Viel Linux und beeindruckende Versorgungstechnik
Eins und eins macht viele
von Mirko Dölle, Jan Kleinert
Erschienen im Linux-Magazin
2003/09
Im Karlsruher Rechenzentrum vom Internet-Hoster 1&1 wartet auf den Besucher ein Mix aus vielen Linux- Maschinen und beeindruckender Versorgungstechnik. Das Motto Redundanz auf ganzer Linie beschreibt recht gut die primäre Philosophie der Betreiber.
Wenn sich der Besucher der spiegelnden Fassade des sechsstöckigen, repräsentativen Gebäudes nähert und dabei eine künstliche Wasserfläche über ein Brückchen passiert, verblassen die Gedanken an Bilanzskandale und geplatzte Anlegerträume in der Dotcom-Blase. Die Architektur des Ortes offenbart Erstaunliches: In und mit dem Internet sind auf Dauer Umsätze möglich.
Es folgen eine kurze Fahrstuhlfahrt in den Keller der Karlsruher Dependance der 1&1 Internet AG und eine aufwändige Schleusung in die Räume, in denen die Motoren des Erfolgs summen: In den elf Rechnerräumen stehen jeweils 62 19-Zoll-Schränke, in denen Internetserver aller Generationen stehen - angefangen von den Mietpräsenzen auf Gemeinschafts-Servern (Shared Hosting) bis zu den Root-Servern im 1-HE-Gehäuse (siehe Abbildung 1).
Auf nahezu allen läuft ein - von den 70 Entwicklern vor Ort großteils selbst gestricktes - DEB-basiertes Linux. Allein sechs Programmierer kümmern sich um Raid-Controller-Treiber oder schreiben Patches, die die Performance oder Skalierung des Kernels verbessern. Den Apache-Spezialisten von 1&1 ist es gelungen, beim Shared Hosting 15000 Angebote pro Single- oder Dualprozessor-Maschine parallel und trotzdem performant am Laufen zu halten - die Konkurrenz schafft bestenfalls die Hälfte.
Jeden Monat schieben die Hardware-Spezialisten unter den 350 Mitarbeitern rund 1000 neue Rechner in die Racks. Diese Investition ist nötig: Schließlich weist die Internetstatistik-Firma Netcraft bezüglich der "Internet-sichtbaren Server" 1&1 als den am schnellsten wachsenden Hoster aus - über 500 Prozent von März 2002 bis März 2003. Im Karlsruher Rechenzentrum, Betreiber ist die 100-prozentige 1&1-Tochter Schlund+ Partner AG, liegen knapp 40 Prozent aller registrierten deutschen Domains - mehr als drei Millionen, hinzu kommen 100000 für Großbritannien.

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Abbildung 1: Im Rechenzentrum von 1&1 liegen knapp 40 Prozent aller registrierten deutschen Domains - mehr als drei Millionen. Auf nahezu allen 19-Zoll-Servern in den elf Rechnerräumen arbeitet Linux.
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Wie Steffi und Martina für Ordnung sorgen
Die Softwareverteilung in der wohl weltgrößten Linux-Serverfarm passiert über selbst entwickelte Skripte. Das Setup für die einzelnen Server erfolgt über das Verteilen individueller Konfigdateien, die eine auf zwei Sun-Maschinen (»steffi« und »martina«) verteilte Sybase-Datenbank vorhält. Sie speichert auch alle Kunden- und Login-Daten. Zum Monitoring der Maschinen setzen die Techniker eine stark angepasste Netsaint-Variante ein.
Netzwerkverbindung
Jeder Server hängt mit 100 MBit/s am Netz, zwischen den Rechnerräumen liegen 10-GBit/s-Glasfaser-Stränge. Alle Fäden laufen im Routerraum zusammen, in dem die Daten in zwei 25-GBit/s-Glasfaserkabeln nach Paris und Frankfurt laufen (Abbildung 2).
1&1 setzt in puncto Redundanz nicht nur auf Verdoppelung der Geräte, sondern bedient sich auch unterschiedlicher Hersteller. Das soll im Fall eines Hersteller-spezifischen Problems - wie etwa dem Bug von Mitte Juli in der Router-Software von Cisco - einen Totalausfall der Internetanbindung vermeiden.

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Abbildung 2: Jörg Hennig, Technik-Vorstand bei der 1&1-Tochter Schlund+Partner, vor dem Cisco-1200-Router zum DeCIX-Knoten in Frankfurt.
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| Whitepaper |
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