Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2012
© Oleg Zhukov, 123RF

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Zwei freie Systeme zur Softwareverteilung im Vergleich

Paketzentren

Alle Linux-Clients einer Firma auf dem aktuellen Stand halten – das erweist sich auf Dauer als logistische Herausforderung. Dem geplagten Administrator helfen zum Glück Systeme zur Softwareverteilung, für die er noch nicht einmal den Geldbeutel öffnen muss.

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Zwei Mausklicks genügen – und schon bekommen alle Rechner der Buchhaltung die neueste Tabellenkalkulation installiert. Der Administrator muss sich dazu nicht einmal von seinem Stuhl erheben. Möglich machen das Programme zur Paketverteilung. Sie arbeiten allesamt nach einem einfachen Prinzip: Ein zentraler Server hortet und verwaltet alle verfügbaren Softwarepakete. Dort können sich dann nicht nur die angeschlossenen Clients selbst bedienen, auf Weisung des Administrators schiebt der Server auch beliebige Pakete auf einige ausgewählte Clients. Daneben lassen sich natürlich Pakete auch wieder deinstallieren oder Clients aktualisieren.

Damit sich der Admin dabei nicht die Finger wund klickt, darf er mehrere zusammengehörende Pakete zu einer Paketgruppe vereinen: Die Entwicklungsabteilung freut sich beispielsweise über Eclipse, Java und einen UML-Editor. Danach genügt ein einziges Kommando, um alle drei Werkzeuge gleichzeitig auf den betroffenen Clients einzuspielen oder wieder zu löschen. Analog fasst er jene Clients in Gruppen zusammen, die jeweils eine angepasste Software-Ausstattung erhalten.

Serverausstattung

Wer nach einer kostenlosen Softwareverteilung für Linux-Clients sucht, stößt immer wieder auf die Namen M23 und Spacewalk. Wesentlich neuer ist Pulp, das ein eigener Artikel in diesem Themenschwerpunkt beschreibt.

Beide Testkandidaten richten auf dem Server-Rechner mindestens Apache nebst einer Datenbank ein, die leider meist mit bereits installierten Pendants kollidieren. M23 bringt einen LDAP-Server mit, Spacewalk bindet vorhandene ein. Um nicht in die Tiefen der Konfigurationsdateien absteigen zu müssen, stellt der Administrator tunlichst einen eigenen Server für die Paketverteilung ab. Dieser kann übrigens nicht nur selbst Pakete vorhalten, sondern auch gleich ganze (externe) Repositories spiegeln. Damit ist man zwar unabhängig von der Internetverbindung, doch kostet die Zwischenspeicherung mitunter ordentlich Festplattenplatz.

Der Server kann die Installation der Programmpakete nur dann erzwingen, wenn die Clients unter seiner Kontrolle stehen. Dazu impft der Admin sie mit einer Clientsoftware und meldet sie anschließend beim Server an. M23 und Spacewalk installieren daneben auch ganze Distributionen auf neuen Clientrechnern und wildern damit im Bereich der Provisioning-Systeme.

M23

Schon seit 2002 arbeitet Hauke Goos-Habermann an M23 [1], das auf dem Server zwingend ein Debian-System voraussetzt. Die Software verwaltet Clients mit Debian, Ubuntu, Kubuntu, Xubuntu, Linux Mint, Fedora und Open Suse. Der Server lässt sich von einem bereitgestellten ISO-Image installieren, das ein kleines Debian 6 (Squeeze) in der 32-Bit-Fassung enthält. Alternativ holt der Admin die M23-Pakete auch aus einem Repository in einen vorhandenen Debian-Server oder greift zu einer fertigen virtuellen Maschine für Virtualbox.

Nach der Installation läuft auf dem M23-Server neben Apache mit PHP und einer MySQL-Datenbank auch ein eigener DHCP-Server. Er beißt sich unter Umständen mit anderen Kollegen im Netzwerk. Bei Kollisionen empfiehlt das Handbuch, die anderen DHCP-Server abzuschalten und ausschließlich die M23-Instanz zu benutzen.

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