Stadtführung in Helsinki mit Anna Torvalds
"Ein pflegeleichtes Kind"
Für Linux- und Linus-Fans gibt es sicherlich keine exklusivere Stadtführung durch Helsinki, als Anna Torvalds sie für einen Reporter des Linux-Magazins veranstaltet hat.
Hintergrund: © Bram Janssens, 123RF.com
Für Linux- und Linus-Fans gibt es sicherlich keine exklusivere Stadtführung durch Helsinki, als Anna Torvalds sie für einen Reporter des Linux-Magazins veranstaltet hat.
Viherniemenkatu/Grönnäsgatan - wie jede Straße in Helsinki ist auch die von Anna Torvalds auf Finnisch und Schwedisch beschriftet. Mutter Torvalds, Mikke genannt, gehört wie auch Linus' Vater der großen schwedischen Minderheit im Lande an.
Abbildung 1: Fast alles zu Fuß erreichbar, nur ein Teil der Universität (8) liegt außerhalb des Stadtzentrums. Linus' Wohnungen (2, 3, 6 und 7), die beiden Schulen (4 und 6) und das Studentenhaus (9) finden sich nahe der zentralen Einkaufszentren (10). Seine Mutter Anna wohnt heute im Norden der Stadt, mit Blick aufs Meer (1)
Hinter der gläsernen Haustür des Appartementhauses in der Grönnäsgatan hängt ein großes Schild mit den Namen der Bewohner (Abbildung 2). Eine Zeile macht das Schild zur Rarität: "Torvalds" steht da. Weltweit gibt es nur gut 20 Menschen mit diesem Familiennamen, die alle von Linus' Großvater väterlicherseits abstammen. Der änderte mit 18 seinen Namen, weil er außerehelich geboren war und seinen Vater nie getroffen hatte, obwohl der von seinem Kind wusste.
Ein paar Stockwerke weiter oben, an Mikkes Tür, zeugt ein zerbrochenes Emailleschild (Abbildung 3) von vielen Umzügen und einer Familie, die Linus in seiner Autobiographie als "disfunktional" bezeichnet [1].
Zur Stärkung vor der Stadttour hat Mikke starken Kaffee und süße karelische Teigtaschen mit Rührei, Butter und Salz vorbereitet. Während des Essens raucht sie eine Zigarette nach der anderen. In einem Meeresarm vor den großen Fenstern ihrer Wohnung spiegelt sich das Zentrum der finnischen Metropole (Abbildung 4).
"Die einzige Hauptstadt der Welt, in der man von der Geburt bis zum Grab alles in Fußreichweite hat." Anna Torvalds liebt ihre Stadt und hat für das Linux-Magazin einen Rundgang zusammengestellt, wie er in keinem Reiseführer steht (Abbildung 1). Die historischen Eckdaten dazu liefert Linus' Lebenslauf (Abbildung 14).
Lenin-Büsten, chinesische Militärkappen mit rotem Stern und eine Unzahl von Büchern und bunten Reiseandenken schmücken Anna Torvalds gemütlich eingerichtete Wohnung.
Auf einem Schränkchen steht ein Bild ihrer Mutter. Linus wird sie sicherlich Mormor genannt haben, so heißt die Oma mütterlicherseits auf Schwedisch, die Opas Morfar und Farfar, die Oma väterlicherseits Farmor. Unter dem Tisch wedelt ihre Hündin Digna mit dem Schwanz. "15 Jahre ist sie jetzt, lange macht sie es wohl nicht mehr. Aber dann bin ich nicht mehr angebunden", erklärt Mikke. Nach einer Karriere als Journalistin (wie ein Großteil der Familie Torvalds), Übersetzerin und Grafikerin ist sie jetzt im Vorruhestand und will in ein paar Monaten noch einmal mit Reisejournalismus loslegen. Sie setzt ihren rosafarbenen Sommerhut auf und packt die Zigaretten in die Handtasche.
"Also, zuerst geht es dahin, wo wir gewohnt haben. Dann zu den Schulen und zur Universität", erklärt sie. "Ganz am Schluss setzen wir uns dann ins Café vor dem Studentenhaus." Ihren Sohn hat sie Ende 1968 in einem Krankenhaus außerhalb der Stadt zur Welt gebracht, in den ersten Wochen schlummerte Linus brav in seinem Weidenkörbchen.
Kurz danach - 1969 - zog die Familie Torvalds in die Stenhuggaregatan (Abbildung 5), wo sie bis zur Scheidung von Linus' Vater 1976 wohnten. Danach folgten einige Jahre in der Stora Robertsgatan (Abbildung 6), beide unweit von Linus' Grundschule in der Sjömansgatan (Abbildung 7). "Der Park hinter dem Haus hatte es Linus angetan, er liebt die Natur, vor allem Tiere." Auch heute noch geht es bei fast jedem der seltenen Familientreffen in den Zoo. "Sein neuestes Hobby ist das Tauchen. Nach einem Urlaub mit Freunden auf Hawaii letztes Jahr konnte er vor lauter Begeisterung von nichts anderem mehr reden!"
An seine Kindheit erinnert sich Linus laut seiner Autobiographie [1] nur spärlich. Er beschreibt sich als hässliches Kind, ohne jede Ahnung von Kleidung, mit großer Nase, und ist heilfroh, dass es so gut wie keine Fotos aus der Zeit gibt. Gut in Mathe und Physik, aber dank seines späten Geburtstags immer der Kleinste und Jüngste in der Klasse. "Ein Freak, ein Nerd" [1], aber trotzdem kein Außenseiter. "Ich habe mir immer Sorgen gemacht, wie der Junge jemals eine Frau finden soll, vor allem als das mit den Computern angefangen hat", erzählt Mikke und fügt etwas stolz hinzu: "Aber Gott sei Dank hat das mit Tove ja doch geklappt, und jetzt hat er drei so nette Töchter."
Alle Rezensionen aus dem Linux-Magazin
Im Insecurity Bulletin widmet sich Mark Vogelsberger aktuellen Sicherheitslücken sowie Hintergründen und Security-Grundlagen. mehr...