Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2016
© aquafun, 123RF

© aquafun, 123RF

Entwicklungsumgebungen für Perl

Für Perl-Eintaucher

Für Perl-Entwickler gibt es ausgefeilte Plugins für Texteditoren, aber auch für ausgewachsene IDEs. Ob der Einsatz solcher Plugins oder Anwendungen tatsächlich beim Skripte-Programmieren hilft, lotet die aktuelle Bitparade anhand des Editors Vim, der Perl-IDE Padre sowie des Eclipse-Plugins Epic aus.

930

Die Programmiersprache Perl [1] zählt wohl nicht zu jenen, die in den letzten Jahren besonders viel Aufhebens um sich gemacht haben. Das muss sie auch nicht, stecken ihre Qualitäten doch im Verborgenen. Egal ob Perl Text verarbeitet oder Prozesse automatisiert, kaum eine große IT-Firma, zu nennen wären Google, Amazon oder Yahoo, kommt ohne Perl-Skripte aus. Und kaum eine Frage, die sich der geübte Perl-Programmierer stellt, kann CPAN (Comprehensive Perl Archive Network, [2]) nicht beantworten.

Die meisten Hardcore-Perl-Programmierer haben in der Regel mit den Jahren ihren Lieblingseditor gefunden und kommen nun mit diesem aus. Kein Wunder: Wer sich mit Vim oder Emacs noch im Schlaf zurechtfindet, vermisst beim Programmieren nichts.

Dennoch kann es gerade bei umfangreichen Projekten mitunter sinnvoll sein, einmal in fremde Schuhe zu schlüpfen und zu einer ausgewachsenen Entwicklungsumgebung (IDE) zu greifen. Oder zumindest die vorhandenen Möglichkeiten mit Plugins zu erweitern.

Die Bitparade will die Frage nach den Vor- und Nachteilen solcher Schuhwechsel anhand dreier solcher Helfer beantworten. Wer auf Vim nicht verzichten möchte, freut sich womöglich über das Plugin Perl-Support [3], da es die Grundfunktionen des Lieblingseditors hilfreich erweitert. Daneben stellt der Artikel Padre (Perl Application Development and Refactoring Environment, [4]) vor. Diese maßgeschneiderte Entwicklungsumgebung will Perl-Programmierern sämtliche Werkzeuge, die sie benötigen, aus einer Hand liefern. Schließlich wendet sich die Bitparade noch dem Eclipse-Plugin Epic [5] zu, dieser sehr ausgereiften und zugleich umfangreichen IDE für Perl-Entwickler.

Tabelle 1

Featurevergleich

Feature

Perl-Support (Vim)

Padre

Epic (Eclipse)

Multiplattform-Support

+

+

+

Syntax Highligthing

+

+

+

Syntaxprüfung

-

+

+

Refactoring

-

-

+

Code Completion

nachrüstbar

+

+

Code Folding

+

+

+

Coding-Support

+

-

-

Auto-Einschübe

+

+

+

Lesezeichen

-

+

+

Code Snippets

+

+

+

Kontextsensitive Hilfefunktion

-

+

+

Patch/Diff-Integration

+

+

+

Versionierung

nachrüstbar

+

+

Multilinguales Userinterface

-

+

+

Functions and Outline

nachrüstbar

+

+

Debugging

nachrüstbar

+

+

Perl::Critic

+

+

+

Perl::Tidy

+

+

+

Perldoc-Support

+

+

+

Projektbrowser

nachrüstbar

+

+

Regex-Editor

+

+

+

Remote-Editing

+

+

+

Quellcode-Navigation

-

+

+

To-do-Listen

-

+

+

Anpassbare Zeilenumbrüche

+

+

+

Dokumentation

+

+

+

Alle drei Tools sind quelloffen, ihr Einsatz ist sowohl unter Linux als auch unter Mac OS und Windows möglich. Als Basis für die Tests diente ein frisch installiertes Ubuntu 14.04 LTS.

Perl-Support

Ubuntu setzt Vim weder als Standardeditor ein, noch installiert es den Editor mit. Der Artikel greift zu Gvim, einer Version des Editors mit grafischer Oberfläche, die gerade für weniger Vim-Affine etwas komfortabler zu bedienen ist. Ein

sudo apt-get install vim-gnome  libperl-critic-perl

installiert Ubuntus Gvim-Ausgabe mit den bekannten Gnome-Symbolen (Abbildung 1) sowie das Perl-Modul »critic« , das zum Einsatz kommt, wenn der Programmierer seinen Perl-Code auf Syntaxfehler hin überprüft. Das Perl-Plugin für Vim heißt Perl-Support, der Entwickler Fritz Mehner pflegt und erweitert es seit 2003 regelmäßig.

Abbildung 1: Der geöffnete Menü-Eintrag Perl im Editor Gvim, einem Frontend für Vim.

Der Download von »perl-support.zip« gelingt über die Webseite [3], der Entwickler entpackt das Archiv über »unzip perl-support.zip« am besten im Verzeichnis »$HOME/.vim« . Das legt gleich eine passende Ordnerstruktur an.

Startet er Vim für Gnome über das Kommando »gvim« und wählt den Menüpunkt »Werkzeuge | Load Perl Support« , erscheint der neue Menü-Eintrag »Perl« , der die Funktionen des Plugins auflistet (Abbildung 1). Der Menü-Eintrag wird auch zugänglich, sobald Gvim eine Perl-Datei erkennt. Das passiert, wenn der Entwickler eine solche öffnet oder wenn er auf der Kommandozeile von Gvim den Dateityp über

:set filetype=perl 1

setzt. Abbildung 1 zeigt einen Ausschnitt der Erweiterungen, die das Plugin dem Editor hinzufügt. Die ersten Menü-Einträge liefern jeweils leere Gerüste, um verschiedene Befehle syntaktisch korrekt in das Skript einzufügen, dazu gehören Kommentare (»Comments« ), Deklarationen (»Statements« ) und Ausdrücke (»Idioms« ). Dass diese Einteilung teilweise deutlich von der in der Literatur üblichen Gruppierung abweicht, mag anfänglich überraschen. Insgesamt betrachtet ergibt sich mit der weiteren Einteilung aber eine sinnvolle Struktur, über die der Programmierer effizient an den passenden Befehl gelangt und sich einiges an Schreibarbeit erspart. Weniger geübte Perl-Nutzer erhalten dadurch einen raschen Einblick in die Syntax.

Profiling und Debugging

Die weitergehende Einteilung orientiert sich wesentlich stärker an dem, was Entwickler regelmäßig brauchen: Reservierte Variablennamen, reguläre Ausdrücke, die POD (Auszeichnungssprache zur Dokumentation) und diverse Optionen, um Datei-Eigenschaften zu überprüfen. Die Funktionen im »Snippets« -Submenü verwalten Coderoutinen fürs Recycling.

Mit dem »Profiling« -Eintrag überprüft der Entwickler die Effizienz seines Codes. Dafür braucht er allerdings zusätzliche Perl-Module, die nicht als fertige Ubuntu-Pakete vorliegen. Am einfachsten holt er diese mit dem Tool CPAN-Minus und den Befehlen aus Listing 1 direkt aus dem CPAN.

Listing 1

cpanm

01 sudo apt-get install cpanminus
02 sudo cpanm Devel::SmallProf
03 sudo cpanm Devel::FastProf
04 sudo cpanm Devel::NYTProf

Die Befehle berücksichtigen auch alle Abhängigkeiten und installieren die entsprechenden Module mit. Über »Run« lässt sich das Perl-Programm ausführen. Dabei kann der Entwickler beim Start auch gleich diverse Parameter übergeben. Hinter dem Menü-Eintrag verstecken sich außerdem der Zugriff auf den Perl-Debugger sowie auf die Tools Perltidy [6] und Perlcritic [7].

Mit dem Debugger muss der Entwickler an dieser Stelle bereits vertraut sein, da das Gvim-Plugin keine weiteren Hilfestellungen zu dessen Bedienung anbietet. Perltidy will ihm zu ordentlich formatiertem Code verhelfen (was nicht immer gelingt) und Perlcritic warnt vor schlampiger Syntax, die früher oder später zur Stolperfalle werden könnte.

Sämtliche Ausgaben eines gestarteten Programms sowie jene der hier verankerten Tools (den Debugger ausgenommen) schreibt Gvim in einen neuen Frame. Wer die Ausgaben lieber in einem Terminal mitlesen mag, konfiguriert dies über den untersten Menü-Eintrag »output: Vim->buffer->xterm« .

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 7 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Epic

    Weil Perl-Kundige eher Kommandozeilen-Spartaner sind, kann man integrierte Entwicklungsumgebungen für diese Sprache an einer Hand abzählen. Eine davon, Epic, bringt Licht in Eclipse, die Finsternis.

  • Cebit Open Source 2010 - Projektpräsentation Perl

    15 Projekte aus dem Open-Source-Bereich bekommen bei der Cebit Gelegenheit sich zu präsentieren, Perl ist eines davon.

  • Zoidberg: Shell für Perl-Liebhaber

    Der Perl-Entwickler Joel Berger hat Zoidberg, eine modulare Perl-Shell, wiederbelebt.

  • Ordentlich aufgemotzt

    Die vielseitige Entwicklungsumgebung Eclipse lässt sich per Plugin zur Qt-IDE aufrüsten. Wie sich das aufgemotzte Tool im Vergleich mit Kdevelop und Qt Creator schlägt, verrät dieser Artikel.

  • Völlig losgelöst

    Das innovative Eclipse-Konzept weitgehend unabhängiger Plugins beschäftigt seit über zwei Jahren die Welt der Software-Entwicklung. Grund genug, um die zugrunde liegende Architektur etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und es selbst einmal mit einer eigenen Erweiterung zu versuchen.

comments powered by Disqus

Ausgabe 10/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.