Aus Linux-Magazin 08/2002

Neuigkeiten und Evergreens aus der antarktischen Bibliothek

Dass Pinguine gerne programmieren, ist bekannt, etwa die Hälfte ist zudem in Emacs verliebt. Sie mögen aber auch Musik und möchten wissen, was die Multimedia-Fachbegriffe bedeuten.

Gewöhnliche Soundkarten sind für Linux kein Problem mehr, spezieller Hardware fehlt es aber nach wie vor an Treibern. Bei professionellen Musikern konnte Linux daher noch nicht richtig Fuß fassen. Aber zu behaupten, es existiere keine Software, wäre falsch.

Linux Music & Sound

Dave Phillips zeigt in seinem Buch einen Überblick über freie und kommerzielle Programme für Heimanwender und Semi-Profis. Das englischsprachige “Linux Music & Sound” ist bereits im Oktober 2000 erschienen, behandelt aber auch heute noch aktuelle Tools.

Nach einem einführenden Kapitel in die Grundlagen und die Installationsarbeiten werden die Softwarepakete geordnet nach ihren Einsatzgebieten vorgestellt. Neben Mixern und Recordern beschreibt der Autor einfache Soundfile-Editoren wie auch komplexe Studio-Software, MOD-Dateien, MIDI-Software und natürlich MP3. Weitere Bereiche widmen sich mehrspurigem Harddisk-Recording, Synthesizern und Notations-Software. Neben Netzwerk-Sound und DJ-Software spricht Phillips auch Spiele wie Quake oder Myth2:Soulblighter an.

Die Kapitel sind jeweils dreigeteilt: Ein Teil widmet sich dem Download und der Installation, die anderen beiden zeigen Anwendung und besondere Features der Programme. Das Buch ist, typisch amerikanisch, sehr einfach und verständlich geschrieben. Selbst rudimentäre Schulkenntnisse in Englisch genügen, um sich einen umfassenden Überblick über die faszinierende Welt der Sound-Software unter Linux zu verschaffen.

Info

Linux Music & Sound, Dave Phillips; Linux Journal Press, San Francisco 2000; ISBN 1-886411-34-4; 50,00 Euro

Taschenbuch Multimedia

Wo “Linux Music & Sound” aufhört, fängt “Taschenbuch Multimedia” erst an: Peter Henning gibt auf knapp 580 Seiten eine umfassende Referenz der Multimedia-Fachbegriffe. Angefangen bei theoretischen Grundlagen der Sinneswahrnehmung sind alle Bereiche enthalten: Licht und Farbe, Ton und Klang, digitale Kommunikation, Zeichen und Schrift, Animation und Video, Hard- und Software, Internet und WWW, Datensicherheit sowie E-Commerce.

Wer sich über Multimedia informieren will, findet hier zu jedem Thema einen Einstieg. Gemessen an einem imaginären Multimedia-Studiengang bietet das Buch durchaus das Niveau des Vordiploms. Der Autor, Professor an der Fachhochschule Karlsruhe, veranschaulicht den Stoff durch eine Vielzahl von Grafiken, Tabellen, Screenshots und Code-Beispielen. Wer Multimedia nicht nur genießen, sondern sich auch über die theoretischen Grundlagen und Hintergründe informieren will, findet hier die nötigen Erklärungen und Definitionen.

Info

Taschenbuch Multimedia, Peter A. Henning; Fachbuchverlag Leipzig im Carl Hanser Verlag, München 2001; ISBN 3-446-21751-7;

19,90 Euro

GNU Emacs – kurz & gut

Unter dem Titel “kurz & gut” bringt O’Reilly seit einiger Zeit eine Reihe von Kurzreferenzen zu bekannten Programmen heraus. Der Titel “GNU Emacs” sei herausgegriffen: Zu diesem Editor, pardon: zu diesem Betriebssystemaufsatz, sind praktisch keine deutschen Lehrbücher verfügbar. Umso gespannter durfte man auf diese Kurzreferenz sein, besonders bei ihrem unschlagbaren Preis von gerade 8 Euro.

Auf 60 Seiten im Hosentaschenformat finden sich alle Befehle, die ein durchschnittlicher Emacs-User jemals braucht, wenn auch bei weitem nicht alle, die Emacs kennt. Die Autorin, Debra Cameron, ist auch Co-Autorin des ebenfalls bei O’Reilly erschienenen englischsprachigen “Learning GNU Emacs”. Dieses Lehrbuch führt thematisch kaum weiter als die Referenz, erklärt die Befehle aber im Zusammenhang.

Die Kurzreferenz folgt einem Tabellenaufbau: Eine Tabellenspalte beschreibt die Wirkung des jeweiligen Kommandos, die andere enthält das Kürzel und den ausgeschriebenen Befehl. Im Emacs kann man ja statt mit einer Tastenkombination den Befehl auch im Volltext eingeben. Die einzelnen Kommandos sind nach Kontext geordnet, zum Beispiel: Emacs-Konfiguration, Emacs als Mail-Client, Formatieren von Text oder die Versionskontrolle. Wer Emacs bereits kennt, aber nicht die Online-Hilfe durchforsten will, kann das Heftchen als wertvolles Nachschlagewerk nutzen.

Info

GNU Emacs – kurz & gut, Debra Cameron; O’Reilly, Köln 2000;

ISBN 3-89721-211-0; 8,00 Euro

Abenteuer Kryptologie

Kryptologie als Geheimwissenschaft für Mathematikprofessoren, Militärs und Geheimagenten? Die Realität sieht glücklicherweise etwas anders aus. Jeder bessere Browser kann Daten verschlüsseln, PGP und SSH stehen für jeden Anwender bereit. Die Hintergründe dieser Entwicklung erklärt das spannend geschriebene Buch “Abenteuer Kryptologie”, erschienen bei Addison-Wesley. Die dritte Auflage beschreibt auch aktuelle Entwicklungen wie den DES-Nachfolger Rijndael, wirksame Angriffe auf die Handy-Kommunikation und das Abhörsystem Echelon.

Reinhard Wobst schont seine Leser und verzichtet weitgehend auf mathematische Formeln. Damit eignet sich das Buch für alle, die an Kryptologie interessiert sind und mehr über die Details und Zusammenhänge erfahren wollen. Es beginnt mit der historischen Entwicklung: von der Cäsar-Methode bis zur Enigma-Chiffre im Zweiten Weltkrieg. DES und RSA als Meilensteine der modernen Kryptographie sind ausführlich dargestellt, ebenso neuere Algorithmen wie IDEA, RC5 und sogar Quanten-Kryptographie. Eigenartig ist nur, dass Elliptische-Kurven-Verfahren fehlen. Auf ein Kapitel über Kryptoprotokolle folgen noch praktische Anwendungen.

Besonderes Gewicht legt der Autor auf die Kryptoanalyse. Er erklärt Mittel und Methoden zum Knacken von Verschlüsselung. Bei jedem Algorithmus zeigt er Risiken und Angriffsmöglichkeiten. Den gesellschaftlichen und politischen Aspekten ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Die CD zum Buch enthält zusätzliche Information, viele der im Buch zitierten Veröffentlichen sind darauf zu finden. Hinzu kommen in C implementierte Algorithmen, vom Autor entwickelte Programme und komplette Krypto-Softwarepakete wie PGP und SSH.

Info

Abenteuer Kryptologie, Reinhard Wobst; Addison-Wesley, München 2001; ISBN 3-8273-1815-7; 39,95 Euro

Einstieg in Perl

Unter der Bezeichnung Studentenausgabe bringt Galileo ein Paperback-Reprint eines schon länger erhältlichen Hardcovers heraus. Natürlich fragt niemand nach einem Studentenausweis, es handelt sich lediglich um ein Marketinginstrument. Wie beim “Linux”-Standardwerk von Kofler ist die jeweilige Vorauflage als Studenten- erheblich günstiger als die aktuelle Hardcover-Ausgabe.

“Einstieg in Perl” ist keine Sprachreferenz, sondern ein Lehr- und Übungsbuch mit einem angenehmen Verhältnis von Lehrstoff zu Übungen. Besonders fleißige Leser werden ohnehin weitere, eigene Übungen suchen. Als Einführung in Perl muss der Inhalt nicht den jeweils neuesten Stand der Sprache abdecken. Voller Umfang zum (fast) halben Preis, da kann man nur raten: zugreifen.

Das Buch folgt dem klassischen Aufbau Einführung – Grundlagen – Anwendung – Specials für Fortgeschrittene, wobei die einzelnen Teile etwa gleich lang sind. Wegen der eingängigen Sprache und der ausführlichen Erklärungen ist das Buch (auch) für Einsteiger ohne Programmier- Erfahrung geeignet.

Info

Einstieg in Perl, Andrew L. Johnson; Galileo Computing, Bonn 2002; ISBN 3-89842-276-3, 19,90 Euro

Java lernen

Speziell für Programmier-Anfänger geschrieben ist ein Buch von Judith Bishop. Anders als sonst in der Java-Literatur weit verbreitet wendet sich “Java lernen” nicht an Profis, sondern an alle Einsteiger, die ihr erstes Programm schreiben und bei der Gelegenheit Java kennen lernen wollen.

Passend zur Zielgruppe beginnt die Autorin mit Grundlagen zur Software-Entwicklung und erklärt Editoren und Übersetzer (gemeint sind Compiler). Als Beispiele dienen nicht nur einfache Konsolen-Tools, bereits das zweite Beispiel-Programm zaubert bunte Rechtecke und etwas Text auf den Bildschirm. Auch Web-Programmierung und Applets kommen nicht zu kurz. So bleiben alle Beispiele nah an der Praxis und unterstützen die Lernmotivation, selbst wenn an der jeweiligen Stelle die Theorie noch nicht bekannt ist.

Auf 750 Seiten, eingeteilt in 15 Kapitel, erklärt das Buch ausführlich alle Java-Konzepte, von Typen und Methoden über Ein- und Ausgabe, Ablaufsteuerung, Algorithmen und Datenstrukturen bis zu Vererbung, Events, Multithreading und Netzwerk-Programmierung. GUI-Programmierung kommt aber leider nur in Form des AWT zur Sprache, Swing wird nur am Rande erwähnt. Lobenswert sind die vielen UML-Diagramme. Übersichtlich sind auch die Syntax- und Algorithmen-Diagramme, die Java-Konstrukte und Programmabläufe praxisnah darstellen.

Jedes Kapitel endet mit einer Zusammenfassung, einigen Übungen und einer Reihe von Aufgaben. Die Übungen sind Multiple-Choice-Fragen, deren korrekte Antworten auf Seite 723 zusammengefasst sind. Musterlösungen für die Aufgaben sucht man aber vergebens, selbst auf der beiliegenden CD. Dort sind dafür alle Beispiele des Buchs zu finden, versteckt im Zip-Archiv »Examples.zip«, das sich selbst in »Zusatzinformationen.zip« befindet.

Info

Java lernen, Judith Bishop; Addison-Wesley, München 2001; ISBN 3-8273-1794-0; 39,95 Euro

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