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Gnucash 1.8 verwaltet Konten und Depots

Freihandel

von Rainer Dorsch
Erschienen im Linux-Magazin 2003/08

Gnucash ist die leistungsfähigste Open-Source-Software zum Verwalten privater Finanzen, Konto- und Wertpapierdepot-Inhaber haben so jederzeit die Übersicht. Durch den Gegencheck mit Kontoauszügen und dank doppelter Buchführung erkennt das Programm Fehlbuchungen sofort.

Ein oder mehrere Depots mit Aktien, Aktien-, Renten- und Immobilienfonds, festverzinslichen Wertpapieren in verschiedenen Währungen, dann das Girokonto und die Kreditkarte - bereits Normalverdiener haben Probleme damit, ihre Bankgeschäfte zu überblicken. Gnucash liefert eine übersichtliche Aufstellung der gesamten Vermögenswerte, aktualisiert Werte von Aktien, Fonds und Anlagen in Fremdwährungen aus dem Internet und kontrolliert alle Depot- und Kontoauszüge. Die freie Software stillt aber auch des Kontobesitzers verständliche Neugier daran, was mit seinen Einnahmen jeden Monat passiert.

Dem Artikel liegt die Ende Mai erschienene Version 1.8.4 von Gnucash auf einem Debian-Linux-3.0-System zugrunde. Die Version erweist sich im Test durchgängig als stabil. Negativ fällt auf, dass die Lokalisierung noch unvollständig ist (teilweise nicht übersetzte Einträge in Menüs). Wie beim Linux-Kernel zeigt auch bei Gnucash die zweite Ziffer in der Versionsnummer (hier die Acht), ob es sich um eine Entwicklerversion oder um eine stabile handelt. Eine Entwicklerserie 1.9 war zum Redaktionsschluss noch nicht gestartet.

Die wichtigsten Neuerungen in der 1.8-Serie von Gnucash sind die Unterstützung von Daueraufträgen mit Erinnerungsfunktion und terminierten Buchungen sowie des Homebanking Computer Information (HBCI-)Protokolls. Neu sind auch die Finanzbuchhaltung für kleine Unternehmen und das einfachere parallele Verwalten mehrerer Währungen.

Gnucash misst sich mit den etablierten Produkten

Trotz der dynamischen Entwicklung von KMymoney 2[1] bleibt Gnucash 1.8 das leistungsfähigste Open-Source-Finanzverwaltungsprogramm und braucht den Vergleich mit proprietären Alternativen wie Moneyplex ([2] und Artikel ab Seite 39), Moneydance oder dem mit Crossover Office unter Linux lauffähigen Klassiker Quicken nicht zu scheuen. Das rechtfertigt einen langen Artikel in diesem Linux-Magazin-Schwerpunkt.

Gnucashs Leistungsfähigkeit beim Verwalten von Girokonten und Depots sowie beim Onlinebanking manifestiert sich (noch) nicht bei geschäftlichen Prozessen: Obwohl Gnucash auch das Verwalten von Kunden- und Zuliefererdaten beherrscht und Rechnungen und Mahnungen verfertigen kann, ist der Bereich Finanzbuchhaltung für kleine Firmen recht fragmentarisch[3]. Dieser Artikel beschränkt sich daher vor allem auf den privaten Einsatz von Gnucash.

Installation

Gnucash ist derzeit in den meisten Linux-Distributionen in der Version 1.6.6 enthalten. Für Red-Hat-8-Nutzer liegt die aktuelle Version auf dem Gnucash-Server[4], in SuSE 8.2 ist Gnucash 1.8.0 enthalten, Debian-Unstable-(Sid-)Nutzer finden üblicherweise die aktuelle Version auf[5]. Nutzer anderer Distributionen erstellen mit »configure« und »make« die Pakete selbst aus dem Quellcode[6]. Das Archiv hat ein Größe von nahezu 7 MByte. Beim Entpacken mit

tar xvfz gnucash-1.8.4.tar.gz

entsteht ein »gnucash-1.8. 4«-Verzeichnis. Die darin enthaltene Readme-Datei gibt Aufschluss über die für ein erfolgreiches Kompilieren von Gnucash erforderlichen Pakete - beispielsweise Guile ab der Version 1.3.4 - und deren Bezugsquellen. Die meisten Pakete sind in aktuellen Distributionen enthalten und brauchen nur mit deren Paketverwaltung installiert zu werden.

Die in Debian 3.0 nicht oder in älterer Version enthalten Pakete sind »g-wrap-1.3.4« und »openhbci-0.9.6«. Debian-Gewöhnte kompilieren beide Pakete selbst und installieren sie in ein separates Verzeichnis, etwa »/opt/gnucash-1.8. 4«. Dann kann die Deinstallation durch bloßes Löschen dieses Verzeichnisses erfolgen. Da die Installation nicht als Superuser geschehen sollte und User in »/opt« meist nicht schreiben dürfen, führt Root für den Gnucash-User aus:

# mkdir /opt/gnucash-1.8.4
# chown User-ID /opt/gnucash-1.8.4

Unter der normalen User-ID wird G-wrap entpackt, kompiliert und installiert:

tar xvfz g-wrap-1.3.4.tar.gz
cd g-wrap-1.3.4
./configure --prefix=/opt/gnucash-1.8.4
make install

Das Gleiche mit der Openhbci-Bibliothek:

tar xvfz openhbci-0.9.6.tar.gz
cd openhbci-0.9.6
./configure --prefix=/opt/gnucash-1.8.4
make install

Als Letztes folgt Gnucash selbst:

cd gnucash-1.8.4
export LD_LIBRARY_PATH=/opt/Ugnucash-1.8.4/lib:$LD_LIBRARY_PATH
./configure --prefix=/opt/gnucash-1.8.4 --with-g-wrap-prefix=/opt/gnucash-1.8.4 --with-openhbci-prefix=/opt/gnucash-1.8.4
--enable-hbci
make install

Die PATH-Umgebungsvariable wird mit

export PATH=/opt/gnucash-1.8.4/bin/:$PATH

gesetzt, danach startet Gnucash von der Kommandozeile mit »gnucash«.

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