungen einsehen und verändern.

Abbildung 2: Elektra soll die Konfiguration von Linux-Systemen vereinheitlichen. Die zentrale XML-Datei ist mit dem Texteditor, dem Kommandozeilenwerkzeug KDB oder dem grafischen Frontend KDB Edit zu bearbeiten.
Eine “Elektrifizierung” von Linux und seiner Anwendungen entbände Distributoren von der Aufgabe, grafische Werkzeuge zur Systemkonfiguration zu entwickeln, und die Admins davon, den Umgang mit ihnen zu erlernen. Elektra-Patches für X.org und Sysvinit liegen bereits vor, ebenso wie RPM-Pakete für Mandriva, Red Hat Enterprise Linux, Centos und Fedora. In Zukunft wollen die Entwickler außerdem wichtige Applikationen wie Samba oder Gnome und KDE über Gconf beziehungsweise Kconfig XT nachrüsten.
Programmierer aller Anwendungen rufen sie dazu auf, mit Hilfe der Elektra-Schnittstelle ebenfalls zur Vereinheitlichung des Konfigurationsdschungels beizutragen. Ähnliche Konzepte scheiterten in der Vergangenheit daran, dass sie mangels ausreichend großer Verbreitung das Chaos eher noch verstärkten.
Freenet
Mit dem Durchbruch des Internets zum allgemein gebräuchlichen Medium setzte leider auch eine in vielen Ländern sehr umfangreiche Regulierung ein. Sie geht Bürgerrechtsorganisationen nicht nur in Diktaturen zu weit, auch in westlichen Demokratien sehen Internet-Aktivisten Regierungseingriffe ins einst quasi anarchistische weltweite Netz als Gefahr für die Meinungsfreiheit.
Dieser Ansicht ist auch Ian Clarke, der einen Teil der Meinungsfreiheit im Internet durch die Gewährleistung von Anonymität sichern möchte. Das war einer von zwei Gründen, aus denen er mit der Arbeit an Freenet [6], nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen deutschen Internet-Provider, begann. Dabei handelt es sich um eine freie Software, die das Internet als Träger nutzt, um darüber ein in sich geschlossenes so genanntes Darknet aufzubauen: ein dynamisches Netzwerk, bestehend aus einer Vielzahl voneinander unabhängiger und gleichberechtigter Peers.
Doppelte Herausforderung
Das Vorhaben ist zweifellos auch eine technische interessante Aufgabe, die dem Freenet-Erfinder neben dem politischen Aspekt den zweiten Ansporn für seine Arbeit liefert. Eher zufällig stieß der Informatiker bei der Untersuchung eines bereits Jahre zuvor entwickelten Algorithmus darauf, dass dieser zu einer für die Zwecke von Freenet perfekt geeigneten Netzwerktopologie führt.
Bei Version 0.1 aus dem Jahr 2000 handelte es sich noch in erster Linie um einen Filesharing-Dienst, dessen Benutzer sich nicht zurückverfolgen ließen. Die Anfang April 2006 in einer Alphaversion erschienene Ausgabe 0.7 implementiert Freenet größtenteils neu und enthält eine neue Schnittstelle. Sie erleichtert es, beliebige andere Dienste wie Chat und Instant Messaging auf Freenet-Basis zu realisieren. Bislang existiert ein Usenet-ähnliches Messageboard-System sowie mit den so genannten Freesites eine Parallelstruktur zum World Wide Web, bei der sowohl Anbieter als auch Betrachter aller Seiten anonym bleiben.
Statt auf TCP setzt die neue Freenet-Version auf UDP, ein effizienterer Routing-Algorithmus minimiert nebenbei Probleme mit Firewalls und NAT-Routern, auch wenn Port-Forwarding weiterhin nötig bleibt. Der Benutzer steuert die in Java-geschriebenen Freenet-Software per Webinterface im Browser (Abbildung 3) oder via Telnet.

Abbildung 3: Freenet 0.7 befindet sich noch im Alphastadium und wird – wie hier zu sehen – über ein Webinterface oder über eine Telnet-Sitzung gesteuert.
Zensur vs. Missbrauch
Die Freenet-Entwickler haben sich der Idee der totalen Meinungsfreiheit verschrieben und sehen daher bereits die Einschränkung pornographischer oder sogar rassistischer und gewaltverherrlichender Inhalte als einen ersten Schritt in Richtung Zensur. Allerdings verweisen sie auf die im Freenet mögliche so genannte individuelle Zensur, die jedem einzelnen Knotenpunkt die Möglichkeit eröffnet, derartige Inhalte eigenverantwortlich nicht weiterzuleiten.
Die Freenet-Entwicklung treibt derzeit vor allem Matthew Toseland als bezahlter Vollzeitprogrammierer voran. Sein Gehalt und damit auch in erheblichem Maße der Fortgang von Freenet hängen von den eingehenden Spenden ab. Statt mit Geld können Interessenten auch mit Bandbreite und Festplattenspeicher oder natürlich mit eigenen Programmierkenntnissen beitragen.
Lammsteak mit Bohnen und Bratkartoffeln
Zutaten für zwei Personen: Zwei eingelegte Lammsteaks, 150 bis 200 Gramm grüne Bohnen, sechs mittelgroße Kartoffeln, zwei Zwiebeln, fetter und magerer Speck, Fleischbrühe, Bohnenkraut, Pfeffer, Salz, Knoblauchgewürz.
Zunächst die grünen Bohnen putzen, die Zwiebeln würfeln, die Kartoffeln schälen und in dünne Scheiben schneiden. Die Bohnen zehn Minuten in Fleischbrühe kochen und danach mit Pfeffer, Salz und Bohnenkraut würzen und weitere zehn bis zwanzig Minuten auf kleiner Flamme kochen lassen bis sie gar sind.
Die Kartoffelscheiben in großer Pfanne mit ausgelassenem fetten Speck braten, bis sie von beiden Seiten goldbraun sind. Nach zirka fünf Minuten die Zwiebelwürfel beigeben und mitgaren. Die eingelegten Lammsteaks von beiden Seiten je zwei Minuten in hitzebeständigem Fett scharf anbraten, bis sich die Poren schließen. Dann mit Salz, Pfeffer und granuliertem Knoblauch würzen.
Die Garzeit hängt von der Dicke der Steaks ab und davon, ob man sie lieber medium oder durch hat. Für Ersteres reicht es bei Fleischscheiben mittlerer Dicke aus, sie weitere zwei Minuten von jeder Seite zu braten.
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Infos |
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[1] Azureus: [http://sourceforge.net/projects/azureus] [2] Emule: [http://sourceforge.net/projects/emule] [3] 7-Zip: [http://sourceforge.net/projects/sevenzip] [4] Sourceforge.net 2006 Community Awards: [http://sourceforge.net/awards/cca] [5] Elektra: [http://www.libelektra.org] [6] Freenet: [http://freenetproject.org] |






